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Der dunkle Turm - Gesamtausgabe

Der dunkle Turm - Gesamtausgabe

Titel: Der dunkle Turm - Gesamtausgabe Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Stephen King
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den Armen gehalten, hatte sie umarmt und gewiegt, während Eddie auf der Straße lag, aber nicht tot war; es wäre fast besser gewesen, wenn er tot gewesen wäre (auch wenn tot bedeutete, dass man nicht mehr auf Wunder hoffen durfte, dass es keine Hoffnung mehr gab), aber Jake konnte sehen, wie Eddies Finger im Staub zuckten, und konnte hören, dass er unzusammenhängendes Zeug vor sich hin murmelte wie jemand, der im Schlaf redete.
    Dann war Ted gekommen, unmittelbar hinter ihm Dinky und schließlich noch zwei oder drei der anderen Brecher, die ihnen zögernd gefolgt waren. Ted hatte sich neben der sich wehrenden, schreienden Frau niedergekniet und Dinky ein Zeichen gegeben, sich auf ihrer anderen Seite hinzuknien. Dann hatte er ihre Hand ergriffen und Dinky zugenickt, die andere zu nehmen. Und dann war etwas aus ihnen geflossen – etwas, was tief und beruhigend war. Es war nicht für Jake bestimmt, nein, durchaus nicht, aber er fing trotzdem einiges davon auf und spürte, wie sein wild jagendes Herz allmählich langsamer schlug. Er blickte in Ted Brautigans Gesicht und sah, dass dessen Augen wieder ihr Kunststück aufführten, bei dem die Pupillen immer größer und kleiner, größer und kleiner wurden.
    Susannahs Schreie wurden leiser und flauten zu schmerzlichen kleinen Seufzern ab. Sie blickte auf Eddie hinab, und als sie den Kopf senkte, fielen Tränen aus ihren Augen auf den Rücken von Eddies Hemd und hinterließen dort dunkle Spuren wie von Regentropfen. Dann tauchte Sheemie aus einer der Gassen auf, verkündete allen, die sie hören wollten, lauthals seine frohe Botschaft – »BALKEN SAGT NICHT ZU SPÄT! BALKEN SAGT GEBADE NOCH BECHTZEITIG, BALKEN SAGT SEINEN DANK UND DASS WIR IHN HEILEN LASSEN MÜSSEN!« –, wobei er stark humpelte, als hätte er sich am Fuß verletzt (keiner der Anwesenden dachte sich etwas dabei oder bemerkte es auch nur). Dinky wandte sich murmelnd an die wachsende Menge von Brechern, die den tödlich verletzten Revolvermann anstarrte, worauf einige davon zu Sheemie gingen und dafür sorgten, dass er den Mund hielt. Im Hauptsektor des Devar-Toi schrillten weiter die Feuermelder, aber die hinzugekommenen Löschfahrzeuge sollten die drei schlimmsten Brände (Damli House, Shapleigh House und Feveral Hall) irgendwann tatsächlich unter Kontrolle bringen.
    Woran Jake sich als Nächstes erinnerte, war das Bild von Teds Fingern – unglaublich sanften Fingern –, wie sie das Haar auf Eddies Hinterkopf teilten und ein großes Loch freilegten, das mit gerinnendem dunklem Blut angefüllt war. In dieser gallertartigen Masse schwammen kleine weiße Flocken. Jake hatte glauben wollen, dass es sich um Knochensplitter handelte. Das war besser, als sich Flocken von Eddies Gehirn vorzustellen.
    Beim Anblick dieser schrecklichen Kopfwunde prallte Susannah zurück und begann wieder zu kreischen. Begann sich zu wehren. Ted und Dinky (der kreidebleich war) wechselten einen Blick, hielten Susannahs Hände fester und sendeten wieder ihre
    (Friede Entspannung Stille Geduld Ruhe Gelassenheit Friede)
    beruhigende Botschaft, die ebenso aus Farben – ein kühles Blau, das in sanfte Grautöne überging – wie aus Worten bestand. Roland hatte ihr dabei seine Hände auf die Schultern gelegt.
    »Lässt sich etwas für ihn tun?«, fragte Roland an Ted gerichtet. »Irgendetwas?«
    »Wir können dafür sorgen, dass er keine Schmerzen hat«, sagte Ted. »Zumindest das lässt sich machen.« Er nickte zum Devar-Toi hinüber. »Gibt’s dort nicht noch Arbeit für dich, Roland?«
    Im ersten Augenblick schien Roland die Frage nicht recht zu verstehen. Dann betrachtete er die Leichen der erschossenen Wachen und begriff, was Ted meinte. »Ja«, sagte er, »ich glaube schon. Jake, kommst du mit? Dass die Überlebenden sich vielleicht unter einem neuen Führer neu formieren … das dürfen wir nicht zulassen.«
    »Was ist mit Susannah?«, fragte Jake.
    »Susannah wird uns helfen, ihren Mann an einen Ort zu bringen, an dem er es gut hat und so friedlich wie möglich sterben kann«, sagte Ted Brautigan. »Das tust du doch, nicht wahr, meine Liebe?«
    Sie erwiderte seinen Blick mit einem Ausdruck, der noch nicht ganz leer war; das Verstehen (und das Flehen) in ihrem Blick bohrte sich Jake wie ein Eiszapfen ins Herz. »Muss er wirklich sterben?«, fragte sie ihn.
    Ted hob ihre Hand an seine Lippen und küsste sie. »Ja«, sagte er. »Er muss sterben, und du wirst das ertragen müssen.«
    »Dann müsst ihr etwas für mich tun«,

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