Der Amboss der Sterne
ich dir vertraue. Schätzt du ihn, Martin?«
»Es ist nicht meine Aufgabe, den Boss zu kritisieren.«
»Mir ist nicht wohl bei manchen seiner Aktionen, wie es uns ergangen ist. Die Spielchen mit Sexpartnern zur Belohnung. Martin, ich habe mich bis jetzt sehr still verhalten, aber das war verkehrt.«
»Nun, das hat aufgehört. Bald werden wir anfangen, mit den Brüdern zu trainieren.«
»Du bist nicht besorgt wegen dessen, was geschehen könnte?«
»Doch, natürlich bin ich besorgt.«
»Aber nicht wegen Hans.«
»Hakim, ich weiß, wie schwierig es ist, Boss zu sein.
Als ich es war, sind Menschen gestorben. Hans wurde gewählt. So ist es nun mal.«
Hakim sah ihn traurig an und ordnete dann seinen Overall mit glättenden Handbewegungen an Brust und Beinen hinunter. »Ich werde jetzt zu Hans gehen. Ich hoffe, er wird so verständnisvoll sein wie du.«
»Er ist kein Dummkopf«, sagte Martin.
Hakim sagte: »Er wird uns nicht bestrafen. Auch er wird sehen, daß das nicht unsere Fehler sind.«
»Sicher wird er das sehen«, sagte Marin. Als Hakim gegangen war, rieb Martin sich heftig die Augen mit den Fingerknöcheln und schaute sich dann in seiner Wohnung um, als sähe er sie zum ersten Mal. Lichtbänder, kahle braune und silbergraue Flächen, das einzige Kissen, groß genug für zwei. Warum hatte er verlangt, daß es für zwei Personen groß genug sein sollte?
Er hatte in der nächsten Stunde nichts vor. Es würde ein Treffen früherer Bosse mit Hans, Rex und zwei Planern Stonemakers geben. Sie würden mit Übungen anfangen und Strategien koordinieren.
Brüder und Menschen konnten und würden zusammenarbeiten.
Martin griff nach seinem Handy und rief die übersetzten Teile der Brüderbibliotheken auf. Große Teile waren noch unverständlich. Die menschlichen Worte lieferten keinen Geruch. Er konnte nur die Hälfte von dem deuten, was man hätte speichern können. Selbst die beste Übersetzung würde nie ideal sein. Wie Hakim entdeckt hatte, waren selbst so einfache Dinge wie Zahlen der Mehrdeutigkeit ausgesetzt. Er fragte sich, wie die Brüder wohl zählten…
Vielleicht war es für sie nicht wichtig zu zählen. Vielleicht waren sie besser ausgerüstet, mit der sich verändernden Natur Leviathans zurechtzukommen als Menschen.
Martin suchte in seinem Handy nach Theodores Texten und fand sie nach Katastrophen und Verschmelzung noch intakt. Er blätterte aufs Geratewohl die projizierten Seiten durch in der Hoffnung auf eine kleine Erkenntnis oder Anleitung.
Unterschätze nie die Macht der Verhältnisse, deine Knochen zu quälen! hatte Theodore in den ersten drei Monaten ihrer Reise geschrieben. Unterschätze nie die perverse Macht, daß alles schiefgehen lassen und zu Unannehmlichkeiten führen kann! Die Probleme scheinen immer von innen zu kommen. Ich halte mich selbst für mangelhaft, indem ich das Unvorhersehbare nicht im voraus erkenne und nicht weiß, wie eine chaotische Funktion zusammenbrechen wird.
Und an anderer Stelle:
Was ich verloren habe, macht mich nicht größer, aber es macht mich tiefer wie ein Loch. Nimm mehr weg, und ich werde auf der anderen Seite hindurchkommen wie eine klaffende Wunde. Aber dann werden die Wunde und der Körper abgestreift werden. Ist es möglich, mehr von dem zu verlieren, was es nicht gibt?
Sturm und Drang mit dem Überschwang der Jugend und nichts von dem reservierten Schweigen des Erwachsenen. Wenn er dies geschrieben hätte, würde Martin sich ein wenig verlegen gefühlt haben. Aber er hatte ja immer ein solches Gefühl hinsichtlich der Aufzeichnungen Theodores gehabt. Er war stark von ihnen angezogen und bewunderte sie sogar, wurde aber immer durch sie aus der Fassung gebracht. Sie erkundeten Gebiete, Emotionen und Ideen, bei denen es Martin nicht wohl war.
Theodore war so offen gewesen. Das war es, was ihn getötet hatte.
Martin schaltete die projizierten Seiten aus, legte sich auf dem Kissen zurück und ließ die Beleuchtung schwächer werden. Bald würde viel weniger Zeit zum Schlafen sein.
»Wie, zum Teufel, kann jemand ein ganzes Sternsystem vermummen?« fragte Hans. Sein Haar war in blonden.
Stacheln gesträubt. Er hatte in letzter Zeit nicht viel geschlafen. Frühere Bosse, Silken Parts und Repräsentanten von Stonemaker, Eye on Sky und Shipmaker versammelten sich mit dem gesamten Suchteam im Bug. Auf dem Sternfeld entfaltete sich Leviathan hell und ruhig auf der einen Seite, noch zu weit entfernt, um mit bloßem Auge Planeten erkennen zu
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