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Denkwürdigkeiten aus meinem Leben [microform]

Titel: Denkwürdigkeiten aus meinem Leben [microform] Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: 1769-1843 Caroline Pichler , 1881-1925 Emil Karl Blümml
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Bekanntschaft suchten, auf recht genügende Art vermehrt wurde.
    Zu diesen muß ich vor allen die FamiHe eines Ma-jors Baron v. Richler*^^ rechnen, die aus seiner Frau und ihren beiden unverheirateten Schwestern bestand. Der Major hatte während des Krieges in Heidelberg

    Karoline Ungher-Sabatier Lithographie von J. Kriehuber (1839) — ^- ^' Fidei-Commiß-Bibllothek, Wien

    diese, damals noch sehr hübsche, lebhafte und gebildete Frau geheiratet. Sie war ihm später nach Österreich gefolgt, und nach dem Tode ihrer kränklichen Mutter zogen auch die /kreiden Jüngern Schwestern der ver-heirateten nach. Da sie in derselben Vorstadt wie wir wohnten, lernten wir sie zu unserm großen Vergnügen im Kempelenschen Hause kennen, wo mein Bruder sie zuerst sah und uns auf sie aufmerksam machte. Auch ein HerrUnger*^^, ein zierlicher Dichter und recht ge-bildeter Mann, der in unserer Nachbarschaft lebte, schloß sich unserm Kreis an. Seine Frau, eine geborne Baronesse Karvinsky, war ihrer Entbindung nahe — sie baten mich, ihr Kind zur Taufe zu halten, ich tat es gern; es war ein Mädchen, sie erhielt meinen Namen, und wurde die berühmte Sängerin Carolina Ungher***). In dem Hause dieser Heidelbergerinnen machten wir bald die Bekanntschaft noch anderer, sehr ausge-zeichneter Personen vom Militärstande — und aus allen diesen ganz gewöhnHch begonnenen Verbindun-gen erwuchsen uns treue, lebenslängHche Freunde, die, so lange sie auf der Erde oder wenigstens in unserer Nähe weilten, verläßlich und unveränderlich an uns hingen, und mit welchen, insofern sie noch leben, noch jetzt warme Bande gegenseitiger Achtung uns verbin-den. Nebst jenen drei Schwestern muß ich vor allen den damaligen Hauptmann Baron v. Rothkirch, jetzt Graf Rothkirch*^) und Feldmarschalleutnant, und das Haus des Obersten Baron v. Engelhardt*^*) nennen. Seine Frau, eine der vorzüglichsten ihres Geschlechts, deren Schwester, und ihre beiden Brüder, alle vier höchst ausgezeichnete Menschen, trugen sehr viel zur Annehm-lichkeit unsers kleinen Kreises bei, und noch jetzt ver-bindet Achtung und gegenseitige Wertschätzung uns
    mit den noch lebenden, aber entfernten Gliedern dieser Familie, und macht uns ihr Wiedersehen, wenn es ein-mal unvermutet stattfindet, zum frohen Feste. Ich ergreife gern diese Gelegenheit, um allen diesen hoch-geachteten Freunden, die einen großen Teil meines Lebensweges mir verschönerten, noch jetzt nach mehr als dreißig Jahren meinen Dank dafür abzustatten, und überhaupt jener schönen, an so manchen geistigen Genüssen reichen Periode ein kleines dankbares Denk-mal zu errichten.
    Unser Haus wurde bald der allgemeine Vereini-gungspunkt dieses ganzen Kreises, da die andern Fa-miHen teils durch die Beschaffenheit ihrer kleinern Wohnungen, teils durch Kränkhchkeiten eines oder des andern Mitgliedes, teils endlich durch eigenen Ge-schmack sich nicht dazu geneigt fanden, jeden Abend zu Hause zu bleiben und Gesellschaft bei sich zu emp-fangen. Das war aber meine Mutter, sie, welche durch lange Jahre gewohnt gewesen war, jeden Abend in ihrem großen und ganz dazu geeigneten Appartement zahlreiche Gesellschaft sich versammeln zu sehen, und die es so ganz verstand, durch geist- und sinnvolle Un-terhaltung, so wie durch Benutzung kleiner gesellschaft-licher Talente in ihrer nächsten Umgebung, ihren Abendzirkeln einen lebhaften Reiz zu geben. Ein paar Jahre her war durch Umstände und hauptsächhch durch unsere Umsiedlung in die Vorstadt diese Lebensweise unterbrochen worden, jetzt bot sich die Möglichkeit wieder dar, da wir Bekanntschaften in unserer Nähe geschlossen hatten, und nun ward das Haus der Frau von Greiner wieder der Mittelpunkt eines ziemlich zahlreichen, gebildeten und freundschafthchen Kreises.' Wir Jüngern Leute unterhielten uns mit gesellschaft-
    liehen Spielen, mit Musik, welche manche in dem Kreise verstanden, wie denn z. B, mein Bruder sehr hübsch sang, die junge Kempelen und ich Klavier spielten, usw. Wir arrangierten im Fasching Picknicks, wozu unsere großen, hohen Zimmer passend waren, und machten im Sommer gemeinschaftliche Spaziergänge und Land-partien.
    So ging das angenehme Leben ein Jahr oder zwei hin, als mein guter Bruder plötzlich von rheumatischen Schmerzen in der Seite befallen wurde, die er anfangs wenig achtete und durch den Gebrauch der Badner Bäder zu heilen hoffte. Aber trotz der vorübergehen-den Linderung, welche ihm diese Kur verschaffte, stellten sich die Schmerzen wieder ein, und

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