Der dunkle Turm - Gesamtausgabe
ja.«
»… aber ohne Erlaubnis, weil wir noch nicht wissen, wen wir fragen müssen.«
»Das müsste John Croydons Land sein, und er wird sicherlich keinen Groll gegen euch hegen, aber wir haben etwas Besseres für euch im Auge. Es gibt da eine Ranch nordwestlich von hier, die Bar K. Gehörte der Familie Garber, aber die haben sie nach einem Brand aufgegeben und sind weitergezogen. Jetzt gehört sie dem Verband der Pferdezüchter – das ist eine kleine örtliche Gruppe von Farmern und Ranchern. Ich habe mit Francis Lengyll über euch Burschen gesprochen – er ist derzeit der Vorsitzende des VdP –, und er meinte daraufhin: ›Wir bringen sie in dem alten Garber-Haus unter, warum nicht?‹«
»Warum nicht!«, stimmte Cuthbert mit sanfter, bedächtiger Stimme zu. Roland warf ihm einen scharfen Blick zu, aber Cuthbert sah zum Hafen, wo die kleinen Fischerboote wie Wasserläufer hin und her schossen.
»Aye, genau das habe ich auch gesagt: ›Warum eigentlich nicht?‹, hab ich gesagt. Das Haupthaus ist abgebrannt, aber das Schlafhaus steht noch; ebenso die Stallungen und der Küchenschuppen daneben. Auf Geheiß von Bürgermeister Thorin habe ich mir die Freiheit genommen, die Vorratskammer zu bestücken und das Schlafhaus fegen und etwas aufräumen zu lassen. Ihr werdet vielleicht vereinzelte Käfer sehen, aber nichts, was beißt oder sticht… und keine Schlangen, es sei denn, es sind ein paar unter den Bodenbrettern, und wenn ja, dann lasst sie dort bleiben, würde ich sagen. He, Jungs? Lasst sie dort bleiben!«
»Lassen wir sie einfach dort bleiben, gleich unter dem Boden, da, wo sie glücklich sind«, stimmte Cuthbert zu, der immer noch mit vor der Brust verschränkten Armen zum Hafen hinuntersah.
Avery warf ihm einen kurzen, unsicheren Blick zu, und sein Lächeln verzog sich etwas an den Mundwinkeln. Dann drehte er sich wieder zu Roland um, und das Lächeln erstrahlte wieder in alter Pracht. »Es sind keine Löcher im Dach, junger Mann, wenn es regnet, seid ihr also im Trockenen. Was haltet ihr davon? Hört sich das gut an?«
»Besser, als wir es verdienen. Ich finde, Sie sind sehr zuvorkommend gewesen, und Bürgermeister Thorin bei weitem zu gütig.« Und das dachte er wirklich. Die Frage war nur, warum taten sie das alles? »Aber wir wissen diese Umsicht zu schätzen. Nicht wahr, Jungs?«
Cuthbert und Alain stimmten nachdrücklich zu.
»Und wir nehmen dankend an.«
Avery nickte. »Ich werde es ihm sagen. Reitet wohlbehütet, Jungs.«
Sie hatten den Pferdebalken erreicht. Avery schüttelte wieder reihum allen die Hand, aber diesmal galt den Pferden sein gründlichster Blick.
»Dann bis morgen Abend, junge Herren?«
»Morgen Abend«, stimmte Roland zu.
»Werdet ihr die Bar K allein finden, was meint ihr?«
Wieder fiel Roland die unausgesprochene Verachtung und unbewusste Geringschätzung des Mannes auf. Aber vielleicht war es so am besten. Wenn der Hohe Sheriff sie für dumm hielt, wer mochte schon sagen, welcher Vorteil sich daraus noch ergeben würde.
»Wir werden sie finden«, sagte Cuthbert und saß auf. Avery betrachtete den Krähenschädel an Cuthberts Sattelknauf misstrauisch. Cuthbert bemerkte den Blick, schaffte es aber ausnahmsweise einmal, den Mund zu halten. Roland erstaunte und freute diese unerwartete Zurückhaltung. »Gehabt Euch wohl, Sheriff.«
»Ihr auch, Junge.«
Er blieb am Geländer stehen, ein großer Mann in einem Khakihemd mit Schweißflecken an den Achselhöhlen und schwarzen Stiefeln, die für einen arbeitenden Sheriff zu sehr glänzten. Und wo ist das Pferd, das ihn tragen könnte, wenn er einen ganzen Tag durch sein Revier reitet?, dachte Roland. Ich würde zu gern sehen, wie dieses Cayuse-Pferd gebaut ist.
Avery winkte ihnen, als sie davonritten. Die anderen Sheriffs traten auf den Bürgersteig, allen voran Hilfssheriff Dave. Sie winkten ebenfalls.
3
Kaum waren die Bälger des Bundes auf dem teuren Pferdefleisch ihrer Väter bergab in Richtung Hauptstraße um die Ecke verschwunden, hörten der Sheriff und seine Gehilfen auf zu winken. Avery drehte sich zu Dave Hollis um, dessen Ausdruck dümmlicher Ehrfurcht einer nur unwesentlich intelligenteren Miene gewichen war.
»Was denkst du, Dave?«
Dave hob das Monokel zum Mund und knabberte nervös an dessen Messingfassung, eine Gewohnheit, derentwegen Sheriff Avery ihn aber schon längst nicht mehr aufzog. Was das anging, hatte selbst Daves Frau Judy es aufgegeben, und Judy Hollis – das hieß Judy
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