Der Dieb der Finsternis
Caddesi und dem Kabasakal Caddesi waren Limousinen, sodass Busch in der Masse verschwand und zugleich keine Sorge haben musste, dass der kleine gelbe Flitzer plötzlich ausscherte, im Verkehr untertauchte und sich damit seinem wachsamen Auge entzog.
Busch hatte Michael ein Versprechen gegeben: Er würde KC um jeden Preis beschützen und garantieren, dass Iblis sie zu keinem Zeitpunkt zu fassen bekam. Sollte er sich ihr auch nur nähern, würde Busch diesem Hurensohn den Hals umdrehen, ohne dabei die geringsten Schuldgefühle zu verspüren.
***
Michael huschte über die Dächer. Je weiter er kam, desto lauter wurden die Musik, die Party-Gespräche und das Gelächter. Die Feierlichkeiten der Vertreter der Europäischen Union liefen auf Hochtouren. Die Festlichter erhellten den Himmel über dem zweiten Hof des Topkapi-Palasts, der eine Party dieser Größenordnung seit einem Jahrhundert nicht mehr erlebt hatte. Da einige Türen des Museums mit Alarmanlagen ausgestattet und zudem fest verriegelt waren, war die Angst vor einem Raubüberfall gering. Wer würde so töricht sein, in einer Nacht, in der die Sicherheitsvorkehrungen besonders streng waren, in ein Museum einzubrechen, das noch nie beraubt worden war? Außerdem wusste die Welt überhaupt nicht, was unter den Mauern des herrschaftlichen Palasts versteckt war. Die Sicherheitsvorkehrungen konzentrierten sich auf die Feierlichkeiten oben, auf die Würdenträger und ihren Schutz.
Als Michael den Dachrand erreichte, von dem er auf den dritten Hof schauen konnte, der sich im Dunkel der Nacht still und leer unter ihm erstreckte, ließ er den Blick über das Gelände schweifen und entdeckte die beiden Wachmänner, die in Habachtstellung vor dem Tor der Glückseligkeit standen. Dem dritten Hof hatten sie den Rücken zugewandt, denn sie behielten die Partygäste im zweiten Hof im Auge.
Michael blickte hinunter auf das Bauloch. Die Stelle lag in völliger Dunkelheit, die wegen der Lichter der Party auf der anderen Seite des Tores noch düsterer wirkte.
Michael sprang in den Hof hinunter, zog flink ein Kernmantelseil aus seiner Neoprentasche und schlang das Seil um die Achse des neben ihm stehenden Baggers. Er nahm eine der Arbeitsplanen, drapierte sie über das Seil und legte ein paar Schaufeln und Harken auf die Plane. Dann überprüfte er die Gurte der leeren Transportrolle und zog sie sich fest gegen den Rücken. Schließlich zog er den Reißverschluss seiner wasserdichten Tasche wieder zu, schlang sich das Seil um den Körper, verknotete es und ließ sich in die Dunkelheit gleiten.
Nach etwa fünf Metern erreichte er die Öffnung des Schachts und stoppte. Er hing jetzt ungefähr sieben Meter über dem Wasser in der breiten, offenen Höhle. Er schaltete seine Taschenlampe ein, leuchtete umher und blickte auf den Teil des Baus, der älter war als der Topkapi-Palast. Diesen Bereich hatte man zu einer Zeit konzipiert und erbaut, als es noch keine moderne Technologie gegeben hatte, und doch hatte er Jahrhunderte überdauert und war intakter als so manche Bauten aus der heutigen Zeit, die manchmal nur zwei oder drei Jahrzehnte hielten.
»KC?«, flüsterte Michael in sein Mikrofon.
»Ja?« Ihre Stimme wurde untermalt von atmosphärischen Störungen.
»Wie kommst du voran?«
»Gut.«
»Ich verliere jetzt gleich die Funkverbindung«, sagte Michael. »Behalte die Wachen im Auge.«
Er ließ den Blick durch die Höhle schweifen, schaute auf das dunkle Wasser hinunter und drehte sich dabei am Seil. »Nächstes Mal kriegst du das kalte Wasser und den Sprengstoff, das verspreche ich dir.«
»Klar doch. Sei vorsichtig.«
***
KC rannte quer über den Hof zur Ostseite der Hagia Sophia und hielt sich dabei stets im Dunkeln. Sie hatte sich eine schwarze Mütze aufgesetzt und ihr Haar darunter hochgesteckt. Sie war an der Seite des Gebäudes durch den Personaleingang hereingekommen. Um das Schloss zu knacken, hatte sie keine fünf Sekunden gebraucht.
Obwohl die Hagia Sophia ein Museum war, gab es dort nur wenige Kunstwerke zu besichtigen. Die Attraktionen waren das Gebäude an sich, seine kostbaren Mosaike und die davor errichteten Grabmale. Die Sicherheitsvorkehrungen waren vergleichsweise gering, da es hier nicht viel gab, war man hätte stehlen können. Die Vorsichtsmaßnahmen zielten vor allem darauf ab, Vandalen und Witzbolde fernzuhalten, was zur Folge hatte, dass das Personal alles andere als aufmerksam war und gelangweilt seinen Dienst schob.
Die Welt in den
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