Der Graf von Sainte-Hermine - Dumas, A: Graf von Sainte-Hermine - Le Chevalier de Sainte-Hermine
der Wagen über die Außenboulevards den Weg nach Vincennes, wo er erst nach Einbruch der Nacht eintraf.
Die Zwischenzeit benötigten die Konsuln der Republik, um folgenden Erlass aufzusetzen:
Paris, 29. Ventôse des Jahres XII der einen und unteilbaren Republik
Die Regierung der Republik hat Folgendes beschlossen:
Der vormalige Herzog von Enghien, angeklagt, gegen die Republik Waffen erhoben zu haben, im Sold Englands gestanden zu haben und noch zu stehen, an den Verschwörungen beteiligt zu sein, die diese Macht gegen die innere und äußere Sicherheit der Republik schmiedet, wird vor ein Militärtribunal gestellt werden, das aus sieben Mitgliedern besteht, die der Stadtkommandant von Paris bestimmen wird und die sich in Vincennes versammeln werden.
Der Oberrichter, der Kriegsminister und der Stadtkommandant von Paris tragen die Verantwortung für diesen Erlass.
BONAPARTE
HUGUES MARET
MURAT, STADTKOMMANDANT VON PARIS
Den Militärgesetzen zufolge war der Divisionskommandant dafür zuständig, das Militärtribunal zusammenzustellen, einzuberufen und die Exekution des Urteils anzuordnen.
Murat war sowohl Stadtkommandant von Paris als auch Divisionkommandant.
Als Murat obigen Erlass der Konsuln öffnete, den er selbst abgezeichnet hatte, weil ihm keine andere Wahl geblieben war, glitt ihm die Urkunde aus den Händen, so groß war sein Schmerz. Er war tapfer, ungestüm, aber gutherzig. Der Beschluss der Konsuln, den Herzog von Enghien festnehmen zu lassen, war ihm mitgeteilt worden, und in seinem Unwillen, das Leben seines Schwagers unablässig durch neue Verschwörungen gefährdet zu sehen, hatte er diesen Beschluss begrüßt; doch als der Herzog von Enghien festgenommen war und Murat sich damit konfrontiert fand, die entsetzlichen Konsequenzen dieser Verhaftung ins Werk zu setzen, konnte er sich dazu nicht überwinden.
»Ach«, rief er verzweifelt und warf seinen Hut auf den Boden. »Ach, der Erste Konsul will meine Uniform wohl mit Blut tränken!«
Dann lief er zum Fenster, öffnete es und rief hinaus: »Die Pferde anspannen!«
Kaum waren die Pferde vor den Wagen gespannt, sprang er hinein und sagte: »Nach Saint-Cloud!«
Er wollte nicht einen Befehl unwidersprochen ausführen, der in seinen Augen Bonaparte und ihn mit Unehre befleckte.
Es gelang ihm, bis zu seinem Schwager vorzudringen, und mit der Besorgnis, die sein Entsetzen ihm einflößte, legte er ihm die schmerzvollen Gefühle dar, die ihn quälten. Bonaparte jedoch verbarg hinter einer unbewegten Miene die Erregung, die ihn selbst ergriffen hatte; hinter dieser Maske der Unerschütterlichkeit beurteilte er seine Schwäche als Feigheit und beendete das Gespräch mit den Worten: »Nun, wenn Sie sich fürchten, werde ich die Befehle geben und abzeichnen, die im Verlauf dieses Tages gegeben werden.«
Wir erinnern uns, dass der Erste Konsul Savary von der Klippe von Biville zurückbeordert hatte, wo dieser die Prinzen bei ihrer Landung überraschen und verhaften sollte. Savary war einer jener seltenen Menschen, die alles, was sie tun, ganz tun, mit Leib und Seele; er hatte keine eigene Meinung, sondern liebte Bonaparte; er hatte keine politischen Ansichten, sondern verehrte den Ersten Konsul.
Bonaparte diktierte sämtliche Ordres, unterschrieb sie eigenhändig und
befahl Savary, sie Murat zu überbringen, damit dieser ihre Ausführung überwachte.
Diese Ordres waren umfassend und unmissverständlich. Und Murat, den der Erste Konsul so grob abgewiesen und geschurigelt hatte, erließ folgenden Befehl, wobei er sich voller Gram seine schönen Haare raufte:
An die Regierung von Paris,
den 29. Ventôse des Jahres XII der Republik
Der kommandierende General und Stadtkommandant von Paris verkündet:
In Befolgung des Regierungserlasses mit Datum des heutigen Tages, dem zufolge der vormalige Herzog von Enghien vor ein Militärtribunal gestellt werden wird, das aus sieben Mitgliedern besteht, zu bestimmen von dem General und Gouverneur von Paris, hat dieser zu Mitgliedern besagten Tribunals folgende Personen ernannt:
General Hulin, Befehlshaber der Grenadiere der konsularischen Garde, als Vorsitzenden,
Oberst Guiton, Kommandant des ersten Kürassierregiments,
Oberst Bazancourt, Kommandant des vierten Infanterieregiments,
Oberst Ravier, Kommandant des achzehnten Infanterieregiments,
Oberst Barrois, Kommandant des sechsundneunzigsten Infanterieregiments,
Oberst Rabbe, Kommandant des zweiten Regiments des Pariser Gendarmeriekorps,
Citoyen
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