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Der eiserne Thron

Der eiserne Thron

Titel: Der eiserne Thron Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Simon R. Green
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mich schleunigst aus dem Staub machen«, sagte
die KI. »Ich muß mich jetzt allmählich abschalten, Owen. Ihr
müßt ohne mich zurechtkommen. Wenn du kompatible Rechner in der Fluchtburg findest, dann überspiele mich bitte in
das System, ansonsten bist du alleine, Owen. Versuch, dich
nicht umbringen zu lassen.«
»Ich werde mein Bestes geben«, erwiderte Owen. Er wollte
noch etwas hinzufügen, aber ihm fehlten plötzlich die Worte.
Ozymandius war seit seiner frühen Kindheit immer bei ihm
gewesen. Er hatte noch nie ohne die Hilfe der KI zurechtkommen müssen. »Ich komme zurück, Oz. Auf die eine oder
andere Weise, ich komme zurück.«
»Wenn wir mit der rührseligen Verabschiedungszeremonie
fertig sind, können wir dann vielleicht endlich aufbrechen?«
fragte Ruby Reise zynisch. »Schließlich bist du derjenige, der
gesagt hat, daß das Schiff in die Luft fliegen wird, oder?«
Owen nickte kurz angebunden und trat vor die Außentür der
Schleuse. »Oz, kannst du erkennen, ob uns draußen eine häßliche Überraschung erwartet?« Keine Antwort. Owen biß sich
auf die Unterlippe. Jetzt war er wirklich auf sich allein gestellt. Er zog seine Disruptorpistole und legte das Ohr an die
metallene Luke. Die Oberfläche war unangenehm warm. Das
Feuer schien offensichtlich näher zu kommen. Er konnte
nichts hören. Das Metall war zu dick. Ein vorbeikommender
Investigator hätte eine ganze Blaskapelle abschlachten können, und man hätte nichts gehört. Owen sah zu den anderen.
»Haltet Euch bereit. Hazel, stellt Euch dort drüben hin, neben
die manuellen Kontrollen. Wenn ich Euch zunicke, dann öffnet die Luke.«
Hazel ging zu den Kontrollen, und jeder zog seine Pistole
oder sein Schwert, je nachdem, womit er besser umgehen
konnte. Sie sahen müde aus; trotzdem waren sie gespannt und
vorbereitet auf alles, was dort draußen warten mochte. Owen
wünschte sich, bei Gelegenheit schwere Kampfanzüge und
Waffen an Bord der Sonnenschreiter geschafft zu haben, aber
jetzt war es zu spät, und damals hatte er nicht die Notwendigkeit eingesehen. Sein Schiff war schließlich nur eine Vergnügungsjacht gewesen. Es war ein Fehler, der ihm mit Sicherheit
nie wieder unterlaufen würde – vorausgesetzt, er würde dieses
Chaos halbwegs intakt überleben. Das Universum war kein
freundlicher Ort. Owen hob den Disruptor und warf einen
letzten Blick zu seinen Kameraden.
»Alles bereit? Gut. Denkt daran, niemand stürzt nach draußen, wenn die Schleuse sich öffnet. Wir werden die Sache
langsam und mit größter Vorsicht angehen, bis wir wissen,
was uns draußen erwartet.«
»Ist er immer so?« fragte Ruby Hazel.
»Meistens«, erwiderte Hazel. »Immerhin war er mal ein
Lord. Ich schätze, er hat seine Großspurigkeit zusammen mit
den abstehenden Ohren geerbt.«
Owen entschloß sich, so zu tun, als hätte er nichts gehört.
»Hazel, öffnet die Luke.«
Ein besorgniserregendes Knirschen ertönte, und eine Weile
geschah gar nichts. Dann glitt die Tür zur Seite, und blendend
purpurnes Licht flutete in die Schleusenkammer, gemeinsam
mit der schweren Feuchte der Dschungelatmosphäre. Es roch
nach verwesendem Fleisch. Und plötzlich schien der gesamte
Planet zugleich durch die Schleusentür zu drängen. Große,
wilde Gestalten mit furchterregenden Zähnen und Klauen und
funkelnden Augen, die um das Vorrecht kämpften, als erste in
die Schleuse der Sonnenschreiter zu stürmen. Kleinere Wesen, die anscheinend nur aus Zähnen und Klauen bestanden,
strömten in wahren Wogen über die Schwelle der Schleuse.
Fliegende Ungeheuer, peitschende Tentakel von Pflanzen, mit
bösartigen, wahrscheinlich giftigen Stacheln – und alle, wirklich alle versuchten gleichzeitig, in die Schleuse einzudringen.
Schreie und Kreischen und markerschütterndes Heulen erfüllte die Luft und warf sein ohrenbetäubendes Echo in die beengte Kammer der Luftschleuse.
Ein langes Tentakel stürzte sich auf Owen, und er schoß in
einem Reflex. Der Energiestrahl traf das Wesen aus allerkürzester Distanz. Sein Kopf explodierte und überschüttete den
Todtsteltzer mit faulig riechendem Blut. Eine Kreatur mit
riesigen, klauenbewehrten Händen und einem Maul, das größer war als Owens Kopf, zog den Tentakelleichnam aus der
Kammer und warf sich selbst auf Owen. Er begegnete ihr mit
dem Schwert in der Hand, und noch mehr Blut spritzte, als die
Klinge tief in das ledrige Fleisch eindrang.
»Schließt die Luke«, kreischte er. »Schließt die

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