Der Azteke
zwischen unseren beiden Völkern sich nach und nach legt. Und selbstverständlich habe ich nichts dagegen, so reichen Tribut an Purpurfarbstoff zu empfangen.«
Ich sagte: »Aber da war auch noch der Umstand, daß Ahuítzotls Leute sich in Tecuantépec so verwerflich aufgeführt haben. Einfach als Mexícatl möchte ich mich auch dafür entschuldigen.«
»Ich mache Ahuítzotl daraus keinen Vorwurf. Ich kann eigentlich nicht einmal den Männern groß einen Vorwurf machen.«
Ich muß ein verwundertes Gesicht gemacht haben. Er erklärte: »Euer Verehrter Sprecher hat rasch gehandelt, um den Auswüchsen ein Ende zu bereiten. Er hat befohlen, daß die Rädelsführer durch die Würgschlinge umgebracht würden, und den Rest der Männer mit Versprechungen beschwichtigt, von denen ich überzeugt bin, daß er sie eingehalten hat. Für den angerichteten Schaden ist er aufgekommen, zumindest für das, was auf diese Weise wiedergutgemacht werden konnte. Hätte er nicht so rasch und ehrenhaft gehandelt, unsere Völker würden jetzt vermutlich wieder Krieg gegeneinander führen. Nein. Ahuítzotl war in aller Bescheidenheit sehr daran gelegen, die guten Beziehungen wiederherzustellen.«
Es war das erstemal, daß ich hörte, wie der hochmütige Ahuítzotl mit so etwas wie Bescheidenheit in Verbindung gebracht wurde. Kosi Yuela fuhr fort:
»Aber da war noch ein anderer Mann, ein junger Mann, sein Neffe. Dieser hatte den Oberbefehl inne, während Ahuítzotl und ich uns berieten, und in dieser Zeit ist es auch zu diesen Ausschreitungen gekommen. Dieser junge Mann trägt einen Namen, welchen wir Ben Záa aus Gründen unserer Geschichte verabscheuen – er heißt Motecuzóma –, und meiner Meinung nach hat er Ahuítzotls Bündnisvertrag mit uns als ein Zeichen von Schwäche gedeutet. Ich glaube, er wollte die Wolkenmenschen als Untertanen der Mexíca sehen und nicht als gleichberechtigte Verbündete. Ich hege sogar den starken Verdacht, daß er die Meuterei geschürt hat in der Hoffnung, daß wir einander wieder an die Gurgel gehen würden. Falls Ihr wirklich das Ohr Ahuítzotls besitzt, junger Pochtécatl, solltet Ihr ihm ein Wort der Warnung vor seinem Neffen zukommen lassen. Dieser neu aufgestiegene Motecuzóma könnte, wenn er einmal eine wirklich mächtige Stellung einnimmt, alles wieder zunichte machen, was sein Onkel aufzubauen trachtet.«
Auf dem Damm, der nach Tenochtítlan führte, als wir die Stadt schimmernd weiß in der taubenfarbenen Dämmerung vor uns auftauchen sahen, schickte ich meine Männer zu zweit und zu dritt voran. Als ich selbst den Fuß auf die Insel setzte, hatte die Nacht sich bereits herniedergesenkt, und die Stadt erstrahlte im Licht der Feuer, Kerzen und Fackeln. In dieser flackernden Beleuchtung sah ich, daß mein Haus fertig war, und daß es ein stattliches Haus geworden war, doch die äußeren Einzelheiten vermochte ich nicht alle zu erkennen. Da es auf Pfeilern ruhte, welche so hoch waren wie ich selbst, mußte ich bis zum Eingang eine kleine Treppe hinaufsteigen. Dort wurde mir von einer Frau in mittleren Jahren geöffnet, die ich nie zuvor gesehen hatte – offenbar einer neugekauften Sklavin. Sie stellte sich selbst als Teoxihuitl oder Türkis vor und sagte: »Als die Träger kamen, ist die Herrin nach oben gegangen, damit Ihr bei Euren Männergeschäften nicht gestört werdet. Sie wird Euch in Eurem Gemach erwarten, Herr.«
Die Frau wies mich in den Raum im ersten Stockwerk, in dem meine sieben Gefährten eine kalte Mahlzeit verzehrten, welche sie in aller Eile für sie bereitet hatte. Nachdem auch vor mich Speisen hingestellt worden waren und wir alle unseren Hunger gestillt hatten, halfen die Männer mir, die falsche Mauer in diesem Raum in den Angeln zu drehen und ihre Lasten dahinter zu verstecken, wo bereits etliche andere meiner Waren lagerten. Sodann zahlte ich ihnen den vereinbarten Lohn, das heißt, ich zahlte ihnen wesentlich mehr als das, was wir ursprünglich vereinbart hatten, denn sie hatten ihre Sache ausnehmend gut gemacht. Ehe sie gingen, vollführten sie die Geste des Erdeküssens vor mir, freilich nicht, ohne mir vorher das Versprechen abzunehmen, sie wieder zu rufen, wenn ich jemals wieder einmal einen Plan hätte, der nach dem Geschmack der sieben älteren Krieger wäre, welche sich sonst mit Frieden und Nichtstun abfinden mußten.
Oben entdeckte ich eine Badestube, wie ich es dem Baumeister aufgetragen hatte: genauso eingerichtet und sich selbst leerend, wie ich sie in
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