Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Der Amboss der Sterne

Der Amboss der Sterne

Titel: Der Amboss der Sterne Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Greg Bear
Vom Netzwerk:
lassen.
    Silken Parts raschelte. Alle paar Minuten zitterten die Flechten, als ob ihre Saiten ein schwer zu lokalisierendes Jucken zu kratzen hätten. Luis Estevez Saguaro hatte eine Karte vorbereitet, welche die vier Ansichten verglich, die sie von dem System gehabt hatten – die in den Aufzeichnungen des toten Schiffs gefundene, die Ansicht aus der Dämmerungsgleiter eben hinter Wormwood, die von den Brüdern erhaltene und die jetzige. Hans betrachtete sie mißmutig, das Kinn auf eine Hand gestützt.
    Er fragte: »Wieviel Energie würde es erfordern, eine solche Vermummung zu senden?«
    Hakim rechnete in Ruhe und sagte: »Schätzungsweise die Hälfte der vom Zentralgestirn erzeugten Energie.«
    Silken Parts widersprach sanft und sagte mit Violinsprache und leicht modrigem Geruch: »Wir können nicht annehmen, daß die Tarnung in alle Richtungen gesendet wird…«
    »Warte!« unterbrach ihn Hans und hob die Hand. Silken Parts zog sich zurück und raschelte wieder. Martin bezweifelte, daß der Bruder gekränkt war, wünschte aber, Hans könnte weniger herrisch sein. »Du denkst, daß etwas gesendet wird. Was denn – ein irgendwie verändertes Bild des Systems?«
    Hakim räusperte sich. »Jennifer und Giacomo…«
    »Erspare mir weitere verfluchte Muttimathe!« sagte Hans. »Ich brauche etwas Konkretes.«
    »Bitte, hab Geduld«, sagte Hakim und sah mit finsterem Gesicht zur Seite.
    Hans hob die Hand und schnippte mit dem Finger: Weitermachen!
    »Jennifer und Giacomo haben sich ausführlich mit der Arbeit in den kombinierten Bibliotheken beschäftigt. Jennifer glaubt, daß etliche Regionen des Raums beeinflußt wurden durch Strahlungsverfolgung in den Strukturen der Bits ihres Radiationstransfers. Photonen könnten aus den Nichts aufzutauchen scheinen. Diese Regionen, jede vielleicht so ausgedehnt wie das Sternsystem selbst, aber ohne Tiefe – vielleicht an der Peripherie des Systems gelegen – würden wie gigantische Projektoren wirken, die überzeugende spektrale Bilder von… einem nicht existierenden System emittieren.«
    Hans stach mit dem Finger in ein projiziertes Bild der Systems mit den fünfzehn Planeten. »Wie dies hier, nur größer. Du meinst, wenn wir hineingingen, würden wir die Täuschung durchdringen und sehen, was wirklich da ist?«
    »Keineswegs«, wandte Hakim ein. »Es wäre möglich, diese durch Strahlung veränderten Regionen zu verschieben, so daß sie weiter täuschen könnten. Ich gebe zu, das wäre ein massives Unterfangen, aber nicht annähernd so groß wie das Einhüllen des ganzen Sonnensystems in eine Sphäre der Täuschung.«
    »Unsere Ideen widerspruchsvoll schwierig«, sagte Silken Parts. »Bitte projizieren!«
    Hakim entwarf Diagramme, die ihre Positionen zeigten und Regionen von Strahlungsveränderung, die wie Schilde gestaltet waren, getarnte oder trügerische Bilder, aus großen Entfernungen gesehen.
    »Sehr kräftig«, sagte Silken Parts. »Könnte Schlachtfeld verändern. Viel Blindheit erzeugen und Konfusion.« Er erklärte das Eye on Sky und Shipmaker.
    »Übles Zeug«, sagte Hans. »Gibt es eine Möglichkeit einzudringen?«
    »Wenn es konstant ist, nein«, erwiderte Hakim. »Aber die Bilder werden immer nur in gewissen Intervallen aufrecht erhalten. Bei ständiger Wachsamkeit könnten wir ein korrektes Bild bekommen.«
    »Aber wir würden natürlich nicht wissen, welches Bild korrekt wäre.«
    Hakim schüttelte mit gesenkten Augen den Kopf.
    »Für was wollen wir also planen?« fragte Hans.
    Harpal schlug vor: »Stonemaker sollte bei jeder Planung beteiligt sein.« Martin stimmte zu.
    »Richtig. Aber ich frage, wie wir Pläne machen können, wenn wir nicht wissen, was zu erwarten ist, was real ist und was nicht?«
    Silken Parts sagte: »Vielleicht gibt es überhaupt nichts.«
    Die Augen von Hans wurden glasig. Er legte die Hände in den Nacken, schüttelte langsam den Kopf und sagte: »Ich habe nicht die leiseste Ahnung, was wir tun sollten. Aber wir müssen einen Kriegsrat abhalten.«
    Als sie sich anschickten hinauszugehen, erschien Paola Birdsong mit einer Kette von zehn Flechten, die alle darauf erpicht waren, die nicht verdunkelten Sterne zu sehen. Sie lächelte im Vorübergehen Martin zu, glücklich mit ihrer neuen Tätigkeit. »Sie fühlen sich besser, wenn sie ein- oder zweimal alle zehn Tage die Sterne sehen können«, versicherte sie.
    Die Flechten raschelten wie Blätter, die aus einem Sack geschüttelt werden.
     
    Martin erfuhr von Silken Parts, daß

Weitere Kostenlose Bücher