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Der Abschiedsstein: Das Geheimnis Der Grossen Schwerter 2

Der Abschiedsstein: Das Geheimnis Der Grossen Schwerter 2

Titel: Der Abschiedsstein: Das Geheimnis Der Grossen Schwerter 2 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Tad Williams
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verschwunden. Ein silberner Glanz stieg aus den grauen Tiefen des Spiegels empor. Ein neues Gesicht erschien, vollkommen aus schimmerndem Metall, ausdruckslos und unbeweglich. Simon hatte dieses Gesicht auf der Straße der Träume gesehen und die gleiche lähmende Furcht empfunden wie jetzt. Er kannte auch den Namen: Utuk’ku, Königin der Nornen. So sehr er sich anstrengte, er konnte den Blick nicht abwenden. Ein Griff hielt ihn gepackt, den er nicht abzuschütteln vermochte. In den schwarzen Tiefen der Maske waren Utuk’kus Augen unsichtbar, aber er fühlte ihren starren Blick auf seinem Gesicht wie gefrierenden Atem.
    »Das Menschenkind mischt sich ständig ein.« Jedes Wort war scharf und kalt wie ein Eiszapfen. »So wie du, Enkeltochter. Und solchen Leuten wird es übel ergehen, wenn der Sturmkönig kommt …«
    Das Wesen in der Silbermaske lachte. Simon fühlte Frost wie mit Hammerschlägen an sein Herz pochen. Giftige Kälte begann unerbittlich in ihm aufzusteigen, von den Fingern zur Hand, den Arm hinauf. Bald würde sie sein Gesicht berühren wie ein tödlicher Kuss von silbernen, frostglitzernden Lippen …
    Simon ließ den Spiegel fallen und stürzte ihm nach. Der Boden schien meilenweit entfernt, der Fall endlos. Jemand schrie. Er schrie.
    Es war Sludig, der Simon aufhalf. Der Junge schwankte keuchend hin und her. Trotzdem schüttelte er die Hände des Rimmersmannes schon nach kurzer Zeit wieder ab. Er fühlte sich zwar wacklig, wollte aber allein stehen. Die Trolle hatten sich um ihn zusammengedrängt und murmelten untereinander, sichtlich verstört.
    »Was ist geschehen, Simon?«, fragte Binabik, der sich einen Weg zu ihm gebahnt hatte. »Bist du verletzt?« Sisqi, die noch immer seineHand hielt, starrte zu dem sonderbaren Tiefländer auf, als wollte sie aus seinen Augen herauslesen, was ihm fehlte.
    »Ich habe Gesichter gesehen … in Jirikis Spiegel …«, erklärte Simon und zitterte unwillkürlich heftig. Sisqi hielt ihm seinen Mantel hin, den er dankbar entgegennahm. »Das eine war die Nornenkönigin. Ich glaube, sie konnte mich auch sehen.«
    Binabik sprach mit vielen Handbewegungen zu den anderen Widderreitern. Sie drehten sich um und kehrten zu ihrem Feuer zurück. Der stämmige Snenneq schwenkte seinen Speer gegen den Himmel, als wollte er einen Feind herausfordern.
    Binabik sah Simon unter dichten Brauen an. »Erzähl mir alles.«
    Simon berichtete von dem Augenblick an, in dem er den Spiegel zuerst in die Hand genommen hatte. Als er das erste Gesicht beschrieb, runzelte Binabik nachdenklich die Stirn, aber als Simon geendet hatte, schüttelte der Troll nur den Kopf.
    »Die Nornenkönigin kennen wir nur allzu gut«, knurrte er. »Es waren ihre Jäger, die mich in Da’ai Chikiza angeschossen haben, und ich habe dieses Geschenk nicht vergessen. Doch bei der Überlegung, wer die andere sein könnte, befinde ich mich in Unsicherheit. Du sagst, dass Utuk’ku sie mit ›Enkeltochter‹ anredete?«
    »Ich meine, ja. Aber die Nornenkönigin nannte sie auch noch anders. Es war ein Name, aber er ist mir entfallen.« Nachdem er einige Einzelheiten laut ausgesprochen hatte, hafteten sie nicht mehr so fest in seinem Kopf wie noch Minuten vorher.
    »Dann ist es jemand aus einem der Herrscherhäuser, Sithi oder Norne. Wäre Jiriki jetzt bei uns, würde er sofort wissen, wer sie ist und was ihre Worte bedeuten. Und du sagst, es habe so ausgesehen, als flehe sie jemanden an?«
    »Ich glaube. Aber Binabik, Jiriki hat mir erzählt, der Spiegel sei nichts weiter als ein Spiegel! Er sagte, es liege kein Zauber mehr darin, es sei denn, ich wollte ihn, Jiriki, rufen, und das wollte ich doch nicht, wirklich nicht!«
    »Ruhe, Simon, ist es, was du bewahren musst. Keinen Zweifel habe ich an dir. Vielleicht hat Jiriki selbst die Kräfte des Spiegels nicht recht verstanden – oder, möglich ist es, dass viele Dinge sich allmählich verändern, seit Jiriki nicht mehr unter uns weilt. Aufjeden Fall halte ich es für besser, wenn du den Spiegel zurücklässt oder wenigstens nicht mehr hineinblickst. Das ist nur ein Vorschlag – er ist dein Geschenk, und du kannst damit anfangen, was du willst. Denke aber daran, bitte, dass er uns alle in Gefahr bringen kann.«
    Simon betrachtete den Spiegel, der mit dem Gesicht nach unten auf dem Felsen lag. Er hob ihn auf, wischte den Staub von der Oberfläche, ohne hineinzusehen. Dann schob er ihn in die Manteltasche. »Zurücklassen werde ich ihn nicht«, erklärte er, »denn er

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