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Der dunkle Turm - Gesamtausgabe

Der dunkle Turm - Gesamtausgabe

Titel: Der dunkle Turm - Gesamtausgabe Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Stephen King
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keinen Rock trugen. Einige Frauen trugen Schmuck (wenn auch nichts so Teures wie Sai Thorins Ohrringe aus Feuerjuwelen), und einige sahen aus, als hätten sie in ihrem Leben viele Mahlzeiten versäumt, aber auch sie trugen Sachen, die Roland kannte: lange Kleider mit runden Kragen, bei denen man für gewöhnlich den Spitzenrand eines bunten Unterkleids sehen konnte, dunkle Schuhe mit flachen Absätzen, Haarnetze (in denen wie bei Olive und Coral Thorin meistens Edelsteinsplitter funkelten).
    Und dann sah er eine, die anders war.
    Das war natürlich Susan Delgado, strahlend und fast zu schön zum Anschauen in ihrem blauen Seidenkleid mit hoher Taille und einem ausgeschnittenen Leibchen, das die Ansätze ihrer Brüste zeigte. Um den Hals trug sie einen Anhänger aus Saphir, neben dem Olive Thorins Ohrringe wie Tinnef wirkten. Sie stand neben einem Mann, der eine Schärpe von der Farbe von Kohlen in einem heißen Holzfeuer trug. Dieses dunkle Orange war die Farbe der Baronie, und Roland vermutete, dass der Mann ihr Gastgeber war, aber im Moment sah ihn Roland so gut wie nicht. Susan Delgado zog seinen Blick ganz auf sich: das blaue Kleid, die braune Haut, die farbigen Dreiecke auf ihren Wangen, zu blass und perfekt für Make-up; am meisten aber ihr Haar, das sie heute Abend offen trug, sodass es ihr wie ein Schimmer hellster Seide bis zur Taille fiel. Er wollte sie, plötzlich und rückhaltlos, mit einer verzweifelten Gefühlsaufwallung, die etwas Krankhaftem gleichkam. Alles, was er war und weswegen er gekommen war, so schien es, war neben ihr zweitrangig.
    Auf einmal drehte sie sich ein wenig um und erblickte ihn. Ihre Augen (sie waren grau, wie er jetzt sah) weiteten sich eine Winzigkeit. Er glaubte, dass die Farbe ihrer Wangen um etwas dunkler wurde. Sie öffnete leicht die Lippen – Lippen, welche die seinen berührt hatten, als sie beide auf einer dunklen Straße standen, dachte er staunend. Dann sagte der Mann neben Thorin (ebenfalls groß, ebenfalls mager, mit einem weißen Schnurrbart und langem weißem Haar, das auf die dunklen Schultern seiner Jacke fiel) etwas, und sie drehte sich zu ihm um. Einen Augenblick später lachte die Gruppe um Thorin, Susan eingeschlossen. Der Mann mit dem weißen Haar stimmte nicht ein, sondern lächelte nur dünn.
    Roland, der hoffte, man möge seinem Gesicht nicht ansehen, dass sein Herz wie ein Hammer schlug, wurde geradewegs zu dieser Gruppe, die gerade bei den Punschschüsseln stand, geführt. Wie aus weiter Ferne konnte er spüren, dass Rimers knochiges Bündnis von Fingern seinen Arm oberhalb des Ellbogens umklammerte. Deutlicher roch er verschiedene Parfüms, das Öl der Lampen an den Wänden, den Duft des Meeres. Und dachte völlig grundlos: O ich sterbe. Ich sterbe.
    Reiß dich zusammen, Roland von Gilead. Hör auf mit diesem albernen Gehabe, um deines Vaters willen. Reiß dich zusammen!
    Er versuchte es… mit einem gewissen Erfolg… wusste aber, wenn sie ihn das nächste Mal ansah, wäre es um ihn geschehen. Es lag an ihren Augen. Beim ersten Mal, in der Dunkelheit, hatte er diese nebelfarbenen Augen nicht richtig bestimmen können. Zum Glück wusste ich es da noch nicht, dachte er trocken.
    »Bürgermeister Thorin?«, sagte Rimer. »Darf ich Ihnen unsere Gäste aus den Inneren Baronien vorstellen?«
    Thorin wandte sich von dem Mann mit dem langen weißen Haar und der Frau ab, die neben ihm stand, und strahlte über das ganze Gesicht. Er war kleiner als sein Kanzler, aber genauso hager, und sein Körperbau war eigentümlich: ein kurzer Oberkörper mit schmalen Schultern über unglaublich langen und dünnen Beinen. Er sah, so fand Roland, wie die Art von Vögeln aus, die man bei Morgengrauen in den Sümpfen sehen konnte, wo sie nach ihrem Frühstück pickten.
    »Aye, Sie dürfen!«, rief er mit einer kräftigen, hohen Stimme. »Sie dürfen wahrlich, wir haben voller Ungeduld, großer Ungeduld, auf diesen Augenblick gewartet! Ein guter Stern steht über unserer Begegnung, ein sehr guter Stern! Willkommen, ihr Herren! Möge euer Abend in diesem Haus, dessen vorübergehender Besitzer ich bin, glücklich sein, und mögen eure Tage auf Erden lang sein!«
    Roland nahm die ausgestreckte knochige Hand, hörte Knöchel unter seinem Händedruck knacken, suchte nach einem Ausdruck des Unbehagens im Gesicht des Bürgermeisters, entdeckte zu seiner Erleichterung aber keinen. Er verbeugte sich tief über sein ausgestrecktes Bein.
    »William Dearborn, Bürgermeister Thorin, zu Euren

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