Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Der Amboss der Sterne

Der Amboss der Sterne

Titel: Der Amboss der Sterne Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Greg Bear
Vom Netzwerk:
Brüche für Verirrungen. Sie lieben Irrationalzahlen, die perfekten Flecken. Ich kann es nicht erwarten zu sehen, was das für ihre Mathematik bedeutet.« Giacomo sah Martins offenes Desinteresse und sagte ernüchtert: »Entschuldige!«
    Martin sagte: »Ich bin sehr erschöpft. Das ist alles. Seid ihr nicht müde?«
    »Todmüde«, sagte Jennifer und kicherte wieder. »Flecken! Jesus, das ist unglaublich. Ich werde das vielleicht niemals verstehen.«
    Martin roch Flieder. Er träumte von dem Gesichtspuder seiner Großmutter, der in dem kleinen Badezimmer wie Schnee schwebte und sich auf ihrem Wollvorleger unter dem Ausguß absetzte. Im Traum lag er auf diesem Teppich, rollte sich zusammen und schloß die Augen.
     
    Als er aufwachte, war der Schulraum still bis auf einige geflüsterte Gespräche. Hakim schlief in der Nähe. Giacomo und Jennifer lagen zusammengekuschelt eine Armlänge vor Martin. Joe Flatworm schlief in Lotoshaltung, an einem Leiterfeld verankert. Die Mütter und Schlangenmütter schwebten untätig im Raum.
    Die Brüder hatten sich alle aufgelöst. Saiten hingen an Leiterfeldern wie Socken an einer Wäscheleine.
    Cham war wach. Martin fragte ihn: »Schlafen sie so?«
    »Keine Ahnung!« erwiderte Cham.
    »Wo ist Hans?«
    »Auf der anderen Seite des Schulraums. Schläft, und Rosa hält seinen Kopf.«
    Martin wandte sich der Sternsphäre zu und erblickte zum ersten Mal ihr neues Schiff, nachdem die Verschmelzung nahezu abgeschlossen war. Er schätzte es auf etwa ebenso groß wie die ursprüngliche Dämmerungsgleiter, wieder mit drei Heimkugeln. Aber diesmal war die hintere Heimkugel größer als die anderen. Er sah keine Tanks für Reservetreibstoff. Martin nahm an, der Treibstoff müßte jetzt in der hinteren Heimkugel untergebracht sein. Das könnte eine Konstruktionsverbesserung bedeuten. Je mehr er sah, desto mehr war er überzeugt, daß das Gesetzesschiff der Brüder ein späteres Modell war mit größeren Unterschieden in Ausrüstung, Taktik und vielleicht sogar allgemeiner Strategie.
    »Ich frage mich, ob sie träumen«, sagte Cham.
    »Sie schlafen alle?« Martin streckte sich aus und spähte zwischen die Felder und die schlafenden Körper. Er konnte keine intakten Flechten sehen, sondern nur Saiten.
    »Ich möchte wissen, ob sie je durcheinander geraten und schließlich Teile von einem anderen haben. Es ist schrecklich, wieviel wir noch lernen müssen.«
     
    Die Abbremsung setzte ein. Oben und Unten kehrten wieder in das Schiff des Gesetzes ein. Menschen und Brüder erkundeten die neue Ordnung der Dinge. Die Quartiere wurden in den ersten zwei Heimkugeln in Sektoren für Menschen und für Brüder aufgeteilt. Ein Pufferbereich von leeren Quartieren und gemeinsamen Gängen gab Saiten Räume, in denen sie sich verbergen und ihre privaten instinktiven Angelegenheiten regeln konnten. Es wurden Vorkehrungen getroffen für den Fall, daß Menschen herumschweifende Saiten einfingen. Kästen in viel frequentierten Räumen wurden mit besonders aromatisierten Beuteln (Gerüche von Tee und Kohl) gefüllt, in denen man alle etwaigen Saiten beruhigen und transportieren konnte, die man in menschlichen Wohnräumen finden würde.
    Es wurden einige Übungssitzungen abgehalten. Martin lernte, wo man eine Saite aufgreifen müßte, bevor und nachdem sie mit einem aromatisierten Beutel bedeckt war. Die beste Stelle, um eine Saite zu halten, war längs des glatten, ledrigen Körpers vor den Krallenbeinen und hinter den Fühlern. Die Mundteile der Saite öffneten sich bauchseitig genau hinter den Fühlern. Die einzige – bisher noch nicht eingetretene -Gefahr bestand darin, daß eine Saite abseits ihrer Gefährten sich selbst verteidigen könnte, wenn das Ritual des Ausgreifens und Einsackens nicht richtig befolgt würde. Dann könnte sie einen Menschen anknabbern, und gewisse Alkaloide in ihrem Speichel könnten eine toxische Reaktion auslösen, vielleicht nicht schlimmer als ein Hautausschlag, vielleicht auch böser. Also, warum Risiken eingehen?
    Was die Menschen bald genug lernten, war, daß die Diät der Brüder einfach war. Sie aßen eine verfeinerte Brühe aus kleinen grünen und purpurnen Organismen, die Wasserwürmern ähnelten, aber weder Pflanzen noch Tiere waren. Diese Organismen – Stonemaker schlug vor, sie ›Nudeln‹ zu nennen – wuchsen unter hellen Lampen. Sie konnten sich in ihren mit Flüssigkeit gefüllten Behältern frei bewegen, erhielten aber den größten Teil ihrer Nährstoffe aus einfachen

Weitere Kostenlose Bücher