Der Azteke
unseren Neffen Motecuzóma auf diesen Thron setzen. Vergiß unsere Worte nicht!«
Ich habe es nie getan, erinnere mich noch heute an sie; und Wehmut erfüllt mein Herz, wenn ich an sie denke.
Es kostete den Verehrten Sprecher eine Weile, seiner Empörung Herr zu werden. Doch dann sagte er gelassen: »Wir danken dir, Tequiua Mixtli, daß wir Gelegenheit haben werden, im fernen Xoconóchco eine Garnison zu errichten. Das wird der nächste Auftrag sein, an welchem der junge Zornige Herr beweisen soll, was er kann. Er wird sofort Befehl erhalten, in den Süden zu gehen und in diesem fernen Außenposten eine Garnison zu errichten, sie aufzubauen und den Befehl über sie zu übernehmen. Jawohl, wir müssen dem jungen Motecuzóma etwas zu tun geben – und das in sicherer Entfernung von uns –, sonst könnten wir in Versuchung geraten, unseren eigenen Blutsverwandten mit schweren Trommelschlegeln zu bearbeiten.«
Es vergingen ein paar Tage, und die Stunden, die ich nicht im Bett verbrachte und in denen ich wieder vertraut wurde mit meiner Frau, brachte ich damit zu, mich mit meinem ersten eigenen Haus bekannt zu machen. Das Äußere bestand aus schimmerndem Xaltócaner Kalkstein, war aber nur bescheiden mit verschlungenen Steinmetz-Ornamenten geschmückt und diese nicht einmal durch Farben herausgearbeitet. Für die Vorübergehenden war es nichts weiter als das typische Haus eines erfolgreichen, aber auch nicht allzu erfolgreichen Pochtécatl. Im Inneren freilich war die gesamte Einrichtung vom Allerfeinsten, und verströmte es überall den Duft des Neuen, roch es nicht nach dem Rauch, den Essensgerüchen und den Ausdünstungen und alten Streitereien früherer Bewohner. Die Türen bestanden sämtlichst aus schön geschnitztem Zedernholz, und drehten sich oben und unten in Zapfen. In den Außenmauern waren vorn und hinten Fenster mit Lattenblenden davor, die man hinauf- und herunterrollen konnte.
Das Erdgeschoß – welches, wie ich schon gesagt habe, allerdings nicht auf dem Erdboden aufsaß – enthielt eine Küche und einen abgeteilten Speiseraum, in dem wir Gäste bewirten, ich aber auch mit Geschäftsfreunden verhandeln konnte. Freilich, ein eigener Raum für die Sklaven war nicht vorhanden; Türkis entrollte, wenn wir uns zur Ruhe begeben hatten, in der Küche einfach ihre geflochtene Rohrmatte. Der Oberstock des Hauses bestand aus unserer Schlafkammer, einer zweiten für Gäste, jede mit zugehöriger Badestube und Schwitzbad, und noch einer dritten, kleineren Schlafkammer, von der ich nicht recht erkennen konnte, wofür sie bestimmt sei, bis Zyanya mir eines Tages lächelnd und scheu sagte: »Vielleicht haben wir eines Tages ein Kind, Záa. Möglicherweise sogar mehrere Kinder. Dann können sie und das Kindermädchen darin schlafen.«
Das Dach des Hauses war flach und rundum von einer hüfthohen, durchbrochenen Steinbalustrade umgeben. Die gesamte Fläche war bereits mit einer Schicht aus fruchtbarer Chinámpa-Erde bedeckt, welche nur darauf wartete, mit Blumen, schattigen Sträuchern und Küchenkräutern bepflanzt zu werden. Unser Haus war nicht besonders hoch, und es standen noch viele andere vor ihm, so daß wir vom See nichts sehen konnten; aber immerhin sahen wir vom Dachgarten aus die Zwillingstempel der Großen Pyramide sowie die Gipfel des rauchenden Vulkans Popocatépetl und des schlafenden Vulkans Ixtacciuatl. Zyanya hatte die Räume oben und unten nur mit dem Allernötigsten ausgestattet: den aus vielen übereinandergelegten weichen Decken bestehenden Lagerstätten, einigen Truhen aus Korbgeflecht und etlichen niedrigen Stühlen und Bänken. Sonst waren die Gemächer leer, daß unsere Schritte darin widerhallten, lagen keine Teppiche auf den schimmernden Steinböden und wiesen die weißgetünchten Wände keinerlei Schmuck auf.
Sie sagte: »Die wichtigeren Einrichtungsgegenstände, den Schmuck und die Wandbilder – ich dachte, der Mann im Haus sollte diese Dinge aussuchen.«
»Wir werden Werkstätten und Märkte gemeinsam aufsuchen«, sagte ich. »Doch ich komme nur mit, um zu sagen, daß ich mit dem, was du ausgesucht hast, einverstanden bin, und um dafür zu bezahlen.«
Im Geiste ähnlicher weiblicher Zurückhaltung hatte sie auch nur eine Sklavin gekauft; Türkis hatte genügt, Zyanya bei der Arbeit zur Hand zu gehen und das Haus bewohnbar zu machen. Ich jedoch fand, wir sollten noch eine Frau dazukaufen, um die täglichen Arbeiten des Kochens, Putzens und andere Aufgaben zu übernehmen, und
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