Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Der Bann (German Edition)

Der Bann (German Edition)

Titel: Der Bann (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Stephen L. Jones
Vom Netzwerk:
verbracht, Nachforschungen über die
hosszú életek
anzustellen. Beckett war ihm eine große Hilfe gewesen. Er hatte ihm eine Reihe von Büchern ausgeliehen und ihn auf weitere Literatur hingewiesen. Doch die Informationen waren spärlich. Charles hatte ein paar Erwähnungen in den ältesten ungarischen Texten gefunden, doch der Großteil des Materials enthielt kaum mehr als wirres Gerede. Wo Beckett kaum differenzierte, war Charles darauf konditioniert, jede einzelne Quelle zunächst mit Skepsis zu betrachten. Nichts von dem, was er bisher gefunden hatte, gab ihm einen Anlass, auch nur einen Teil von Nicoles Geschichte zu glauben. Es gab einfach nichts, nirgendwo, das die Phantasien gestützt hätte, in denen sie gefangen war.
    Und trotzdem liebte er sie. Er hielt es nicht für möglich, dass er sich in jemanden verlieben konnte, der wahnsinnig war oder paranoid oder sonst wie geistig verwirrt. Was also sagte das über ihn aus?
    Nicole schien gemerkt zu haben, dass seine Gedanken abschweiften, denn sie neigte den Kopf zur Seite und lächelte mit zusammengepressten Lippen. «Du hältst mich für verrückt.»
    Er schüttelte den Kopf. «Das ist ja das Eigenartige. Genau das tue ich nämlich nicht. Ich weiß keine Erklärung für all das, und ich kann das, was ich gelesen habe, nicht als Fakten betrachten. Aber ich wäre nicht hier, wenn ich dich für verrückt halten würde. Du hast gesagt, die Dinge fingen an, unheimlich zu werden, kurz nachdem deine Großmutter Albert Bauer kennengelernt hatte. Wie alt war Jakab zu diesem Zeitpunkt?»
    Sie zuckte die Schultern. «Wer weiß? Wie alt war er, als er Erna zum ersten Mal begegnete? Hans glaubte, dass er noch ein junger Mann war, doch das wissen wir nicht. Erna starb 1879 . Anna Richter lernte Albert 1929 kennen. Fünfzig Jahre später.»
    «Wenn Jakab zwischen zwanzig und dreißig war, als er deine Ururgroßmutter kennenlernte, muss er zwischen siebzig und achtzig Jahre alt gewesen sein, als die erwachsene Anna Albert kennenlernte.»
    Nicole sah ihn an, studierte seine Augen. «Ja.»
    «An diesem Punkt enden die Tagebücher von Hans. Wie ging es weiter?»
    «Anna hatte schon seit einer Weile ein eigenartiges Gefühl, bevor sie sich endlich ihrem Großvater anvertraute. Albert Bauer war ein Akademiker, ein hochintelligenter Mann. Sechs Monate, nachdem sie angefangen hatten, sich zu treffen, begann sie Veränderungen zu bemerken. Subtile Veränderungen. Er vergaß gemeinsame Erlebnisse, Dinge, die sie unternommen hatten. Er fragte sie aus, ließ sich von ihr erzählen, wie sie sich kennengelernt hatten. Anna führte ebenfalls Tagebuch. Sie schrieb auf, wie Albert anfing, sie zu ungewöhnlichen Tageszeiten zu besuchen, wenn er eigentlich auf der Arbeit hätte sein müssen. Sie hatten Sex, wilden, leidenschaftlichen Sex. Als Anna mit ihrem Großvater redete, war Hans sofort überzeugt, dass Jakab sie gefunden hatte. Er war nur nicht sicher, ob Jakab sich bereits vollends in die Rolle von Albert gedrängt hatte und die Leiche ihres Verlobten irgendwo in einem Straßengraben lag.
    Er wollte Anna zur Flucht überreden, doch er wusste, wie sehr sie Albert liebte, also versprach er ihr, herauszufinden, ob ihr Verlobter noch am Leben war. Sie schmiedeten einen Plan. Als Anna das nächste Mal Besuch von jenem Albert erhielt, von dem sie vermutete, dass er ein Schwindler war, machte sich Hans auf den Weg zum Labor des jungen Chemikers.
    Der Plan ging auf. Während Anna den falschen Albert in eine Unterhaltung verwickelte, redete Hans mit dem echten Albert acht Kilometer entfernt im Stadtzentrum.»
    Charles runzelte die Stirn, als er dies hörte. Zum ersten Mal fiel ihm nicht sogleich eine offensichtliche Erklärung ein. «Und was haben sie dann gemacht?»
    «Noch in derselben Nacht packte Anna eine Tasche, stopfte die Tagebücher hinein, die ihr Großvater ihr gegeben hatte, und verschwand aus der Stadt, genau wie Hans achtundvierzig Jahre zuvor. Albert ging mit ihr. Es geht nicht eindeutig aus den Aufzeichnungen hervor, aber es scheint, als hätte Albert ebenfalls etwas gesehen. Etwas, das ihm genügend Angst gemacht hatte, um nicht zu versuchen, Anna zum Bleiben zu überreden.»
    «Kamen sie je zurück?»
    Nicole schüttelte den Kopf. «Anna wollte. Sie litt furchtbar unter Heimweh. Dann, einen Monat später, lasen sie in der Zeitung, dass ihr Großvater, ihr Vater und ihre Mutter tot aufgefunden worden waren. Hans, Carl und Helene. Alle drei waren gefoltert worden.»
    Charles

Weitere Kostenlose Bücher