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Der Abschiedsstein: Das Geheimnis Der Grossen Schwerter 2

Der Abschiedsstein: Das Geheimnis Der Grossen Schwerter 2

Titel: Der Abschiedsstein: Das Geheimnis Der Grossen Schwerter 2 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Tad Williams
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gelöst.
    Und das schimmernde Blut war ihm Antwort genug,«
    Er bewegte den Kopf nach beiden Seiten und stellte endlich fest, dass der Gesang aus der linken Öffnung zu kommen schien. Er senkte den Kopf, als er die Öffnung betrat und schrie erschrocken auf, als er fast in die Schwärze hineinstürzte. Er streckte die Armenach den unebenen Wänden aus, um Halt zu finden, und bückte sich dann nach der Fackel, die ihm aus der Hand gefallen war. Doch noch während er nach ihr griff, erlosch zischend die Flamme. Neben dem Schaft der Fackel fühlte er Wasser, dahinter Leere. Vor seinen geblendeten Augen tanzte, was er als Letztes gesehen hatte, bevor das Licht ausging, ein rohes, aber immerhin erkennbares Bild, auf das schwarze Nichts gemalt. Er stand oben an einer fast senkrecht hinabführenden Steintreppe, eine endlose Abfolge von Stufen, die bis zum Mittelpunkt der Erde zu reichen schienen.
    Finsternis. Gefangen in undurchdringlicher Schwärze. Eolair fühlte, wie jähe Angst in ihm aufstieg, und erstickte sie. Er war sich fast sicher, dass es Maegwins Stimme war, die er gehört hatte. Natürlich! Wer sonst sollte hier in den Eingeweiden der Schöpfung alte Hernystiri-Lieder singen?
    Eine leise, kindliche Furcht vor Wesen, die sich im Dunkel verbargen und mit vertrauten Stimmen ihre Beute anlockten, wollte ihn überkommen. Bei Bagbas Herde, was war er für ein Mann?
    Er berührte die Wände auf beiden Seiten. Sie fühlten sich feucht an. Die Stufe vor ihm wies eine Vertiefung auf. Er kniete nieder und untersuchte sie mit dem Finger. Wasser hatte sich gesammelt. In angemessenem Abstand darunter folgte eine zweite Stufe. Sein suchender Fuß fand in ähnlicher Entfernung unter der zweiten eine dritte.
    »Maegwin?«, rief er wieder, aber niemand sang mehr.
    Vorsichtig bewegte er sich weiter, die Hände in Schulterhöhe, um sich notfalls an den Wänden abzustützen. Langsam arbeitete er sich die grob aus dem Stein gehauenen Stufen hinunter. Der letzte Lichtblitz und das Bild, das er für ihn gemalt hatte, waren längst verschwunden. Er strengte seine Augen an, aber es blieb vollständig dunkel. Neben dem Scharren seiner Füße gab es kein anderes Geräusch als das Tropfen von Wasser, das stetig von allen Wänden rann.
    Nach vielen, vorsichtig bewältigten Stufen und einer Zeitspanne, die vielleicht viele Stunden gedauert hatte, hörte die Treppe auf. Soweit Eolair tastend, Zoll um Zoll, den Fuß vorstreckte, blieb der Boden flach. Er tat ein paar vorsichtige Schritte vorwärts und verfluchtesich nochmals, weil er seine Feuersteine nicht mitgebracht hatte. Wer hätte geglaubt, dass die kurze Suche nach einer herumstreunenden Prinzessin sich zum Kampf um das eigene Leben auswachsen würde? Und wo war die Sängerin, ob nun Maegwin oder eine weniger freundliche Bewohnerin der Höhlen?
    Der Tunnel war eben. Langsam schob Eolair sich vorwärts und folgte den Windungen des Pfades, die eine Hand an der Wand, die andere vor sich ausgestreckt und in die Schwärze tastend. Nach ein paar hundert Schritten machte der Tunnel erneut eine Biegung. Zu Eolairs ungeheurer Erleichterung fand er, dass er jetzt sogar etwas sehen konnte; ein mattes Glühen erhellte das Innere des Tunnels, das ein paar Dutzend Ellen weiter vorn, wo der Gang sich krümmte, sogar noch stärker wurde.
    Als Eolair um die Ecke bog, strömte helles Licht auf ihn ein, das aus einer Öffnung in der Tunnelwand quoll. Der steinerne Korridor selbst ging weiter, bis er sich nach einer Weile nach rechts wandte und aus seinem Blickfeld verschwand. Zunächst allerdings fand vor allem das Loch in der Wand seine Aufmerksamkeit. Er war so erregt, dass sein Herz spürbar schneller pochte, als er sich auf die Knie niederließ und hineinstarrte. Er sprang so überrascht wieder auf, dass er sich an den Steinen den Kopf stieß. Gleich darauf hatte er die Beine durch die Öffnung gestreckt und ließ sich vom Boden des Tunnels in das Loch hinuntergleiten. Er landete mit angezogenen Knien, um nicht vornüberzufallen. Langsam richtete er sich auf.
    Er stand in einer großen Höhle, deren hochgewölbte Decke, reich mit herunterhängenden steinernen Spitzen verziert, im Licht zweier flackernder Öllampen zu schwanken schien. Am anderen Ende der Höhle ragte in doppelter Mannshöhe eine gewaltige Tür auf, die glatt in die Felswand gefügt war. So eng schmiegte sie sich an ihren steinernen Türsturz, als sei sie aus ihm herausgewachsen, als seien die mächtigen Angeln unmittelbar in der

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