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Der dunkle Turm - Gesamtausgabe

Der dunkle Turm - Gesamtausgabe

Titel: Der dunkle Turm - Gesamtausgabe Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Stephen King
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wenigstens minimal vernünftig, aber vieles war das, was sein Freund Benny Kimme genannt hätte: völliger Unsinn. Von Zeit zu Zeit tauchte Susannah einen Waschlappen in die Schüssel auf dem Nachttisch, wrang ihn aus und wischte damit dann über die Stirn und die trockenen Lippen ihres Mannes. Einmal stand Roland auf, nahm die Schüssel mit ins Bad, füllte sie mit frischem Wasser und brachte sie Susannah zurück. Sie bedankte sich mit leiser, durchaus freundlicher Stimme. Als Jake kurz danach ebenfalls frisches Wasser holte, dankte sie ihm im selben Ton. Als ob sie ihre Anwesenheit kaum wahrnähme.
    Wir gehen ihretwegen hin, hatte Roland zuvor Jake erklärt. Denn sie wird sich später daran erinnern, wer da war, und dankbar sein.
    Aber würde sie das sein? Das fragte Jake sich jetzt im Dunkel draußen vor der Kleeblatt-Taverne. Würde sie wirklich dankbar sein? Schließlich war es irgendwie Rolands Schuld, dass Eddie Dean mit nur fünfundzwanzig oder sechsundzwanzig Jahren auf dem Totenbett lag. Andererseits wäre sie Eddie natürlich nie begegnet, wenn Roland nicht gewesen wäre. Das war alles zu verwirrend. Jake bekam davon ebenso Kopfschmerzen wie von der Vorstellung, dass es multiple Welten gab, die alle ein eigenes New York besaßen.
    Während Eddie nun also dort auf dem Totenbett lag, hatte er seinen Bruder Henry gefragt, warum dieser immer vergessen habe, sich in eine gute Rebound-Position zu drängen.
    Er hatte Jack Andolini gefragt, welche Fee ihn eigentlich so hässlich gemacht habe.
    Er hatte gerufen: »Vorsicht, Roland, das ist George mit dem großen Zinken, er ist wieder da!«
    Und: »Suze, wenn du ihm von Dorothy und dem Blechholzfäller erzählen kannst, erzähle ich ihm den ganzen Rest.«
    Und, wobei es eiskalt um Jakes Herz wurde: »Ich schieße nicht mit der Hand; wer mit der Hand schießt, hat das Angesicht seines Vaters vergessen.«
    Nach diesen Worten hatte Roland im Halbdunkel (die Vorhänge waren ja zugezogen) Eddies andere Hand ergriffen und gedrückt. »Aye, Eddie, du sprichst wahrhaftig. Willst du nicht die Augen öffnen und mich ansehen, mein Lieber?«
    Aber Eddie hatte die Augen nicht geöffnet. Stattdessen hatte der junge Mann, der jetzt einen nutzlosen Kopfverband trug, etwas gemurmelt, wobei es noch eisiger um Jakes Herz wurde: »Alles ist vergessen in den Steinhallen der Toten. Sehet die Säle des Verfalls, wo Spinnen ihre Netze bauen und die großen Stromkreise einer nach dem anderen verstummen.«
    Dann folgte einige Zeit lang nichts Verständliches mehr, nur jenes unaufhörliche Murmeln. Jake holte ein weiteres Mal frisches Wasser, und als er damit zurückkam, hatte Roland sein angestrengtes, blasses Gesicht gesehen und ihm erklärt, er könne gehen.
    »Aber …«
    »Nur zu, geh ruhig, Schätzchen«, sagte Susannah. »Aber sei vorsichtig. Vielleicht sind dort draußen noch ein paar unterwegs, die sich rächen wollen.«
    »Aber wie weiß ich …«
    »Ich rufe dich, wenn es an der Zeit ist«, sagte Roland und tippte mit einem der verbliebenen Finger seiner Rechten an Jakes Schläfe. »Keine Sorge, du wirst mich hören.«
    Jake hätte Eddie gern geküsst, bevor er ging, aber das traute er sich nicht. Natürlich fürchtete er nicht, dass der Tod so etwas Ansteckendes wie eine Erkältung war – da machte er sich nichts mehr vor –, aber er hatte Angst, dass allein schon die Berührung seiner Lippen ausreichen könnte, Eddie auf die Lichtung am Ende des Pfades zu schubsen.
    Und daran könnte Susannah dann ihm die Schuld geben.
     
     

6
     
    Draußen auf dem Gang fragte Dinky ihn, wie es um Eddie stehe.
    »Echt schlimm«, sagte Jake. »Hast du eine Zigarette für mich?« Dinky zog die Augenbrauen hoch, gab ihm dann aber doch eine Zigarette. Der Junge klopfte sie mit einem Ende auf seinen Daumennagel, so wie er gesehen hatte, dass es der Revolvermann immer mit Selbstgedrehten machte, ließ sich anschließend Feuer geben und inhalierte dann tief. Der Rauch brannte zwar noch immer, aber nicht mehr so scharf wie beim ersten Mal. Ihm wurde diesmal nur ein bisschen schwindelig, und husten musste er auch nicht. Schon bald werde ich ein Gewohnheitsraucher sein, dachte er. Sollte ich je nach New York zurückkehren, könnte ich ja vielleicht auch beim Sender in Dads Abteilung anfangen. Jedenfalls bin ich im »Killen« schon ziemlich gut.
    Er hob die Zigarette vor die Augen: eine kleine weiße Lenkwaffe, wo der Rauch statt aus dem Hinterteil aus der Spitze kam. Gleich über dem Filter stand das

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