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Der Graf von Sainte-Hermine - Dumas, A: Graf von Sainte-Hermine - Le Chevalier de Sainte-Hermine

Titel: Der Graf von Sainte-Hermine - Dumas, A: Graf von Sainte-Hermine - Le Chevalier de Sainte-Hermine Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Alexandre Dumas
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d’Autancourt, Hauptmann der Elitegendarmerie und Rapporteur.
    Dieses Tribunal wird sich unverzüglich im Schloss von Vincennes versammeln, um auf der Stelle über den oben Erwähnten aufgrund der im Erlass der Regierung vorgebrachten Beschuldigungen, die in Abschrift dem Vorsitzenden überreicht werden, sein Urteil zu fällen.
    J. MURAT
    Wir hatten den Gefangenen verlassen, als er Vincennes betrat.
    Der Festungskommandant hieß Harel; er hatte den Befehl über dieses Schloss zur Belohnung für sein Mitwirken in der Affäre Ceracchi und Aréna erhalten.
    Eine Fügung des Schicksals wollte, dass seine Ehefrau Milchschwester des Herzogs von Enghien war.

    Harel hatte keinerlei Ordre erhalten. Man fragte ihn, ob er einen Gefangenen unterbringen könne. Er erwiderte, das könne er nicht, er habe nur seine eigene Wohnung und das Ratszimmer.
    Daraufhin erteilte man ihm die Anweisung, auf der Stelle ein Zimmer herrichten zu lassen, in dem ein Gefangener schlafen und auf sein Urteil warten konnte. Dieser Ordre folgte die Aufforderung, als Nächstes im Hof eine Grube ausheben zu lassen.
    Harel erwiderte, dies werde schwierig sein, da der Hof gepflastert war. Daraufhin suchte man nach einer geeigneten Stelle und verfiel auf den Festungsgraben, wo man die Grube aushob.
    Der Herzog kam gegen sieben Uhr abends in Vincennes an; er war ausgehungert und fror, doch er wirkte weder traurig noch beunruhigt. Da sein Zimmer noch nicht geheizt war, lud Harel ihn in seine Wohnräume ein. Im Dorf wurde ihm etwas zu essen geholt. Der Herzog begab sich zu Tisch und lud den Kommandanten ein, mit ihm zu speisen.
    Harel lehnte ab und hielt sich zur Verfügung des Herzogs, der ihm daraufhin viele Fragen über die Festung von Vincennes und die Geschehnisse darin stellte. Er erzählte, dass er in der Nähe aufgewachsen war, und plauderte gut gelaunt und freundlich.
    Dann kam er auf seine Lage zu sprechen und fragte: »Oh, lieber Freund, wissen Sie, was man mit mir bezweckt?«
    Der Kommandant wusste es nicht und konnte auf diese Frage nicht antworten. Seine Frau jedoch, die hinter den Vorhängen eines Alkovens lag, hörte alles mit an; und der Befehl, eine Grube auszuheben, enthüllte ihr das, was bevorstand, so klar, dass sie ihr Schluchzen nur mit größter Mühe zurückhalten konnte.
    Wie gesagt war sie die Milchschwester des Herzogs.
    Dieser begab sich so bald wie möglich zu Bett, erschöpft von seiner Fahrt. Doch bevor er einschlafen konnte, betraten Leutnant Noirot, Leutnant Jacquin, Hauptmann d’Autancourt und die Gendarmen Nerva und Tharsis sein Zimmer und begannen mit dem Verhör, dem als Gerichtsschreiber Citoyen Molin beiwohnte, Hauptmann des achtzehnten Regiments, den der Rapporteur bestimmt hatte.
    »Name, Vorname, Alter und Beruf?«, fragte Hauptmann d’Autancourt.
    »Ich heiße Louis-Antoine-Henri de Bourbon, Herzog von Enghien, geboren am 2. August 1772 in Chantilly«, erwiderte der Herzog.
    »Zu welchem Zeitpunkt haben Sie Frankreich verlassen?«
    »Das kann ich nicht genau sagen, ich denke aber, dass es am 16. Juli
1789 war, zusammen mit meinem Großvater, dem Prinzen von Condé, meinem Vater, dem Herzog von Bourbon, dem Grafen von Artois und den Kindern des Grafen von Artois.«
    »Wo haben Sie sich aufgehalten, seit Sie Frankreich verließen?«
    »Als ich Frankreich verließ, reiste ich mit meinen Verwandten, denen ich immer folgte, von Mons nach Brüssel; anschließend begaben wir uns nach Turin zu dem König von Sardinien, wo wir etwa eineinhalb Jahre blieben, und von dort nach Worms und in die Umgebung von Worms am Rheinufer; dann wurde das Korps Condé gebildet, und ich habe den ganzen Krieg mitgemacht; davor habe ich in Brabant am Feldzug von 1792 im Heer des Herzogs von Bourbon teilgenommen, in der Armee des Herzogs Albert.«
    »Wo haben Sie sich nach dem Friedensschluss zwischen der Französischen Republik und dem Kaiser von Österreich niedergelassen?«
    »Den letzten Feldzug haben wir in der Gegend von Graz beendet; dort wurde das Korps Condé verabschiedet, das im Sold Englands stand. Ich blieb acht oder neun Monate lang zum Zeitvertreib in Graz und Umgebung und wartete auf Nachrichten von meinem Großvater, der nach England gegangen war und dort meinen Sold verhandelte. In der Zwischenzeit bat ich den Kardinal von Rohan, mich in seinem Gebiet niederzulassen zu dürfen, in Ettenheim im Breisgau. Seit zwei Jahren halte ich mich dort auf. Nach dem Tod des Kardinals habe ich den Markgrafen von Baden offiziell darum

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