Der Graf von Sainte-Hermine - Dumas, A: Graf von Sainte-Hermine - Le Chevalier de Sainte-Hermine
sorgen, und danach forderte René seine Leute auf, in Ruhe zu schlafen, da er und François über sie und an ihrer Stelle wachen würden.
Das Feuer war entzündet, und die Nacht schritt voran, begleitet von ihrem unheimlichen Konzert aus Tigergebrüll, Panthergemaunze und Kaimangeschrei, das wie Kindergeschrei klingt; alles ringsum schien eine Stimme zu finden, um die Menschen zu bedrohen: Wald, Wasser und Dschungel schienen das Schlachtfeld eines Heers von Dämonen zu werden, die voller Ingrimm übereinander herfielen, um sich untereinander zu zerfleischen; die Luft wurde zuallerletzt bevölkert, doch gegen elf Uhr flatterten eulengroße Fledermäuse über die Flammen und mischten ihre schrillen Schreie in die abscheuliche Symphonie, von Rauchschwaden begleitet, als entstiegen sie dem Höllenschlund.
Es hätte eines Herzens bedurft, das mit dem dreifachen Erz umgürtet war, von dem Horaz spricht, um nicht beim Ertönen dieses zügellosen Lärms zu erzittern. François, so wacker er war, spürte, wie ihn aller Mut verließ; er stützte sich mit einer Hand auf Renés Arm und deutete mit der anderen auf zwei Lichter, die sich in einer Entfernung von dreißig Schritten im Wald bewegten.
»Still«, sagte René, »ich sehe sie.«
Und er legte sein Gewehr so unbeschwert an, als zielte er auf eine Zielscheibe, und schoss.
Ein furchterregendes Gebrüll war die Antwort auf Renés Schuss; und als wäre dieses Gebrüll ein Signal, wurde es von allen Seiten erwidert, die das kleine Lager am See einschlossen.
»Wirf mehr Holz ins Feuer«, sagte René.
François gehorchte.
Die Birmanen und Inder waren aufgesprungen, die einen auf ein Knie, die anderen aufrecht auf beide Füße.
»Wer von euch ist bereit, einen Baum zu besteigen und alle Äste abzuhacken?«, fragte René auf Birmanisch.
Eine Birmane trat vor, bat François um seinen Entersäbel und erkletterte
mit affengleicher Gewandtheit den Baum, der dem Lager am nächsten stand. Sogleich fielen die Äste und Zweige so geschwind, dass außer Frage stand, wie eilig es dem Holzhacker damit war, seiner Aufgabe nachzukommen. Glücklicherweise war es ein Baum mit harzhaltigem Holz, und kaum waren die ersten Zweige ins Feuer gelangt, loderten die Flammen auf und bildeten einen wahren Schutzwall, der das Lager vom Wald abschirmte.
Doch dort, wohin René seinen Schuss abgefeuert hatte, erklang weiterhin Gebrüll: sei es, dass der verwundete Tiger sich nicht dareinschicken wollte zu sterben, sei es, dass das Tier nach der Gewohnheit seiner Art als Männchen sein Weibchen oder als Weibchen sein Männchen bei sich hatte. René lud das Gewehr nach und ließ François die vier weiteren Gewehre in Bereitschaft halten, die sein Arsenal bildeten. Dann ergriff er glühende Zweige und warf sie in das Geäst eines harzhaltigen Baums, ähnlich dem, der das Feuer so prächtig genährt hatte. Der Baum fing Feuer. Innerhalb weniger Sekunden brannte er lichterloh vom Fuß bis zum Wipfel und beleuchtete die ganze Umgebung auf fünfzig Schritt im Umkreis wie ein Feuerwerk.
Man sah, wie am Seeufer zwei Kaimane herbeikrochen, die sich unbemerkt anzuschleichen versuchten.
René ging auf die Riesenechsen zu, die vor dem Feuer unschlüssig zurückscheuten. Ihre großen dummen Augen blickten erstaunt drein; unter der allzu starken Hitze zogen ihre Körper sich zusammen. Die Augen waren so groß wie Fünf-Francs-Stücke, und mehr benötigte René nicht. Er schickte eine Kugel in das nächste Auge, keine zehn Schritt von ihm entfernt; sein Besitzer bäumte sich heftig auf und fiel dann auf den Rücken.
Der Neger, der tagsüber den Kaiman gejagt hatte, nahm einen Zweig in die Hand, dessen Ende brannte, und stieß ihn dem Untier wie einen Spieß in den Rachen. Unter entsetzlichem Gebrüll löschte das Ungeheuer die Feuersbrunst, indem es sich in den See stürzte.
Sein Begleiter trat erschrocken den Rückzug an, als er sah, was seinem Gefährten widerfahren war, und suchte Zuflucht im Wasser.
Der Baum brannte noch immer; brennende Zweige fielen herab und setzten das trockene Gras und kleinere Bäume in Brand. Schnell wuchs das Flammenmeer und bildete eine weite Umfriedung; der Wind, der vom See her blies, trieb die Flammen vor sich her. Je weiter sich das Feuer voranfraß, desto lauter wurde das Geschrei der Tiere, die es überraschte.
Inmitten dieses Geschreis war das Zischen und Rascheln der Schlangen
zu vernehmen, die auf der Flucht mit ihrer Schuppenhaut an den Baumstämmen
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