Der Graf von Sainte-Hermine - Dumas, A: Graf von Sainte-Hermine - Le Chevalier de Sainte-Hermine
ihn erdrosselt.«
Wir sagten unsere – durchaus persönliche – Meinung über den Tod des Generals; wir wollen nicht anstehen, die Meinung der Männer auszusprechen, die das Gefängnis mit ihm teilten und die in gewisser Weise Zeugen des Endes eines so ruhmvollen wie tragischen Lebens waren.
Betrachten wir also der Reihe nach, was die Gefangenen gesagt haben, die ihm am nächsten standen.
Ein Mann, der hier nicht zum ersten Mal Erwähnung findet, der bereits einen unheilvollen Einfluss auf Pichegrus Leben ausgeübt hatte, der Schweizer Buchhändler Fauche-Borel nämlich, der dem General die ersten Offerten des Fürsten von Condé überbracht hatte, war am 1. Juli des Vorjahres festgenommen und in das Temple-Gefängnis gebracht worden.
In diesem Gefängnis hatte man nach und nach auch Moreau, Pichegru, Cadoudal und alle Komplizen der großen Verschwörung inhaftiert – Joyaut, genannt Villeneuve, Roger, genannt Loiseau, und nicht zuletzt Coster Saint-Victor, der durch den Schutz aller hübschen Freudenmädchen bis zuletzt den Häschern der Polizei entkommen war und jede Nacht an einem anderen Ort verbracht hatte; als man Fouché zu Rate zog, hatte dieser nur gesagt: »Stellen Sie einen Mann, der ihn kennt, vor das Vergnügungsetablissement Frascati, und es wird keine drei Tage dauern, bis Ihnen der Vogel ins Netz geht«, und schon am zweiten Tag wurde der Gesuchte verhaftet, als er das Lokal verließ.
Zur Zeit der Festnahme des Herzogs von Enghien befanden sich im Temple-Gefängnis siebenhundert Gefangene, und es war so überfüllt, dass man keine Zelle für den Herzog finden konnte. Daher sein Aufenthalt von fünf Stunden Dauer an der Stadtgrenze: Man suchte nach einer provisorischen Unterkunft für ihn, bis jene Kammer bereit war, die, wie es der Totengräber in Hamlet ausdrückt, bis zum Jüngsten Tage währt.
Wir berichteten Exekution und Tod des Herzogs von Enghien.
Ich wiederhole: Im Temple gab es keinen einzigen Gefangenen, der nicht im tiefsten Inneren überzeugt gewesen wäre, dass Pichegru ermordet worden war. Fauche-Borel behauptet nicht nur, Pichegru sei erdrosselt worden, sondern benennt sogar die Täter.
Folgendes schreibt er im Jahr 1807: »Ich konnte mich davon überzeugen, dass dieser Mord von einem gewissen Spon begangen wurde, Brigadier der Elitekompanie, unter Mittäterschaft von zwei Schließern, deren einer, wiewohl recht kräftig, zwei Monate nach der Tat verstarb, während der andere, ein gewisser Savard, als einer der Täter der September-Massaker von 92 wiedererkannt wurde.«
Die Gefangenen standen noch unter dem niederschmetternden Eindruck dieser schrecklichen Überzeugung, als sie General Savary in Galauniform und mit großem Gefolge in das Gefängnis kommen sahen, darunter Louis Bonaparte, der unbedingt Georges Cadoudal sehen wollte. Georges war soeben rasiert worden; er lag auf seinem Bett, die Hände mit Handschellen auf dem Bauch gefesselt. Zwei Gendarmen bewachten ihn, so dass in dem kleinen Turmzimmer kaum noch Platz war. Die Besucher drängten sich hinein, als wollten sie sich über die traurige Lage des royalistischen Anführers belustigen, der seinerseits über ihre Anwesenheit alles andere als erfreut war. Nach zehn Minuten des Beäugens und Getuschels gingen sie, wie sie gekommen waren.
»Was waren das denn für herausgeputzte Gecken?«, fragte Georges seine Bewacher.
»Das war der Bruder des Ersten Konsuls«, erwiderte der eine, »in Begleitung von General Savary und seinem Generalstab.«
»Da habt ihr weiß Gott gut daran getan, mir Handschellen anzulegen.«
Unterdessen wurde das Verfahren vorbereitet, und je mehr es voranschritt, desto lockerer schienen die Vorschriften im Temple-Gefängnis gehandhabt zu werden. Die Gefangenen durften ihre Zellen verlassen und sich im Garten ergehen, was wiederholt zu heftigen Kollisionen zu führen drohte. Savary hatte die Oberhoheit über das Gefängnis inne und hatte es in eine Art Kaserne umgewandelt; die Gefangenen hassten ihn zwangsläufig, doch das hinderte ihn nicht daran, den Kerker häufiger als nötig zu besuchen. Eines Tages sah Moreau sich beim Verlassen seiner Zelle Savary gegenüber; er machte kehrt, drehte ihm den Rücken zu und schlug ihm die Tür seiner Zelle vor der Nase zu.
Was Moreau betrifft, gibt es kaum etwas Ergreifenderes als die Bezeigungen tiefer Achtung, die ihm alle Militärs erwiesen, die im Gefängnis Dienst taten: Alle führten die Hand an den Hut und salutierten. Wenn er sich setzte,
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