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Der Abschiedsstein: Das Geheimnis Der Grossen Schwerter 2

Der Abschiedsstein: Das Geheimnis Der Grossen Schwerter 2

Titel: Der Abschiedsstein: Das Geheimnis Der Grossen Schwerter 2 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Tad Williams
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den Kopf und schob sich zur Tür durch. Seine Größe half ihm, schnell voranzukommen, und rasch hatte er den Hauptgang erreicht. Jetzt habe ich hier große Volksreden gehalten und bin doch kein Stückchen näher daran, die arme Miriamel zu finden , überlegte er mürrisch. Aber wie soll ich auch herausbekommen, wo sie steckt? Einfach jemanden fragen, ob sich Elias’ vermisste Tochter vielleicht hier aufhält? Die übrigens als Junge reist? Na großartig. Vielleicht sollte ich einfach ein bisschen herumfragen, ob nicht in letzter Zeit irgendwelche jungen Mönche in der Sancellanischen Ädonitis aufgetaucht sind.
    Er schnaubte bitter und musterte den Strom der Kuttenträger, der ihn umstrudelte.
    Elysia, Mutter Gottes, wenn nur Eolair bei mir wäre. Der verdammte Hernystiri liebt solche Scherze. Mit seiner glatten Zunge hätte er die Prinzessin bestimmt gleich aufgespürt. Aber was soll ich hier?
    Der Herzog von Elvritshalla rieb sich mit den Fingern den unnatürlich glatten Kiefer. Dann begann er über seine eigene hoffnungslose Dummheit zu lachen, so laut, dass er sogar sich selbst erschreckte.
    Vorbeigehende Priester schlugen nervöse Haken um den dickbäuchigen Mönch aus dem Norden, der offenbar irgendeinen religiösen Anfall hatte. Isgrimnur brüllte und grölte vor Lachen, bis ihm die Tränen über die wundgeschabten rosigen Wangen liefen.

    Gewitterstimmung lag über dem Sumpf wie eine Decke, feucht und drückend heiß. Tiamak konnte das gierige Verlangen des Sturms spüren, endlich loszubrechen; unter seinem stachligen Atem sträubten sich ihm die Nackenhaare. Was hätte er nicht darum gegeben, damit das Gewitter sich entlud und ein kleiner, kühler Regen fiel!Der Gedanke an Regentropfen, die einem ins Gesicht spritzten und die Mangrovenblätter beugten, schien ihm wie ein Traum der allerwohlwollendsten Magie.
    Seufzend zog Tiamak seine Stakstange aus dem Wasser und legte sie quer über die Ruderbank seines Flachboots. Er reckte sich und versuchte erfolglos, die Knoten in seinen Rückenmuskeln zu lockern. Seit drei Tagen stakte er nun und hatte zwei schlaflose Nächte hinter sich, in denen er sich den Kopf darüber zerbrochen hatte, was er tun sollte. Wenn er nach Kwanitupul ging und dort blieb – verriet er dann seine Stammesgenossen? Waren sie überhaupt fähig zu begreifen, dass er Trockenländern, zumindest einigen, etwas schuldete?
    Nein, natürlich würden sie es nie begreifen. Stirnrunzelnd griff Tiamak nach dem Wasserschlauch, ließ sich den Mund volllaufen und spülte sich mit dem Wasser die Wangen aus, bevor er es hinunterschluckte. Sie hatten ihn schon immer für einen Sonderling gehalten. Wenn er nicht nach Nabban reiste, um Herzog Benigaris die Sorgen seines Volkes vorzutragen, würde man ihn einfach nur als einen verräterischen Sonderling betrachten. Damit wäre, soweit es die Ältesten von Haindorf betraf, das Thema erledigt.
    Tiamak zog das Tuch vom Kopf und tauchte es über den Bootsrand ins Wasser, um es sich dann wieder auf die Haare zu legen. Wunderbar kühles Wasser tropfte ihm über Gesicht und Hals. Die bunten, langschwänzigen Vögel, die über ihm in den Zweigen hockten, unterbrachen für einen Augenblick ihr Gekreisch, als ein fernes Grollen über den Sumpf zog. Tiamak fühlte sein Herz schneller schlagen.
    Du-der-stets-auf-Sand-tritt, lass das Gewitter bald niedergehen!
    Als er aufgehört hatte zu staken, war das Boot langsamer geworden. Jetzt fing das Heck an, allmählich auf die Mitte des Wasserlaufs zuzusteuern und Tiamak so nach der Seite zu drehen, dass er mit dem Gesicht zum Ufer saß – beziehungsweise dorthin blickte, wo es ein Ufer gegeben hätte, wäre der Fluss ein Trockenlandgewässer gewesen. Hier im Wran war da nur ein Gewirr von Mangrovenbüschen, deren Wurzeln gerade so viel Sand festhielten, dass die Bäume wachsen und gedeihen konnten. Tiamak stieß einen schicksalsergebenenSeufzer aus und trieb die Stange wieder ins Wasser. Er lenkte das Boot geradeaus und führte es durch einen dichten Teppich aus Seerosen, die sich an den vorübergleitenden Rumpf klammerten wie die Finger ertrinkender Schwimmer. Kwanitupul lag noch Tage entfernt, aber auch nur dann, wenn das Gewitter, um das er betete, keine allzu heftigen Stürme mit sich brachte, Stürme, die Bäume ausreißen und diesen Teil des Wran in ein unpassierbares Durcheinander von Wurzeln, Stämmen und abgebrochenen Ästen verwandeln konnten.
    Du-der-stets-auf-Sand-tritt, verbesserte er sein Gebet, lass bald ein

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