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Der dunkle Turm - Gesamtausgabe

Der dunkle Turm - Gesamtausgabe

Titel: Der dunkle Turm - Gesamtausgabe Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Stephen King
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Wort CAMEL. »Ich hatte mir geschworen, nie damit anzufangen«, erklärte er Dinky. »Nie im Leben. Und hier stehe ich jetzt mit einer Kippe in der Hand.« Jake lachte. Es war ein bitteres Lachen, ein erwachsenes Lachen, und als er es aus seinem Mund kommen hörte, lief ihm ein kalter Schauder über den Rücken.
    »Bevor ich hergekommen bin, habe ich bei so einem Kerl gearbeitet«, sagte Dinky. »Mr. Sharpton, so hat er geheißen. Jedenfalls hat der oft gesagt, dass nie das Wort ist, auf das Gott horcht, wenn er mal lachen will.«
    Jake antwortete nicht darauf. Er dachte daran, wie Eddie von Sälen des Verfalls gesprochen hatte. Jake war Mia einst in einen solchen Saal gefolgt, in grauer Vorzeit, im Traum. Inzwischen war Mia tot. Callahan war tot. Und Eddie lag im Sterben. Er dachte an all die Toten, die draußen unter Wolldecken aufgereiht lagen, während in der Ferne der Donner wie scheppernde Knochen rollte. Er dachte daran, wie der Mann, der auf Eddie geschossen hatte, sich ruckartig nach links geworfen hatte, als Rolands Kugel ihm den Rest gab. Er versuchte zwar, sich an das Begrüßungsfest zu erinnern, das man ihretwegen in der Calla Bryn Sturgis veranstaltet hatte – an die Musik, den Tanz und die farbigen Fackeln –, aber deutlich sah er nur den Tod Benny Slightmans vor sich, eines weiteren Freundes. Heute Abend schien die Welt aus Toten zu bestehen.
    Jake selbst war gestorben und zurückgekommen: nach Mittwelt zurück und zu Roland zurück. Er hatte sich den ganzen Nachmittag lang einzureden versucht, dass das auch Eddie widerfahren könne, aber irgendwie wusste er, dass es nicht dazu kommen würde. Jakes Part in dieser Geschichte war noch nicht zu Ende gewesen. Eddies dagegen schon. Jake hätte zwanzig Jahre seines Lebens – dreißig! – dafür gegeben, das nicht glauben zu müssen, aber er konnte nicht anders. Vermutlich hatte er es bei irgendeiner unbewussten Sondierung erfahren.
    Die Säle des Verfalls, wo Spinnen ihre Netze bauen und die großen Stromkreise einer nach dem anderen verstummen.
    Jake kannte da eine bestimmte Spinne. Beobachtete Mias Sohn das alles? Hatte er seinen Spaß daran? Feuerte er vielleicht die eine oder die andere Seite an, nicht anders als ein gottverdammter Yankee-Fan auf den billigsten Plätzen?
    Das tut er. Ich weiß, dass er es tut. Ich spüre ihn.
    »Alles in Ordnung mit dir, Kiddo?«, fragte Dinky.
    »Nein«, sagte Jake. »Nichts ist in Ordnung.« Worauf Dinky nickte, als wäre das eine völlig vernünftige Antwort. Tja, dachte Jake, wahrscheinlich hat er keine andere erwartet. Schließlich ist er ein Telepath.
    Wie um das zu unterstreichen, fragte Dinky ihn nun, wer Mordred sei.
    »Glaub mir, das willst du nicht wissen«, sagte Jake. Er drückte seine Zigarette nur halb aufgeraucht aus (»der ganze Lungenkrebs steckt hier im letzten Stück drin«, hatte sein Vater immer im Brustton der Überzeugung gesagt und wie in einem Fernsehspot auf eine seiner filterlosen Zigaretten gezeigt) und verließ Corbett Hall. Er benutzte den Hinterausgang, weil er der Ansammlung von sorgenvoll wartenden Brechern entgehen wollte, was ihm auch gelang. Jetzt war er in Pleasantville, hockte auf dem Randstein wie einer der Obdachlosen, die man in New York immer sah, und wartete darauf, gerufen zu werden. Wartete auf das Ende.
    Jake überlegte, ob er in das Gasthaus gehen sollte, vielleicht um sich ein Bier zu zapfen (wenn er alt genug war, um zu rauchen und Leute aus dem Hinterhalt zu erschießen, war er bestimmt auch alt genug für ein Bier), vielleicht auch nur, um zu sehen, ob die Jukebox ohne Geldeinwurf spielen würde. Er wäre jede Wette eingegangen, dass Algul Siento das gewesen war, was Amerika nach Überzeugung seines Vaters eines Tages sein würde: eine bargeldlose Gesellschaft, und die alte Seeberg-Jukebox war bestimmt so eingestellt, dass man nur die Knöpfe zu drücken brauchte, damit die Musik einsetzte. Und er hätte gewettet, dass er bei einem Blick auf den Titelstreifen neben der Nummer 19 »Someone Saved My Life Tonight« von Elton John gelesen hätte.
    Er stand auf, und in diesem Augenblick kam auch der Ruf. Jake war nicht der Einzige, der ihn hörte; Oy ließ ein kurzes, schmerzlich klingendes Jaulen hören. Es war, als stünde Roland unmittelbar neben ihnen.
    Zu mir, Jake, und beeil dich. Er geht von uns.
     
     

7
     
    Jake hastete durch eine der Gassen zurück, machte einen Bogen um das immer noch rauchende Haus des Oberaufsehers (der Laufjunge Tassa, der Rolands

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