Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen

Denkwürdigkeiten aus meinem Leben [microform]

Titel: Denkwürdigkeiten aus meinem Leben [microform] Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: 1769-1843 Caroline Pichler , 1881-1925 Emil Karl Blümml
Vom Netzwerk:
|Er erklärte nämhch, daß er Pichler bei der Kommission nicht ent-behren könne und verlangte daher und erhielt es auch, daß er hier in Wien bei der Landesstelle, deren Chef damals Graf Mittrowsky war, als Regierungsrat ange-stellt wurde *^^). Nun hatte Gott geholfen. Pichler hatte eine sehr ehrenvolle Stufe in verhältnismäßig sehr kurzer Zeit — er war erst sechs Jahre Sekretär gewesen und erst überhaupt seit 17—18 Jahren angestellt — erstiegen; eine Schnelligkeit der Beförderung, die jetzt wohl selten einem Bürgerlichen zuteil wird. — Der Zwiespalt in unserm Hause war geschlichtet, wir blie-ben hier und bei meiner Mutter, und so löste sich alles in Freude und Beruhigung auf.
    Mein Bruder hatte sein geliebtes Weib verloren, aber er war ein blühender Mann von 28—29 Jahren, der bereits einen nicht unbedeutenden Posten, als Hof-konzipist*2°), bekleidete, und der einiges Vermögen be-saß, welches durch das Gerücht wie gewöhnlich viel größer ausgeschrien wurde. Es konnte daher nicht feh-len, daß allerlei Pläne auf seine Hand gemacht wurden, welche aber meist spurlos von seinem Hetzen abgHtten. Nur ein Mädchen, die Tochter eines uns weitläufig verwandten Hauses, gewann ihm durch große Herzens-güte, noch mehr aber durch die sichtlichen Bemühun-
    gen ihrer Familie, dieses Band zu knüpfen, und es vor der Welt als ein schon geknüpftes erscheinen zu lassen, einige Aufmerksamkeit ab. Sie liebte ihn gewiß sehr und aufrichtig. — Sei es aber, daß das Bild seiner Ver-lorenen, die durch ein imposantes und wirklich wür-diges Äußere, bei einer kühlen und mehr verständigen als liebevollen Gemütsart ganz das Widerspiel There-sens*^^) (so hieß jenes Mädchen) gewesen war, ihm zu lebhaft vorschwebte; sei es, daß eben jene zu auffallen-den Bemühungen der Familie ihm widersagten: genug, nachdem einige Monate zwischen Hoffen und Verzagen, Annähern und Entfernen hingegangen waren, ent-schloß sich mein Bruder, diese Verbindung, welche ihm kein Glück, wie er es forderte, zu versprechen schien, lieber mutig zu brechen, als sich in unbefrie-digenden Verhältnissen eine Weile hinzuschleppen, das Mädchen immer tiefer in eine, am Ende hoffnungs-lose Leidenschaft sich verwickeln zu lassen, und nach einem halben oder ganzen Jahre doch endUch zu dem Resultate zu kommen, das jetzt scholl vor ihm lag, nämlich, daß sie beide nicht für einander paßten.
    Mir tat dieser Entschluß sehr weh. Ich war There-sen herzhch gut und hatte gehofft, an ihr eine liebe-volle, teilnehmende Verwandte zu erhalten. Auch sie empfand diesen Riß schmerzlich, sie hatte meinen Bru-der innig geliebt, wie er es auch in jeder Rücksicht ver-diente; denn er war unstreitig einer der vorzügHchstqu Männer, die ich je gekannt, aber in seiner Phantasie, die nun einmal von dem Bilde seiner Verstorbenen er-füllt und beherrscht wurde, war Anstand und hohe Würde im Äußerlichen von dem Ideal eines vollkomme-nen Frauenzimmers untrennbar, und diese besaß The-rese, bei vielen andern guten Eigenschaften, nicht. Es
    -.■■z~yK,^^
    war ihr tröstend, daß wenigstens ich mich nicht von ihr entfernte; wir bheben einander gut, aber ich mußte es höchlich mißbilligen und widerraten, als sie ein hal-bes Jahr darnach, vermutlich aus Depit amoureux, den dringenden Wünschen ihrer spekulierenden Verwand-ten nachgab und einen reichen, verständigen, aber un-liebenswürdigen Mann*^^) heiratete, der um dreißig Jahre älter als sie war. Als ich auf die erhaltene Nach-richt zu ihr eilte, um, so weit es möghch wäre, ihr von diesem Schritte abzuraten, fand ich sie mit jugendHch mädchenhaftem Vergnügen beschäftigt, an ihre Aus-steuer zu denken und sich der neuen Equipage zu er-freuen, die ihr vorgeführt werden sollte. —Ich dachte:
    the best repenting in a coach of six! sagte ihr zwar redlich, was ich zu sagen nötig fand, gab aber gleich jede Hoffnung auf, eine Verbindung zu hindern, welche von der ganzen Familie heftig ge-wünscht wurde, und die dennoch, wie ich es vorher-gesehen, das arme Wesen in eine Kette von Schmer-zen, Fehltritten und Unglück verwickelte.
    Aber dieser Versuch, meinen Bruder zu einer zwei-ten Heirat zu vermögen, so ungünstig er ausgefallen war, blieb nicht der einzige. Indessen brachten uns diese Pläne doch auch manches Angenehme, indem wir dadurch mit mehreren Familien in nähere Beziehungen kamen, und überhaupt unser geseUiger Kreis auch durch andere Mitglieder, die gerade nicht in jener Absicht un-sere

Weitere Kostenlose Bücher