Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Der dreizehnte Apostel

Der dreizehnte Apostel

Titel: Der dreizehnte Apostel Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Wilton Barnhardt
Vom Netzwerk:
St. Bridget, zu ihrem Gebetskreis und den Lebensmittel Sammelaktionen und dem katholischen Verein junger Frauen von Fakultätsangehörigen … und einen Monat später stellte sie fest, daß sie schwanger war. Daß sie das Kind des Mannes trug, der sie dazu gebracht hatte, ihr Gelübde zu brechen, und sie dann noch um die Scheidung bat, so daß sie zweimal der Verdammnis anheimfallen konnte.
    »Diese Ehe ist meine Buße«, sagte sie stoisch. »Ich bringe ein Kind zur Welt, das einen Abtrünnigen und einen Trinker als Vater hat.« Zur Hölle, Frau, damals war meine Trinkerei noch gar nichts. Wart nur, bis ich 1961 außerordentlicher Professor an der Universität von Chicago im Hyde-Park-Viertel wurde. Jeder war glücklich über diese Beförderung, nur Beatrice nicht. Sie wollte nicht, daß wir weggingen von der Universität in Duquesne, weil das in der Nähe ihrer Schwestern in Pittsburgh war. Chicago war unendlich weit weg, sie kannte dort niemanden. Machst du dir klar, daß Jahre ohne ein warmes Wort, ohne eine Heilung dieses Bruchs vergingen? Ist es ein Wunder, daß ich auf Reisen ging, sobald sich irgendein Projekt anbot – wenn Forschungsmittel zur Verfügung standen, war ich weg!
    (Gut, so bist du deiner Frau entkommen. Und deinem Sohn Rudy. Und in den paar Monaten und Wochen, in denen du zu Hause warst, hast du dich schlimmer benommen.)
    Verstehst Du nicht? Sie hatte nie das Gefühl, daß ihr verziehen war. Sie hatte ein Gelübde abgelegt und es dann gebrochen – ihr Gelübde vor Gott. Keine göttliche Vergebung konnte groß genug sein: Sie war bestimmt für das Fegefeuer, wenn nicht gar für die Hölle, und das akzeptierte sie kalt, mit stiller Bitterkeit. Ich war die erste Ursache dieser Sünde. Ich war der Apfel vom Baum der Erkenntnis und Satan zugleich – die lebende Erinnerung an ihren Sündenfall. Und auf keinen Fall durfte ihr kleiner Engel, ihr Abel, ihr Benjamin, ihr Baby besudelt und verdorben werden von seinem Vater, dem Schürzenjäger und Säufer!
    (Immerhin eine nicht ganz unpassende Beschreibung zu jener Zeit.)
    Zum Teufel, es waren die sechziger Jahre. Miniröcke , Sonnenbaden oben ohne, durchsichtige BHs, die jungen Studentinnen an den gemischten Universitäten, die nichts anderes im Kopf hatten, als mit dem gelehrten Professor ins Bett zu hüpfen. Ich sah sie vor mir, wie sie taten, als würden sie Notizen machen, aber in Wahrheit daran dachten … Es gibt wenig Zeiten, die auf Männer mittleren Alters katastrophaler gewirkt haben als die Swinging Sixties; wehe dem Mann, dessen Midlife-Crisis in diese Zeit fiel! Die offenen Blumenhemden, die Koteletten, die rosa gefärbten Brillen, das Tweed Jackett mit den Lederflicken an den Ellbogen, die Pfeife – vierundvierzig Jahre alt und ein Mann meiner … der Zeit meines Sohnes! Und ich starrte vom Podium herab auf meine Studenten, und zwischen den Wiedergeborenen und den Jesus-Freaks und den katholischen Katastrophen, die schließlich im Theologieseminar landeten, saßen die wenigen jungen Frauen, die nicht wegen des Seminars kamen, sondern um den dynamischen, aufsehenerregenden Lehrbeauftragten zu hören, seine geschliffene Gelehrsamkeit, sein Aramäisch, seine lateinischen Wortspiele, seine wunderbare Aussprache des Griechischen. Die Sprachen und Geschichten der Vergangenheit versponnen zu dem Geheimnis und dem Hokuspokus eines Aphrodisiakums, das sie brauchten …
    (Beatrice hat erfahren, was für ein Weiberheld du warst.)
    Oh, aber manche von diesen Studentinnen! An eine erinnere ich mich ganz besonders …
    (Wie war’s mit dieser Erinnerung?)
    Rudy war sechs Jahre alt, und Beatrice war immer noch dabei, sich einzugewöhnen, ärgerte sich immer noch, daß sie in Chicago war. Während einer Szene, die sie wohl den ganzen Nachmittag lang geübt hatte, erklärte sie am Abendbrottisch: »Schön. Wir werden heuer in diesem Haus nicht Weihnachten feiern. Ich nehme Rudy mit und fahre zu meiner Schwester, und du kannst sehen, wo du bleibst!«
    »Mami, wein nicht …«, bat Rudy.
    Jedesmal wenn Beatrice darauf aus war, eine Szene zu machen, reagierte das Kind ganz hysterisch.
    Also habe ich sie beim Wort genommen, erinnerte sich Patrick. Du kannst zur Hölle gehen und dich mit deinen Saufkumpeln in O’Connor’s Bar betrinken, sagte sie, und genau das habe ich am Weihnachtsabend getan, weil ich meinte, sie und Rudy seien abgezischt nach Pittsburgh und würden erst nach den Feiertagen wiederkommen. Dann kam ich heim, der Tisch war gedeckt, die

Weitere Kostenlose Bücher