Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Der dunkle Turm - Gesamtausgabe

Der dunkle Turm - Gesamtausgabe

Titel: Der dunkle Turm - Gesamtausgabe Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Stephen King
Vom Netzwerk:
auf die Schulter. »Gut!«
    Dann gingen Jake und der Revolvermann in eine Richtung weiter, die Norden sein mochte, kehrten dorthin zurück, um zu Ende zu bringen, was sie angefangen hatten.
     
     

3
     
    In den folgenden drei Stunden stöberten sie weitere vierzehn Mann des Wachpersonals auf, von denen die meisten Humes waren. Roland überraschte Jake – ein wenig –, indem er nur die beiden erledigte, die sich hinter dem im Kellerabgang eingebrochenen Löschfahrzeug verschanzt hatten, um sie von dort aus unter Feuer zu nehmen. Die übrigen entwaffnete er, ließ sie auf Ehrenwort frei und drohte, wer vom Personal des Devar-Toi sich noch auf dem Gelände befinde, wenn nachmittags das Hornsignal zum Schichtwechsel erklinge, werde ohne Vorwarnung erschossen.
    »Aber wohin sollen wir gehen?«, fragte ein Taheen mit einem schneeweißen Hahnenkopf unter einem großen, schlabberigen roten Hahnenkamm (er erinnerte Jake etwas an die Zeichentrickfigur Foghorn Leghorn).
    Roland zuckte die Achseln. »Wohin ihr euch wendet, ist mir egal«, sagte er, »wenn ihr nur fort seid, sobald das nächste Hornsignal ertönt, wisst ihr? Ihr habt hier Teufelswerk getan, aber jetzt ist die Hölle geschlossen, und ich werde dafür sorgen, dass diese besonderen Türen hier nie wieder geöffnet werden.«
    »Wie meint Ihr das?«, fragte der Gockel-Taheen beinahe schüchtern, aber Roland machte keine Anstalten, ihm das zu erklären, sondern forderte ihn nur auf, seine Warnung an alle weiterzugeben, denen der Taheen noch begegne.
    Die meisten der überlebenden Taheen und Can-Toi verließen Algul Siento in Zweier- und Dreiergruppen und gingen ohne Widerspruch, während sie sich alle Augenblicke nervös umsahen. Jake fand, dass sie zu Recht verängstigt waren. Das Gesicht seines Dinhs wirkte an diesem Tag gedankenschwer und schrecklich kummervoll. Eddie Dean lag auf dem Totenbett, da würde niemand Roland von Gilead in die Quere kommen dürfen.
    »Was hast du mit dem Gefängnis hier vor?«, fragte Jake, nachdem das nachmittägliche Hornsignal erklungen war. Sie gingen gerade an der rauchenden Ruine von Damli House vorbei (um das herum die Roboter-Feuerwehrleute alle zehn Schritte Warnschilder mit der Aufschrift KEIN ZUTRITT, SOLANGE BRANDFAHNDUNG ERMITTELT! aufgestellt hatten) und waren auf dem Weg zurück zu Eddie.
    Roland schüttelte nur den Kopf, ohne die Frage zu beantworten. Auf der Promenade sah Jake sechs Brecher stehen, die sich an den Händen hielten und so einen Kreis bildeten. Sie erinnerten an Teilnehmer einer Séance. Sheemie war da, und Ted, und Dani Rostov; bei den anderen handelte es sich um eine junge Frau, eine ältere Frau und einen stämmigen Mann, der wie ein Bankier aussah. Hinter ihnen lagen die fast fünfzig Wachen, die bei dem kurzen Gefecht umgekommen waren. Sie waren unter Wolldecken aufgereiht, sodass nur ihre Stiefelspitzen zu sehen waren.
    »Weißt du, was sie tun?«, fragte Jake und meinte damit die Séance-Folken – die hinter ihnen waren einfach tot, eine Aufgabe, die sie in Zukunft ganz ausfüllen würde.
    Roland sah flüchtig zu dem Kreis aus Brechern hinüber. »Ja.«
    »Was denn?«
    »Nicht jetzt«, sagte der Revolvermann. »Erst einmal machen wir Eddie unsere Aufwartung. Du wirst dazu alle Gemütsruhe brauchen, die du aufbringen kannst, was wiederum voraussetzt, dass du dich ganz von äußeren Einflüssen frei machst.«
     
     

4
     
    Als Jake jetzt mit Oy vor der leeren Kleeblatt-Taverne mit ihren Bierreklamen aus Leuchtstoffröhren und der stummen Jukebox hockte, dachte er darüber nach, wie Recht doch Roland gehabt hatte und wie dankbar er selbst gewesen war, als der Revolvermann ihn nach ungefähr einer Dreiviertelstunde angesehen, seine schreckliche Seelenpein erkannt und ihm gestattet hatte, das Zimmer zu verlassen, das Zimmer, in dem Eddie dahinsiechte, wobei er seine Vitalität nur Stück für Stück aufgab und jeden letzten Zentimeter seines Lebensgewebes mit seinem bemerkenswerten Willen prägte.
    Die von Ted Brautigan organisierten Krankenträger hatten den jungen Revolvermann nach Corbett Hall gebracht, wo er im Erdgeschoss das geräumige Schlafzimmer der Präfektenwohnung bekam. Die Krankenträger blieben danach im Innenhof des Wohnheims stehen, und dort gesellten sich im Lauf des Nachmittags die übrigen Brecher hinzu. Als Roland und Jake eintrafen, hatte eine mollige Rothaarige dem Revolvermann den Weg vertreten.
    Lady, das würde ich lieber nicht tun, hatte Jake gedacht. Nicht heute

Weitere Kostenlose Bücher