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Der Graf von Sainte-Hermine - Dumas, A: Graf von Sainte-Hermine - Le Chevalier de Sainte-Hermine

Titel: Der Graf von Sainte-Hermine - Dumas, A: Graf von Sainte-Hermine - Le Chevalier de Sainte-Hermine Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Alexandre Dumas
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Mann unnötig irritieren?«, sagte er. »Diese Gendarmen sollen ihn nicht an der Flucht hindern, sondern daran, sich umzubringen; wer aber ernsthaft beabsichtigt, sich umzubringen, hat noch immer Mittel und Wege zu finden gewusst.«
    Man hatte Pichegru Tinte und Papier überlassen, und er schrieb fleißig. Die gute Aufnahme, die seine Überlegungen zur Verbesserung von Guyana gefunden hatten, schmeichelte ihm sehr, und vermutlich sah er sich mit seiner doppelten Phantasie des Strategen und des Mannes der Zahlen und mit seinen Erinnerungen an die Erkundungsreisen und Jagdausflüge in das Landesinnere jener Küsten im Geiste schon an der Arbeit und ging ganz in ihr auf.
    Bonapartes Befürchtung, Pichegru trage sich mit Selbstmordgedanken, war nicht unberechtigt.
    Der Marquis de Rivière hat Monsieur Réal und Monsieur Desmarets erzählt, er sei eines Abends mit Pichegru in Paris herumgeirrt, und als sie vor lauter Furcht, nach Hause zu gehen oder auf der Straße aufgegriffen zu werden, nicht ein noch aus wussten, sei der General auf einmal stehen geblieben, habe sich eine Pistole an die Stirn gesetzt und gesagt: »Ach, wozu noch weiter herumlaufen, machen wir hier ein Ende.«

    Monsieur de Rivière fiel ihm in den Arm, entriss ihm die Pistole und konnte ihn – wenigstens für den Augenblick – dazu bewegen, seine Selbstmordabsichten aufzugeben.
    Er brachte ihn zu einer Dame in der Rue des Noyers, bei der er selbst Unterschlupf gefunden hatte. Und dort legte Pichegru seinen Dolch auf den Tisch und sagte: »Noch ein Abend wie dieser, und alles wird ein Ende haben.«
     
    In seinen Erinnerungen aus der Revolutionszeit berichtet Charles Nodier eine merkwürdige Anekdote, die sich wie eine Vorahnung dessen ausnimmt, was sich zehn Jahre später im Temple-Gefängnis zutragen sollte.
    Wie der ganze Generalstab Pichegrus trug der junge Nodier Krawatten aus schwarzer Seide, die sehr eng am Hals gebunden waren. Um sich von den merveilleux der Zeit mit ihrer ausladenden Krawatte im Stil Saint-Justs abzusetzen, pflegte der junge Mann seine Krawatte mit einem einzigen Knoten rechts zu knüpfen.
    In Befolgung der Ordre Saint-Justs schlief man angekleidet. Pichegru und seine zwei Sekretäre nächtigten im selben Zimmer, jeder auf einer Matratze, die auf dem Boden lag. Pichegru ging stets als Letzter gegen drei, vier Uhr morgens zu Bett.
    Eines Nachts, als Nodier ein Alptraum plagte, in dem indische Thags ihn erdrosselten, erwachte er, als er eine Hand spürte, die seinen Hals berührte und den Knoten seiner Krawatte lockerte. Er wurde völlig wach und sah den General neben seinem Lager knien. »Sind Sie es, General?«, fragte er. »Benötigen Sie mich?«
    »Nein«, erwiderte Pichegru. »Im Gegenteil, du hast mich benötigt: Du hast schlecht geschlafen und hast gestöhnt, und es war nicht schwer, die Ursache dafür zu erkennen. Wer wie wir eine eng geknüpfte Krawatte trägt, muss darauf achten, sie zu lockern, wenn er zu Bett geht, denn wenn man diese Vorkehrung vergisst, kann einen der Schlag rühren oder gar der unerwartete Tod treffen. Die enge Krawatte beim Schlaf ist der sichere Weg zum Selbstmord.«
     
    Bei Monsieur de Réals Besuch, als sie sich über die Kolonisierung Guyanas unterhielten, hatte Monsieur Réal wissen wollen, ob Pichegru Wünsche habe.
    »Ja, Bücher!«, hatte Pichegru gesagt.
    »Geschichtswerke?«

    »O nein, wahrhaftig nicht! Die Geschichte hängt mir zum Halse heraus; lassen Sie mir Seneca bringen; mir ergeht es wie dem Spieler .«
    »General«, hatte Monsieur Réal lachend erwidert, »der Spieler verlangt erst nach Seneca, wenn er die letzte Partie verloren hat; so weit sind Sie noch lange nicht.«
    Zur gleichen Zeit bat Pichegru, dass man ihm ein Porträt zurückgebe, das ihm weggenommen worden und das ihm teuer war. Seneca wurde ihm gebracht, und Monsieur Desmarets wollte ihm das Porträt aushändigen lassen, als er darauf aufmerksam gemacht wurde, dass es wie alle anderen Beweisstücke dem Gericht vorgelegt werden müsse.
    Als Pichegru nur das Buch erhielt, verlangte er das Porträt. Man teilte ihm mit, warum er es nicht erhielt, doch die Antwort stellte ihn nicht zufrieden.
    »Dann hat Monsieur Réal sich über mich lustig gemacht, als er mit mir über Cayenne sprach«, sagte er zum Kerkermeister. Und er wartete ungeduldig auf einen weiteren Besuch Monsieur Réals.
    Unterdessen war der Herzog von Enghien entführt und verurteilt worden, und Monsieur Réal war mit Arbeit so überlastet, dass er keine

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