Der Dieb der Finsternis
dass der Mann, mit dem sie schläft, ebenfalls ein Dieb ist? Wie war das? Hat sie ein bisschen mit den Hüften und dem Busen gewackelt, um Sie dazu zu verleiten, das hier für sie zu tun? Hat sie Sie dazu gebracht, Ihr Leben für ein bisschen Ringelpietz mit Anfassen zu riskieren?«
Michael zog sich mit der rechten Hand hoch und holte mit der linken aus, um Iblis zu packen, jedoch vergeblich. Iblis grinste nur und trat einen Schritt zurück, belustigt über Michaels Wut und den Arm, der aus dem Abflussgitter im Boden ragte.
»Na, was denn? Ist er beleidigt, weil ich den Nagel auf den Kopf getroffen habe? Oder will er für die Ehre seines hübschen Mädels eintreten?«, spottete Iblis, und aus jedem seiner Worte sprühte das Gift. »Was wissen Sie über sie? Für Sie ist sie doch nichts weiter als irgendeine Blondine mit einem schönen Hintern. Ich bin es, der sie aus der Gosse geholt hat. Wenn jemand ein Recht auf sie hat, dann ich. Ich bin es, der sie zu dem gemacht hat, was sie heute ist, der sie geprägt, der sie geformt hat. Wenn jemand ihr Herz in seinen Händen hält, wenn jemand ihr Leben an einem seidenen Faden hängen lässt, dann bin ich das.«
Obwohl es völlig sinnlos war, riss Michael an den Metallverstrebungen. »Wenn du sie anrührst …«
»Was?«, fragte Iblis und trat dabei auf Michaels Finger, drückte sie in den Abfluss hinein.
Mit einem Aufschrei ließ Michael los, wurde unter die tosenden Wasser gezogen und im Whirlpool umhergeschleudert wie eine Stoffpuppe. Sein Mund und seine Nase füllten sich ebenso schnell mit Wasser, wie seiner Lunge die Luft ausging. Die beiden Taschen, die an seinem Körper klemmten, waren zwar fest gesichert, peitschten und schlugen aber trotzdem auf ihn ein wie lose Klappladen eines Fensters bei Sturm.
Er nahm all seine Konzentration zusammen, stieß mit der Hand durch die Wasseroberfläche, bekam erneut das Metallgitter zu fassen und zog sich wieder nach oben in die immer kleinere Luftblase.
»Schwimmen Sie gerne?« Iblis kam mit dem Gesicht dicht an die Metallverstrebungen und verspottete Michael. »Mussten Sie je einem Kind Disziplin beibringen? Oder jemanden bestrafen, der Ihnen etwas bedeutet? Vielleicht sollte ich KC von allem befreien und ihrer Seele die Freiheit schenken.«
Michael hielt sich mit beiden Händen an den Gitterstäben fest und zog seinen Kopf nahe an Iblis’ Gesicht heran. »Wagen Sie es ja nicht, Sie anzurühren. Wenn sie auch nur einen abgebrochenen Fingernagel haben sollte, werde ich Sie finden und …«
»Was?«, explodierte Iblis, dass seine Stimme von den Marmorwänden widerhallte. Doch sofort gewann er die Fassung zurück und gab sich wieder sanft. »Haben Sie ernsthaft geglaubt, Sie könnten mich ausstechen?«
Michael umklammerte die Gitterstäbe so fest, dass seine Fingerknöchel weiß hervortraten.
»KC kennt mich«, erklärte Iblis. »Sie kennt das Risiko, das man eingeht, wenn man mich betrügt, und sie kennt den Preis, den man dafür zahlt – in ihrem Fall, was ihrer Schwester passiert, falls sie meinen Anweisungen nicht folgt.« Iblis hielt einen Moment inne. »Wissen Sie, was ich glaube?«, meinte er dann. »Ich glaube, dass es Ihre Idee war, die Karte zu stehlen und sie gegen Simon und Cindy einzutauschen. Der dumme Einfall eines arroganten, zweitklassigen Diebes.«
Michael zerrte in hilfloser Wut an den Gitterstäben und musste husten, weil ihm das Wasser ins Gesicht schlug.
Iblis betrachtete Michaels Züge, blickte auf den brodelnden Hexenkessel, in dem er gefangen war. »Hatten Sie jemals Blut an den Händen, Michael?«, fragte er dann. »Nun, heute Nacht wird der ultimative Preis gezahlt. Es muss jemand sterben für Ihre Abgeschmacktheit und Ihren Mangel an Vorsicht.«
Michael zog sein Gesicht auf gleiche Höhe mit den Gitterstäben, während das Wasser ihm weiterhin um den Körper schlug. Nackter Zorn lag in seinem Blick, als er hervorstieß: »Ohne die Karte haben Sie nichts.«
Iblis beugte sich nach unten. Michael konnte seinen stinkenden Atem durch das Gitter riechen, als sie einander in die Augen starrten.
Im gleichen Moment schlang sich ohne jede Vorwarnung etwas um Michaels linken Arm. Er war dermaßen zornig und so damit beschäftigt gewesen, Iblis’ starrem Blick standzuhalten, dass er gar nicht mitbekommen hatte, wie sich eine Handschelle um sein Handgelenk schloss und die andere oben am Gitter festgemacht wurde. Instinktiv versuchte Michael, seinen Körper von der Fessel wegzuziehen, und trat im
Weitere Kostenlose Bücher