Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Der Dieb der Finsternis

Der Dieb der Finsternis

Titel: Der Dieb der Finsternis Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Richard Doetsch
Vom Netzwerk:
Wasserleitung und den Vorraum der Zisterne in die Höhe und hinaus aus dem einen Quadratmeter großen Abfluss.
    Michael wusste, was als Nächstes passieren würde. Ohne auch nur eine Sekunde zu zögern, sprang er aus dem Rohr. Er fiel schnell, aber nicht schnell genug, als auch schon die tosenden Wasserfluten aus sämtlichen Leitungen schossen und ihn gegen die Wand schleuderten. Kopfüber fiel er in das Wasserloch unter ihm, während drei gewaltige Wasserfälle auf seinen Körper herunterstürzten. Michael versuchte, in den sprühenden, tosenden Fluten zu atmen. Seine Lunge brannte, und er hustete, weil Wasser ihm in die Luftröhre drang.
    Der Pegel stieg über das erste Rohr hinweg und verwandelte das Wasser in der untersten Röhre in einen todbringenden Whirlpool, in dem Michael hilflos hin und her geschleudert wurde. Er versuchte, durch das schnell steigende Wasser nach unten zu schwimmen, wurde aber wie Strandgut umhergewirbelt. Die Wassermassen hämmerten mit erbarmungsloser Wucht auf ihn ein. Auch die lederne Transportrolle und die Neoprentasche schienen sich gegen Michael verschworen zu haben. Es schien, als wollten sie ihn in zwei Teile reißen, denn beide Gegenstände zerrten in entgegengesetzten Richtungen an seinem Körper.
    Mit rasender Geschwindigkeit stieg das Wasser an den Wänden hinauf, überspülte das zweite Rohr und schaukelte Michaels Körper nach oben auf das Abflussgitter zu. Er würde sein Ziel erreichen – nur nicht so, wie er es sich vorgestellt hatte: Da sein Körper gnadenlos hin und her geschüttelt wurde, würde er niemals in der Lage sein, das Gitter aufzuschrauben und zu öffnen.
    Das Wasser wurde zu einer Sturzflut, die mit tosenden Strudeln an seinem Körper zerrte. Michael strampelte verzweifelt, um den Kopf über Wasser zu halten, wurde aber immer wieder in die Tiefe gerissen, wo das Wasser wie mit tausend Fäusten auf ihn einschlug. Seine Lunge schrie nach Luft, und vor seinen Augen wirbelten weiße Flecke. Er kämpfte mit wilder Verzweiflung. Er durfte KC nicht im Stich lassen, durfte sie nicht enttäuschen.
    Und dann, aus dem Nichts heraus, griff jemand nach ihm und riss ihn in Richtung Wasseroberfläche. Michaels Kopf schlug mit Wucht gegen etwas Hartes, aber er beachtete es nicht, schnappte erst einmal gierig nach Luft, als er endlich den Sauerstoff bekam, nach dem seine gepeinigte Lunge sich verzehrten.
    Das Wasser um ihn her war inzwischen ein einziger brodelnder Schaum, und endlich begriff er, wo er war. Michael stellte fest, dass er mit dem Kopf gegen das Abflussgitter geschlagen war, das sich vor wenigen Minuten noch fünf Meter über ihm befunden hatte. Das Wasser stieg jetzt langsamer, doch war das Abflussgitter inzwischen nur noch dreißig Zentimeter von ihm entfernt. Er klammerte sich an die metallenen Kreuzverstrebungen und hielt sich daran fest, während sein Körper weiterhin von den tosenden Wassern durchgeschüttelt wurde.
    »Du musst Michael sein«, rief eine Stimme.
    Michael blickte nach oben durch das Gitter und sah einen Mann, der dort hockte und auf ihn hinunterblickte. Er trug eine Abendhose und ein weißes Smokinghemd, an dem er die Ärmel hochgerollt hatte. Sein Haar war glatt nach hinten gekämmt und lag perfekt. Er war spindeldürr; die Venen an seinen Unterarmen und am Hals pochten im Duett. Seine braune Haut unterstrich Augen, die eine geisterhaft blassblaue Farbe hatten und ein Erscheinungsbild schufen, das eher auf einen Alien hindeutete als auf einen Menschen. Michael war sich absolut sicher: Das war Iblis.
    »KC ist also mit einem Dieb liiert«, sagte Iblis.
    Zornig blitzte Michael zu dem Mann empor, erstaunt über dessen amerikanischen Akzent.
    »Sie haben ein beachtliches Strafregister, Mister St. Pierre.« Das Tosen der Fluten übertönte beinahe seine Worte.
    Michael bekam kaum Luft, weil das Wasser ihm immerzu ins Gesicht schlug.
    »Ich brauchte KCs Hilfe, nur hätte ich nie gedacht, dass sie einen Partner mitbringt. Ihr zwei habt die Karte schneller gefunden, als ich dachte. Und ihr habt mich davor bewahrt, mir die Hände schmutzig machen zu müssen.«
    Michael sah eine kleine Seilrolle, die neben einem hellbraunen Aktenkoffer auf dem Fußboden lag. Daneben konnte er nur noch eine Vielzahl von Handwerkszeugen erkennen, die auf dem Boden des Haremsbades verstreut lagen.
    Iblis schlenderte um das polierte Metallgitter herum, umkreiste Michael wie ein Raubtier.
    »Ich wusste, dass sie Beziehungen zum Vatikan unterhält, aber wer konnte ahnen,

Weitere Kostenlose Bücher