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Der Abschiedsstein: Das Geheimnis Der Grossen Schwerter 2

Der Abschiedsstein: Das Geheimnis Der Grossen Schwerter 2

Titel: Der Abschiedsstein: Das Geheimnis Der Grossen Schwerter 2 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Tad Williams
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festen Boden unter seinen Füßen andere geworden. Das war in seinen Augen auch das einzig Gute an der Reise über Sikkihoqs gnadenlosen Stein gewesen.
    Soweit die Verse von Riesen sprachen, kam ihm das jetzt, nachdem Haestans Tod erst so kurz zurücklag, wie ein grausamer Witz vor. Die Ungeheuer hatten es gar nicht nötig gehabt, vom Berg herabzusteigen, weil Simon und seine Freunde töricht genug gewesen waren, sich ihrerseits in ihr Bergreich zu wagen. Aber dass die Hunen tatsächlich ihre schützenden Höhlen verlassen hatten, wusste Simon nur zu gut. Er und Miriamel – der Gedanke an sie erfüllte ihn mit plötzlicher Sehnsucht – hatten im Wald von Aldheorte einem Riesen gegenübergestanden, nicht mehr als einen Wochenritt entfernt von den Toren der Stadt Erchester.
    Der Rest der Verse war ihm ebenfalls nicht recht verständlich, aber nichts davon erschien unmöglich. Simon wusste nicht, wer Claves war oder wo seine Glocke sich befinden mochte, aber es sah so aus, als ob es bald überall Rauhreif geben würde. Aber auch dann – was konnten die drei Schwerter bewirken?
    Ich habe Dorn geschwungen, dachte er. Und für einen Moment spürte er noch einmal die Macht der Klinge. In diesem Augenblick bin ich ein gewaltiger Ritter gewesen … oder nicht?
    Aber hatte das an Dorn gelegen oder nur daran, dass er sich zusammengenommen und seine Furcht abgestreift hatte ? Wenn er mit einem weniger mächtigen Schwert das Gleiche versucht hätte, wäre er dann weniger tapfer gewesen? Natürlich wäre er dann umgekommen … genau wie Haestan, genau wie An’nai, Morgenes, Grimmric … aber kam es darauf an? Starben große Helden nicht auch? Hatte nicht Camaris, Dorns wahrer Herr, in den wütenden Wogen des Meeres den Tod gefunden?
    Simons Gedanken schweiften ab. Er merkte, dass er gleich wieder einschlafen würde. Fast hätte er es getan, aber er wusste, dass ihn Binabik oder Sludig ohnehin bald wecken würden. Gestern Abendhatten sie ihm beide gesagt, er sei ein Mann – oder doch beinahe. Dieses Mal wollte er nicht als Letzter geweckt werden wie ein Kind, das schlafen darf, während die Erwachsenen reden.
    Er öffnete die Augen, ließ das Licht eindringen und stöhnte wieder. Er rollte sich aus dem Mantel, las lose Zweige und Fichtennadelklumpen aus seinen Kleidern und schüttelte dann den Mantel zweimal aus, bevor er ihn schnell wieder um sich schlug. Plötzlich hatte er keine Lust, sich auch nur vorübergehend von seinen paar elenden Habseligkeiten zu trennen. Darum griff er nach seinem Rucksack, den er als Kopfkissen benutzt hatte, und nahm ihn mit.
    Der Morgen war kalt, ein leichter Schneefall lag in der Luft. Simon reckte seine verknoteten Muskeln und ging langsam zum Feuer hinüber, wo Binabik sich mit Sisqi unterhielt. Die beiden saßen Seite an Seite und Hand in Hand vor den niedrigen, durchscheinenden Flammen. Neben ihnen lag auf einem Baumstumpf Dorn, eine stumpfschwarze Stange, in der sich kein Licht spiegelte. Von hinten wirkten die beiden Trolle wie Kinder, die ernsthaft über ein Spiel, das sie vielleicht spielen, oder eine aufregende Höhle, die sie erkunden möchten, sprechen, und Simon fühlte plötzlich den starken Drang, sie zu beschützen. Gleich darauf, als ihm klar wurde, dass sie vermutlich darüber diskutierten, wie Binabiks Volk überleben sollte, wenn der Winter nicht aufhörte, oder was sie tun könnten, wenn sie auf weitere Riesen stießen, vergingen ihm solche Hirngespinste. Die Trolle waren keine Kinder, und ohne ihre Tapferkeit wäre er längst tot.
    Binabik drehte sich um und sah Simons Blick. Der kleine Mann begrüßte ihn mit einem Lächeln, während er aufmerksam Sisqis raschen Qanucworten lauschte. Simon brummte etwas und bückte sich nach dem Stück Käse und dem Brotkanten auf einem Stein neben dem Feuer, auf die Binabik deutete. Er nahm das Essen und setzte sich ein gutes Stück von ihnen entfernt hin.
    Die Sonne stand noch hinter dem Sikkihoq und war nicht zu sehen. Über den Lagerplatz breitete sich der Schatten des Berges, aber die Gipfel im Westen glühten bereits im Licht des Morgenrots. Die weiße Öde unter ihnen war noch im Grau der ersten Dämmerung befangen. Simon biss ein Stück von dem trockenen Brot ab,kaute und sah nach dem fernen Streifen Wald hinüber, der sich am Horizont hinzog wie gelber Rahm auf einem Eimer mit Milch.
    Qantaqa, die neben Binabik gelegen hatte, stand auf, streckte sich und trottete lautlos zu Simon. Ihre Schnauze war rotgefleckt vom Lebenssaft

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