Der Gitano. Abenteuererzählungen
Ziererei an seiner Seite nieder.
»Habt Ihr wirklich an mich gedacht, Sennor Edouardo?«
»Bitte, Anitta, sprecht meinen Namen deutsch aus; ich höre ihn dann so gerne aus Eurem Munde! Und fragt nicht erst, ob ich an Euch denke! Wer hat sich meiner angenommen, als ich, durch böse Menschen um Hab und Gut gebracht, hier ankam, als Euer Vater? Und wer hat denn, als mich die Entbehrung und die erlittenen Strapazen auf das Krankenlager warfen, mich gepflegt wie einen Sohn oder einen Bruder? Ihr und Eure Mutter! Und wen habe ich hier im fremden Lande, zu dem ich gehen und mir Raths erholen kann, als Euch? Anitta, ich werde Euch nie vergessen!«
»Ist das wahr, Eduard?«
»Ja«, antwortete er einfach, indem er ihre Hand ergriff und ihr voll und offen in die Augen blickte.
»Auch dann nicht, wenn Ihr wieder in die Heimath kommt?«
»Auch dann nicht!«
»Aber wenn Ihr dann – dann Eine findet, die – die Ihr lieben könnt, dann wird Anitta doch vergessen sein!«
»Eine Andre? Ich werde Keine finden, sondern einsam durch das Leben gehen.«
»Warum bleibt Ihr da nicht lieber hier bei uns? Hier werdet Ihr nicht einsam sein!«
»Und doch!« antwortete er traurig.
»Warum?«
»Weil meine Sonne hier untergeht wie die, welche dort in das Wasser sinkt.«
»Eure Sonne? Eduard, giebt es hier Jemand, die Eure Sonne sein könnte?«
»Ja.«
»Und wer ist das? Sagt es mir, sagt es mir heut’, jetzt gleich!«
»Das kann ich nicht, Anitta; es hilft zu Nichts, denn sie wird für einen Andern leuchten.«
»Für einen Andern? Wer ist das? Oder darf ich auch das nicht wissen?«
»Es ist der Arzt da droben, der Doctor Haffley.«
»Der –?« frug sie gedehnt. »Wer möchte wohl die Sonne dieses dürren Master Chinarindo sein! Wenigstens meinetwegen könnte er im Dunkeln bleiben, so lange es ihm gefällt!«
»Anitta, ist das wahr?« rief der junge Mann.
»Warum möchtet Ihr meinen Worten keinen Glauben schenken?«
»Weil ich weiß, daß er Euch nachgeht auf Schritt und Tritt und bei Euren Eltern gern gesehen ist.«
»Daß er mir nachgeht, kann ich nicht leugnen, aber daß ich ihm ausweiche so viel nur möglich, ist ebenso sicher. Auch das ist wahr, daß ihm Vater nicht gram ist; er hat ihm viel von einem großen Vermögen vorgeschwatzt und will mit uns hinüber in die Heimath, nach Deutschland gehen, wenn er genug erworben hat.«
»Nach Deutschland? Will denn Euer Vater nicht hier im neuen Lande bleiben?«
»Nein. Seit die Mission zur Kaserne für Jedermann geworden ist, gefällt es ihm nicht mehr. Aber wir sind arm und Vater ist zu alt, um noch so viel zu erwerben, daß wir fortkönnten, und da – –«
»Und da – –?«
»Und da denkt er, daß ein wohlhabender Schwiegersohn ihm diesen Wunsch erfüllen könne.«
Eduard schwieg eine Weile. Dann frug er:
»Und Euer Vater würde Eure Hand dem Doctor geben?«
»Ja. Doch ich mag ihn nicht leiden, und die Mutter auch nicht.«
»So giebt es wohl überhaupt Keinen, den Ihr leiden mögt, Anitta?«
Sie hielt die Antwort zurück.
Er ergriff auch ihre andre Hand und bat mit eindringlichem Tone:
»Sagt es mir, Anitta, verschweigt es mir nicht; ich bitte Euch!«
»Es giebt Einen,« flüsterte sie.
»Wer ist es?«
Sie erröthete, aber er fühlte den leisen Gegendruck ihrer Hände.
»Bin ich es, Anitta?«
»Warum fragt Ihr so, Eduard?«
»Weil ich Euch lieb habe wie mein Leben, nein, noch lieber, noch tausendmal lieber als mein Leben, und ohne Euch nicht leben kann. Anitta, sag, bin ich es, den Du leiden kannst?«
»Ja,« hauchte sie, noch tiefer erglühend.
»Der liebe Gott segne Dich für dieses Wort! Willst Du mein Weib sein, und darf ich mit Vater und Mutter sprechen!«
»Ja.«
»Jetzt gleich?«
»Jetzt gleich!«
»So komm!«
Er erhob sich und sie folgte ihm. Sie gingen mit einander durch das Portal und schritten über den Hof weg der Thür zu, welche zur Wohnung Werners führte. Im Flur vernahmen sie eine harte, spitze Stimme, welche in der Wohnstube in eindringlichem Tone sprach.
»Der Doctor ist drin!« meinte Anitta.
»Komm, wir treten in die Küche und warten, bis er sich entfernt hat!«
Sie thaten es und vernahmen nun jedes Wort des zwischen Haffley und den Eltern geführten Gespräches.
»
Damn it,
Master Carlos, meint Ihr etwa, daß ich den Beutel nicht offen zu halten verstehe?« frug der Erstere. »Die Medizin ist mehr werth als das beste Plazement droben bei den Miners, und sobald ich genug habe, gehen wir fort von hier nach New-York oder
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