Der Abschiedsstein: Das Geheimnis Der Grossen Schwerter 2
und gedämpft, sodass man ihn bei dem Getümmel gerade noch hörte. »Aber es sind auch andere Geschichten aus dem Norden zu uns gedrungen, und zwar äußerst furchterregende, ja? Rovalles, sag ihm, was dieser Reisende dir erzählt hat.«
Der junge Rovalles wollte anfangen, verschluckte sich jedoch an einem Stück Brot und erlitt einen Hustenanfall. Neylin, der andere Klosterschüler, klopfte ihm auf den Rücken, bis er wieder zu Atem gekommen war, und hörte auch danach nicht wieder auf; vermutlich vor lauter Aufregung über seinen ersten Besuch in Nabban.
»Ein Mann wir treffen, wenn hierherkommen«, erläuterte Rovalles, als man Neylin an weiteren Attacken gehindert hatte, »er ist aus Hewenshire oder ein Ort oben in Erkynland.« Der junge Mann sprach das Westerling nicht so gut wie Septes; er musste immer wieder innehalten und sorgfältig überlegen, bevor er seine Worte wählte. »Er sagen, wenn Belagerung von Elias kann nicht umwerfen Josua-Burg, Hochkönig beschwören weiße Dämonen aus Erde, und sie töten alle in Festung durch Zauberei. Er schwören, dass so sein, weil selber gesehen.«
Septes, der, während Rovalles sprach, an der Vorderseite seiner Kutte herumgetupft hatte, beugte sich jetzt vor. »Du weißt so gut wie ich, Isbeorn, wie viel Aberglauben in den Menschen steckt, ja? Hätte nur dieser Mann eine solche Geschichte erzählt, würde ich ihn als Verrückten bezeichnen, und die Sache wäre erledigt. Aber es gibt hier im Sancellanischen Palast viele, die heimlich darüber reden, viele, die behaupten, Elias sei mit Dämonen und bösen Geistern im Bunde.« Mit seinen verkrümmten Fingern berührte er Isgrimnurs Hand; der Herzog musste sich beherrschen, um sie nicht zurückzuziehen. »Du musst doch von der Belagerung gehört haben, auchwenn du sagst, du hättest den Norden verlassen, bevor sie beendet war. Ist etwas Wahres an diesen Erzählungen?«
Isgrimnur starrte dem alten Mönch ins Gesicht und fragte sich, ob hinter seiner Frage ein verborgener Sinn lag. Schließlich seufzte er. Ihm gegenüber saß ein freundlicher alter Mann mit einer Hasenscharte, und nichts weiter. Sie lebten in schrecklichen Zeiten – warum sollte Septes nicht versuchen, von jemandem, der aus dem Kernland der Gerüchte kam, ein bisschen mehr zu erfahren?
»Viel mehr als du habe ich auch nicht gehört«, erklärte er dann. »Aber ich kann dir verraten, dass üble Dinge vorgehen – Dinge, von denen gottesfürchtige Menschen am liebsten nichts wüssten, obwohl ich verdammt sein will, wenn sich das Unheil davon abwenden lässt.« Bei Isgrimnurs Ausdrucksweise zuckten Septes’ Augenbrauen steil in die Höhe, aber er unterbrach den Herzog nicht. Isgrimnur, der sich für sein Thema zu erwärmen begann, fuhr fort. »Es bilden sich Parteien, könnte man sagen, und diejenigen, die zunächst hübscher aussehen, sind in Wirklichkeit die viel Übleren. Mehr kann ich nicht sagen. Glaube nicht alles, was du hörst, aber bezeichne auch nicht allzu schnell etwas als Aberglaube …« Er brach ab, als ihm klar wurde, dass er sich auf gefährlichem Boden bewegte. Viel mehr konnte er nicht preisgeben, ohne in der ganzen Sancellanischen Ädonitis Aufmerksamkeit zu erregen als jemand, der die üblen Gerüchte bestätigen konnte. Und er konnte sich nicht leisten, andere auf sich aufmerksam zu machen, bevor er nicht wusste, ob Prinzessin Miriamel sich wirklich an diesem Ort aufhielt.
Die Brocken, die Isgrimnur ihm vorgeworfen hatte, schienen Septes jedoch zufriedenzustellen. Der alte Mann lehnte sich zurück, wobei er noch immer müßig an dem langsam trocknenden Suppenfleck auf seiner Brust herumkratzte. »Aha«, nickte er. Seine Stimme war über dem Tischgespräch nur knapp hörbar. »Nun denn, wir haben genug Schauergeschichten vernommen, um deine Worte ernst zu nehmen, ja? Sehr ernst.« Er winkte dem nächstsitzenden Schüler, ihm aufzuhelfen. »Sei dafür bedankt, dass du unsere Mahlzeit geteilt hast, Isbeorn. Gott behüte dich. Ich hoffe, wir können heute Abend im Aufenthaltsraum unser Gespräch fortsetzen. Wie lange wirst du hierbleiben?«
»Ich weiß noch nicht«, erwiderte Isgrimnur. »Sei auch du bedankt.« Der Alte und seine beiden Begleiter verschwanden im Gewühl der hinausgehenden Mönche. Isgrimnur blieb allein zurück und versuchte, Ordnung in seine Gedanken zu bringen. Nach kurzer Zeit gab er es jedoch auf und erhob sich ebenfalls vom Tisch.
Hier drin kann ich mich selbst nicht einmal denken hören. Grimmig schüttelte er
Weitere Kostenlose Bücher