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Der Azteke

Der Azteke

Titel: Der Azteke Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Gary Jennings
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auch um die einzige Ausnahme von diesen Vorsichtsmaßnahmen. Die engsten Ratgeber des Uandákuari und seine Leibwache sind stets mit Waffen aus diesem Metall bewaffnet um jeden Anschlag auf sein Leben abzuwenden. Verschaff dir Zutritt zu seinem Palast, und du wirst Gelegenheit haben, ein Schwert oder einen Dolch aus dem Metall an dich zu bringen, gleichgültig, was es ist. Das ist alles, was wir brauchen. Wenn unsere eigenen Metallarbeiter auch nur ein einziges Stück davon haben, um es zu untersuchen, werden sie herausbekommen, woraus es sich zusammensetzt«
    Ich seufzte und sagte: »Wie mein Gebieter befiehlt – ein Adlerritter hat zu gehorchen.« Ich überdachte die Schwierigkeiten der vor mir liegenden Aufgabe und meinte: »Wenn ich nur hingehe, um zu stehlen, brauche ich eigentlich nicht den verwickelten Vorwand diplomatischer Verhandlungen. Ich könnte doch schlicht als Bote erscheinen, der dem Verehrten Sprecher Yquingare ein Freundschaftsgeschenk des Verehrten Sprechers Ahuítzotl überbringt.«
    Ahuítzotl ließ sich diesen Vorschlag durch den Kopf gehen und legte nachdenklich die Stirn in Falten. »Aber was?« sagte er. »In Michihuácan gibt es die gleichen Kostbarkeiten wie hier. Es müßte etwas sein, was er dort nicht bekommen kann, etwas Einzigartiges.«
    Ich sagte: »Die Purémpecha lieben nichts mehr als sexuelle Abwechslung. Doch nein. Der Uandákuari ist ein alter Mann. Zweifellos hat er auf diesem Gebiet jedem Laster gefrönt und jede Köstlichkeit genossen und ist weit hinaus über …«
    »Ayyo!« rief Ahuítzotl frohlockend. »Es gibt eine Köstlichkeit, die er unmöglich gekostet haben kann, eine, der er unmöglich widerstehen kann. Ein neues Texquáni, das wir gerade für unser Tierhaus erstanden haben.« Ich zuckte bei diesem Gedanken zusammen, doch er nahm keine Notiz davon; er schickte einen Bedienten, es zu holen.
    Ich versuchte, mir vorzustellen, was für ein menschliches Ungeheuer den Tepúli auch noch des lasterhaftesten alten Wüstlings erregen könnte, da sagte Ahuítzotl: »Sieh dir das hier an, Mixtli. Da sind sie«, und ich hob meinen Topas an die Augen.
    Die beiden Mädchen waren von so unscheinbarem Äußeren, wie ich es nur je gesehen hatte, doch hätte ich sie beim besten Willen nicht als monströs bezeichnen können. Gewiß, vielleicht ein wenig ungewöhnlich insofern, als sie völlig gleichaussehende Zwillinge waren. Meiner Schätzung nach mußten sie etwa vierzehn Jahre alt sein und von irgendeinem Olméca-Stamm kommen, denn sie kauten Tzictli, genauso gelassen wie zwei nicht voneinander zu unterscheidende, vollkommen gleich aussehende Seekühe. Sie standen Schulter an Schulter, ein wenig zueinander geneigt da, jede hatte ihren Arm um die Schulter der anderen gelegt. Sie trugen einen einzigen Umhang, welcher sie von der Brust bis zu den Füßen umhüllte.
    »Bis jetzt sind sie noch nicht öffentlich zur Schau gestellt worden«, sagte Ahuítzotl, »denn bis jetzt sind unsere Palastnäherinnen noch nicht mit den besonderen Blusen und Röcken fertiggeworden, die sie brauchen. Diener, nimm ihnen die Decke ab.«
    Er tat es, und mir fielen gleichsam die Augen aus dem Kopf, als ich die Mädchen nackt sah. Es handelte sich nicht einfach nur um Zwillinge; denn offenbar waren sie im Mutterschoß irgendwie miteinander verschmolzen. Von der Achsel bis zur Hüfte waren sie beide durch dieselbe Haut miteinander verbunden, und zwar so eng, daß sie weder stehen, sitzen, gehen oder sich niederlegen konnten, ohne sich dabei halb zugewendet zu sein und sich anzusehen. Einen Augenblick dachte ich, sie hätten nur drei Brüste, doch als ich nähertrat, erkannte ich, daß die mittlere Brust in Wahrheit zwei normale, nur eng aneinandergepreßte Brüste waren; ich konnte sie mit der Hand auseinanderschieben. Ich betrachtete die Mädchen; vier Brüste vorn, zwei Paar Hinterbacken hinten. Bis auf ihre reizlosen, unintelligenten Gesichter vermochte ich keinerlei Mißbildung bei ihnen zu entdecken außer eben jenem Teil, der ihnen beiden gemeinsam war.
    »Ließen sie sich denn nicht trennen?« erkundigte ich mich. »Dann würden sie zwar beide eine Narbe aufweisen, aber sie wären auseinander und normal.«
    »Wozu?« knurrte Ahuítzotl. »Wozu um alles auf der Welt wären zwei schmutzgesichtige, tzictlikauende Olméca-Schlampen denn schon zu gebrauchen? Zusammengewachsen sind sie etwas Ungewöhnliches und Wertvolles und können das angenehm müßige Leben von Texquáni führen. Doch wie dem auch

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