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Der dunkle Turm - Gesamtausgabe

Der dunkle Turm - Gesamtausgabe

Titel: Der dunkle Turm - Gesamtausgabe Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Stephen King
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Gedankenströme
    ( NACH SÜD )
    die alle miteinander einen gewaltigen Fluss bildeten. Und dann war Teds Stimme zu hören, die nicht nur in den Chor der anderen einfiel, sondern diesen Fluss
    ( NICHTS WIRD EUCH DANN GESCHEH’N )
    zu einem Ozean werden ließ. Ohne es wahrzunehmen, hatte Sheemie den Text seines Gebets abgeändert. Aus Vater unser und Beschütz meine Freunde wurde Mit erhobenen Händen … nach Süd … nichts wird euch dann geschehen. Damit hörte er nicht einmal auf, als die Propangastanks hinter der Kantine von Damli House mit ohrenbetäubendem Lärm hochgingen.
     
     

14
     
    Gangli Tristum (für euch Doktor Gangli, sage meinen Dank) war in vieler Beziehung der gefürchtetste Mann in Damli House. Er war ein Can-Toi, der – verrückterweise – statt eines Menschennamens einen Taheennamen angenommen hatte, und führte das Krankenrevier im Westflügel des Gebäudes mit eiserner Faust. Und auf Rollschuhen.
    Die Atmosphäre im Krankenrevier war ziemlich entspannt, wenn Gangli in seinem Büro saß, um Papierkram zu erledigen, oder seine Runde machte (meistens um Brecher, die erkältet waren, in ihren Wohnheimen zu besuchen), aber wenn er herauskam, verfiel das gesamte Revier – Krankenschwestern und Krankenpfleger ebenso wie Patienten – in respektvolles (und nervöses) Schweigen. Ein Neuankömmling hätte beim Anblick dieses vierschrötigen, dunkelhäutigen Mannes mit Hamsterbacken, der mit auf der Brust gefalteten Händen, die auf seinem Stethoskop ruhten, und wehenden weißen Mantelschößen langsam den Mittelgang zwischen den Bettreihen entlangglitt, vielleicht gelacht (ein Brecher hatte einmal geäußert: »Er sieht aus wie John Irving nach einer verunglückten Schönheitsoperation«), Wäre allerdings jemand beim Lachen erwischt worden, hätte derjenige nie wieder gelacht. Dr. Gangli konnte in der Tat schnelle Urteile sprechen, und niemand machte sich ungestraft über seine Rollschuhe lustig.
    Statt auf ihnen zu gleiten, flog er jetzt geradezu die Gänge hinauf und hinunter, dass die Stahlrollen (seine Rollschuhe stammten nämlich aus einer Zeit lange vor Rollerblades) über den Hartholzboden rumpelten. »Sämtliche Akten!«, rief er. »Habt ihr verstanden? … Wenn in diesem beschissenen Durcheinander eine einzige Krankenakte verschwindet, eine einzige götterverdammte Akte, lasse ich mir zum Nachmittagstee jemands Augen servieren!«
    Die Patienten waren natürlich bereits alle fort; er hatte sie beim ersten Ton des Rauchmelders, beim ersten Anzeichen von Brandgeruch aus ihren Betten holen und die Treppe hinunterbringen lassen. Einige der Krankenpfleger – feige Waschlappen, aber er kannte jeden einzelnen beim Namen, o ja, und würde sie zu gegebener Zeit in seinem Bericht erwähnen – waren mit den Kranken geflüchtet, aber fünf hatten ausgeharrt, darunter sein persönlicher Assistent Jack London. Gangli war stolz auf sie, obwohl man das seiner gebieterischen Stimme nicht angemerkt hätte, während er in dichter werdendem Rauch auf und ab, auf und ab durch die Gänge rollte.
    »Stellt die Akten sicher, hört ihr? Das will ich euch bei allen Göttern, die je gegangen oder gekrochen sind, geraten haben! Ich will’s euch geraten haben!«
    Ein rötlicher Feuerstrahl schoss durchs Fenster. Das musste irgendeine Art Waffe sein, weil der Strahl die Glaswand zwischen Ganglis Büro und dem Krankenrevier zersplittern ließ und seinen Lieblingssessel in Brand setzte.
    Gangli duckte sich und rollte unter dem Laserstrahl hindurch, ohne langsamer zu werden.
    »Gan verdamm mich!«, rief einer der Krankenpfleger. Es war ein außerordentlich hässlicher Hume, mit Glupschaugen in einem bleichen Gesicht. »Was zum Teufel war …«
    »Kümmre dich nicht drum!«, brüllte Gangli. »Was kümmert’s dich, was das war, Arschgesicht? Hol die Akten! Hol meine beschissenen Akten!«
    Irgendwo vor dem Gebäude – von der Promenade her? – kam mit grässlichem Klingeln und Sirenengeheul ein Rettungsfahrzeug angefahren. »STRASSE FREI MACHEN!«, hörte Gangli. »MACHT PLATZ FÜR FEUERLÖSCHGRUPPE B!«
    Von einer Feuerlöschgruppe B hatte Gangli noch nie gehört, aber hier gab es ja sowieso viel, von dem man nichts wusste. Beispielsweise hatte er bei einem Drittel der Geräte in seinem OP nicht die blasseste Ahnung, wie man sie überhaupt benutzte! Egal, im Augenblick kam es nur darauf an, dass …
    Bevor er den Gedanken zu Ende führen konnte, gingen die Propangastanks hinter der Kantine hoch. Sie explodierten mit

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