Der Graf von Sainte-Hermine - Dumas, A: Graf von Sainte-Hermine - Le Chevalier de Sainte-Hermine
übrig geblieben – befanden sich fünf Frauen: die Ehefrauen Denaud, Dubuisson, Gallois und Monier und das Freudenmädchen Izaï, dem Cadoudal die sechzigtausend Francs anvertraut hatte, die Fouché als Pension und Belohnung an die Witwe Buffet und die Ehefrau Caniolle verteilen wollte.
Das Verhör begann mit den Fragen des Gerichtsvorsitzenden an die fünf Zeugen, Polizisten und Privatpersonen, die geholfen hatten, Georges festzunehmen. Jeder von ihnen machte seine Aussage. Nach der Befragung wandte sich der Vorsitzende an Georges.
»Georges«, sagte er zu ihm, »haben Sie etwas zu sagen?«
»Nein«, erwiderte Georges, ohne den Blick von seiner Lektüre zu heben.
»Geben Sie zu, was Ihnen zur Last gelegt wird?«
»Ich gebe es zu«, erwiderte Georges so kaltblütig wie zuvor.
»Der Angeklagte Georges wird aufgefordert, nicht zu lesen, wenn das Wort an ihn gerichtet ist«, sagte Untersuchungsrichter Thuriot.
»Was ich lese, ist aber überaus interessant«, erwiderte Georges, »es ist der Bericht von der Sitzung am 17. Januar 1793, in der Sie über den Tod des Königs abgestimmt haben.«
Thuriot biss sich auf die Lippen. Gemurmel drang aus dem Publikum.
Der Vorsitzende beeilte sich, das Raunen zu unterbinden, indem er mit dem Verhör fortfuhr.
»Sie geben zu«, sagte er zu Georges, »dass Sie sich an dem Ort befanden, den die Zeugen angegeben haben?«
»Ich weiß nicht, wie der Ort heißt.«
»Haben Sie zwei Pistolenschüsse abgegeben?«
»Das weiß ich nicht mehr.«
»Haben Sie einen Mann erschossen?«
»Ich muß sagen, dass ich es nicht weiß.«
»Sie hatten einen Dolch bei sich.«
»Das kann sein.«
»Und zwei Pistolen?«
»Das ist möglich.«
»Mit wem befanden Sie sich in dem Kabriolett?«
»Das habe ich vergessen.«
»Wo haben Sie in Paris gewohnt?«
»Bei niemandem.«
»Als Sie festgenommen wurden, wohnten Sie da nicht in der Rue de la Montagne Sainte-Geneviève bei einer Obsthändlerin?«
»Als ich festgenommen wurde, wohnte ich in meinem Kabriolett.«
»Wo haben Sie in der Nacht vor Ihrer Festnahme übernachtet?«
»In der Nacht vor meiner Festnahme war ich nicht zu Bett.«
»Was haben Sie in Paris getan?«
»Ich bin spazieren gegangen.«
»Wen haben Sie in Paris gesehen?«
»Eine Menge Spitzel, die mir folgten.«
»Sie sehen, dass der Angeklagte nicht antworten will«, sagte der Untersuchungsrichter, »befragen wir einen anderen.«
»Danke, Monsieur Thuriot... Gendarmen, geben Sie mir ein Glas Wasser; wenn ich diesen Namen in den Mund genommen habe, spüle ich ihn gerne aus.«
Man wird sich vorstellen können, welche gehässige Heiterkeit solche Wortwechsel im Publikum weckten; jeder der Anwesenden spürte, dass Georges sein Leben geopfert hatte, und man brachte ihm schon im Voraus die Hochachtung entgegen, die man den zum Tode Verurteilten zollt.
Voller Ungeduld wurde Moreaus Verhör erwartet; doch erst am vierten Tag, dem 31. Mai, einem Donnerstag, vernahm ihn Richter Thuriot.
Wie bei Cadoudal wurden zuerst die Belastungszeugen vernommen.
Unter diesen erkannte jedoch kein einziger Moreau wieder. Und mit einem verächtlichen Lächeln sagte dieser: »Meine Herren, mich hat nicht nur keiner der Belastungszeugen erkannt, es hat mich auch keiner der anderen Angeklagten gesehen, bevor ich im Temple-Gefängnis eingekerkert wurde.«
Man verlas die Aussage eines gewissen Roland, eines Dieners Pichegrus, der in seinem Verhör ausgesagt hatte, es habe ihn geschmerzt, von Pichegru mit dem Auftrag zu Moreau geschickt zu werden, den er erfüllt habe, und noch mehr geschmerzt, als er ihn erfüllt hatte.
Moreau erhob sich und wandte sich an den Vorsitzenden. »Entweder«, sagte er, »gehört dieser Roland zur Polizei, oder er hat seine Aussage gemacht, weil er Angst hatte. Ich werde Ihnen sagen, wie die Dinge zwischen dem Untersuchungsrichter und diesem Mann vor sich gegangen sind.
Man hat ihn nicht verhört. O nein, denn das hätte nichts erbracht. Als er verhört wurde, hat man zu ihm gesagt: ›Sie befinden sich in einer aussichtslosen Lage, Sie werden als Mittäter oder Mitwisser einer Verschwörung angeklagt werden; wenn Sie keine Aussage machen, wird man Sie als Verschwörer behandeln, wenn Sie gestehen, retten Sie Ihren Hals.‹ Und um seinen Hals zu retten, hat dieser Mann das Lügenmärchen zusammengestrickt, das er Ihnen erzählt hat. Ich frage jeden Mann von ehrlicher Gesinnung und zuverlässigem Verstand: Zu welchem Zweck hätte ich konspirieren sollen?«
»Nun«, sagte
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