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Der Graf von Sainte-Hermine - Dumas, A: Graf von Sainte-Hermine - Le Chevalier de Sainte-Hermine

Titel: Der Graf von Sainte-Hermine - Dumas, A: Graf von Sainte-Hermine - Le Chevalier de Sainte-Hermine Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Alexandre Dumas
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nannten euch Briganten. Dankt denen, die euch gut behandelt haben, genauso wie denen, die euch schlecht behandelt haben; verlasst diesen Ort mit dem Gefühl der Dankbarkeit
für die einen und ohne Hass auf die anderen; denkt daran, dass unser gütiger König Ludwig XVI., der wie wir in diesem Kerker untergebracht war, als Verräter und Tyrann beschimpft wurde; selbst unser Herr Jesus Christus« (und bei diesem Namen lüpften alle mit der einen Hand den Hut und bekreuzigten sich mit der anderen) »wurde als Aufwiegler und Hochstapler verleumdet, verspottet, geschlagen, ausgepeitscht, denn wenn sie Böses tun, sagen die Menschen auch das Falsche und schimpfen, um sie zu erniedrigen, diejenigen, die es in Wahrheit zu preisen gälte.«
    Und dann erhob er sich und sagte laut: » Amen !«, bekreuzigte sich, was die anderen ihm nachtaten, rief sie einen nach dem anderen auf, nannte sie beim Namen, wies sie an hinauszugehen, und folgte ihnen als Letzter.
    An diesem Tag blieben von den siebenundfünfzig Gefangenen, die in die Verschwörung Moreaus, Cadoudals und Pichegrus verwickelt waren, nur die Komplizen zweiter Ordnung im Temple-Gefängnis, die Helfershelfer, die den Verschwörern unterwegs Obdach gewährt und als nächtliche Führer gedient hatten. Sobald die Hauptschuldigen nicht mehr da waren, durften die anderen sich nicht nur in den Höfen und Gärten bewegen, sondern sogar in den anderen Kammern und Kerkerzellen.
    Einige Tage lang ging es in dem Gefängnis recht laut und unruhig zu. Am Palmsonntag schließlich wurde den Gefangenen gestattet, in dem großen Saal, aus dem alle Betten entfernt worden waren, einen Ball zu veranstalten, und die Gefangenen, ausnahmslos aus dem Bauernstand, sangen und tanzten.
    Dieser Ball fand am selben Tag statt, an dem die Angeklagten dem Gericht vorgeführt wurden, was die Tanzenden nicht wussten. Einer von ihnen, ein Mann namens Leclerc, erfuhr von einem Schließer, dass das Gerichtsverfahren, das mit dem Todesurteil gegen zwölf der Angeklagten enden sollte, begonnen hatte; und er sprang mitten unter die Tanzenden und stampfte mit dem Fuß auf, um sie zum Schweigen zu bringen. Stille trat ein, alle hielten inne.
    »Ihr Unseligen!«, rief Leclerc. »Was ist das für ein Betragen an diesem verfluchten Ort, obwohl ihr wisst, dass jene, die ihn mit euch bewohnten und ihn verlassen haben, im Begriff stehen, ihr Leben zu verlieren? Ihr solltet besser beten und das De Profundis singen, statt herumzuspringen und volkstümliche Weisen zu grölen! Monsieur dort hält ein geistliches Buch in der Hand; er kann uns etwas Erbauliches vortragen, das vom Tod handelt.«

    Der Mann, auf den Leclerc deutete, war der Neffe Fauche-Borels, ein junger Mann namens Vitel; das Buch in seiner Hand war ein Band Bourdaloue, der kein De Profundis , aber eine Totenpredigt enthielt. Vitel bestieg einen Tisch und las die Predigt vor, und alle Anwesenden lauschten kniend seinem Vortrag.
    Wie gesagt, war die Gerichtsverhandlung eröffnet worden.
    Nie zuvor hatte Bonaparte sich vielleicht in einer schwierigeren Situation befunden, nicht einmal im Vendémiare, nicht einmal am 18. Brumaire; sein Ansehen als das eines herausragenden Feldherrn auf dem Schlachtfeld war ungeschmälert, doch sein moralisches Ansehen als Staatsmann war durch den Tod des Herzogs von Enghien mit einem untilgbaren Makel gezeichnet, verstärkt durch die mysteriösen Umstände des Selbstmords Pichegrus. Die wenigsten teilten Savarys Ansicht über den Tod des Generals. Je eifriger die Regierung die Beweise für den Freitod sammelte und veröffentlichte, desto hartnäckiger verfestigte sich in den Köpfen der Zweifel an einem Selbstmord, den fast alle Gerichtsärzte für ein Ding der Unmöglichkeit erklärten; und zu der eingestandenen Hinrichtung des Herzogs von Enghien und der abgestrittenen Ermordung Pichegrus kam nun die Anklage gegen den allseits beliebten Moreau hinzu.
    Von dieser Anklage hatte sich niemand hinters Licht führen lassen, denn jedermann hatte dahinter den Neid und die Eifersucht Bonapartes auf einen Rivalen erkannt; Bonaparte war so tief davon überzeugt, dass Moreau selbst auf der Anklagebank nichts von seiner Macht und seinem Einfluss eingebüßt haben würde, dass auf seine Anweisung lange überlegt wurde, wie viele Wachen man für Moreau zu bestellen habe. Bonapartes Besorgnis war so groß, dass er seinen Groll auf Bourrienne hintanstellte. Er ließ ihn aus dem Exil zurückholen, beauftragte ihn, der Gerichtsverhandlung

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