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Der Abschiedsstein: Das Geheimnis Der Grossen Schwerter 2

Der Abschiedsstein: Das Geheimnis Der Grossen Schwerter 2

Titel: Der Abschiedsstein: Das Geheimnis Der Grossen Schwerter 2 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Tad Williams
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ist ein Geschenk. Außerdem brauchen wir Jiriki vielleicht eines Tages.« Er tastete mit den Fingern über den Spiegel. Der Rahmen war noch warm. »Aber bis dahin werde ich keinen Gebrauch mehr davon machen.«
    Binabik zuckte die Achseln. »Dein Entscheiden ist es. Komm zurück ans Feuer und wärme dich. Wir reiten noch mit der Morgendämmerung.«
    Nach einem frühen Aufbruch traf die zerlumpte kleine Schar am späten Nachmittag am Blauschlammsee ein. Der See lag zwischen den Vorbergen des Sikkihoq wie ein dunkelblauer Spiegel, glatt wie das Glas in Simons Tasche, und wurde von zwei Wasserfällen gespeist, die von den eisigen Höhen zu Tal rauschten. Der Klang ihres Stürzens war tief und dröhnend wie der Atem der Götter.
    Als der Trupp den letzten Pass über dem See durchquert hatte und das gleichmäßige Murmeln des Wassers hörbar wurde, zügelten die Trolle ihre Tiere. Der Wind hatte nachgelassen. In der Luft hing der dampfende Atem von Widdern und Reitern. Simon konnte die Angst in den Trollgesichtern sehen.
    »Was ist?«, erkundigte er sich unruhig und rechnete jeden Augenblick damit, Gebrüll aus Riesenkehlen zu vernehmen.
    »Ich glaube, sie haben gehofft, Binabik würde sich irren«, meinte Sludig. »Vielleicht haben sie erwartet, hier einen verborgenen Frühling zu finden.«
    Simon konnte weiter nichts Ungewöhnliches feststellen. Die schützenden Hügel waren schneebedeckt und viele der Bäume, die den See umgaben, ohne Blätter. Die immergrünen Gewächse ragten wie mit Baumwollfasern umwickelte Speere in die Höhe.
    Viele der Trolle schlugen sich mit dem Handballen auf die Brust, als ob dieser Anblick ihnen das Unheil beredter verkündete als alle Worte Binabiks oder seines Meisters Ookequk. Sie spornten ihre Tiere den engen Pfad hinab, und auch Simon und Sludig marschierten weiter, der Fährte der Widder nach in das Seetal. Vom Sikkihoq wehte erneut Schneegestöber auf sie herunter.
    Vor einer großen Höhle am nordwestlichen Seeufer schlugen sie ihr Lager auf. Vielfach ausgetretene Pfade durchzogen die Umgebung. Die Feuerstelle aus massiven Steinen, fast bis zum Rand mit gefrorener Asche gefüllt, zeugte von den Generationen von Trollen, die hier schon gelagert hatten. Bald brannte ein riesiges Feuer, das größte, seit sie den Mintahoq verlassen hatten, am Rande des Wassers. Als es dunkel wurde und die Sterne zu glühen begannen, warfen die Flammen wilde Schatten auf die felsigen Gesichter der Berge.
    Simon saß am Feuer und ölte seine Stiefel, als Binabik zu ihn kam. Der Troll forderte ihn auf, die Stiefel wieder anzuziehen und einen brennenden Ast aus dem Feuer zu nehmen. Simon folgte ihm damit ins Dunkel. Eine Achtelmeile wanderten sie so am Saum der Hügel entlang, wobei sie sich immer am Ufer des Gewässers hielten, bis sie an eine andere Höhle kamen, deren hoher Eingang von einem Föhrengehölz fast völlig verborgen wurde. Von drinnen ertönte ein merkwürdiges, pfeifendes Geräusch. Simon zog ängstlich die Brauen zusammen, aber Binabik lächelte nur und winkte ihm mitzukommen. Mit seinem Wanderstab schob er einen überhängenden Ast zurück, sodass der größere Simon eintreten konnte, ohne mit seiner Fackel in den Bäumen hängenzubleiben.
    Die Höhle roch intensiv nach Tieren, aber es war ein vertrauter Geruch. Simon hob die Fackel, und das Licht drang in die hintersten Winkel der Höhle. Sechs Pferde starrten ihn an, die unruhig zu wiehern begannen. Der Boden der Höhle war dick mit getrocknetem Gras bedeckt.
    »Gut ist das«, meinte Binabik und trat neben ihn. »Ich hatte gefürchtet, sie könnten weggelaufen sein, oder es hätte dem Futter an Menge gefehlt.«
    »Sind das unsere?«, fragte Simon und näherte sich ihnen vorsichtig.Das vorderste Pferd blies durch die Lippen und tanzte einen Schritt zurück, Simon hielt ihm die Hand zum Beriechen vor die Nüstern. »Ich glaube, sie sind es.«
    »Natürlich«, lachte Binabik. »Wir Qanuc sind keine Pferdemörder. Als wir alle auf den Berg geschafft wurden, hat mein Volk sie hier untergestellt. Wir benutzen diese Hütte auch für unsere Schafe, wenn sie lammen und das Wetter kalt ist. Von nun an, Simon-Freund, wirst du nicht mehr laufen müssen.«
    Nachdem er das nächststehende Pferd gestreichelt hatte, was es widerwillig duldete, ohne jedoch der Hand auszuweichen, sah Simon die grauschwarz gescheckte Stute, auf der er von Naglimund hergeritten war. Er ging auf sie zu und wünschte sich, er hätte etwas für sie.
    »Simon«, rief Binabik,

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