Der Graf von Sainte-Hermine - Dumas, A: Graf von Sainte-Hermine - Le Chevalier de Sainte-Hermine
war entschlossen gewesen, in England einzufallen. Hatte er sein Vorhaben ausgeführt, hatte er es aufgegeben? Das hatte niemand René in Indien sagen können, doch sobald er zur Île de France zurückkehrte, würde er dort sicherlich Surcouf vorfinden und von ihm erfahren, was seither geschehen war. Dank der günstigen Strömung, welche die Runner of New York dem Meer entgegenführte, dauerte es nur drei Tage, um von Pegu nach Rangun zu gelangen, und am vierten Tag fuhr das Schiff auf das offene Meer hinaus.
René nahm Kurs auf die Nordwestspitze der Insel Sumatra. Nach zehn Tagen kam Aceh in Sicht und wurde noch am selben Abend umfahren, so dass man sich auf der unermesslichen Wasserwüste befand, die sich von Sumatra bis zu den Tschagos-Inseln ausdehnt.
Am nächsten Tag rief der Mann im Ausguck bei Tagesanbruch: »Schiff in Sicht!« René sprang an Deck, das Fernrohr in der Hand.
Auf Höhe der nördlichsten Tschagos-Insel waren drei Schiffe zu sehen; zwei segelten miteinander auf die Tschagos-Inseln zu, das Dritte kam ihnen entgegen. Die zwei ersten schätzte René als Kauffahrer ein, doch man darf nicht vergessen, dass Kauffahrer zu jener Zeit so schwer bewaffnet waren wie Schiffe der Kriegsmarine.
Doch besondere Aufmerksamkeit weckte das dritte Schiff, das den zwei anderen entgegenfuhr. Bauweise und Aufmachung ließen nicht den geringsten Zweifel daran, dass dieses wendige, schnelle Schiff dazu bestimmt war, schwerfälligere Beute zu verfolgen und einzuholen.
René reichte François sein Fernglas und sagte nur nachdrücklich: »Schau!«
François nahm das Fernglas, sah hindurch und konnte einen Freudenschrei kaum zurückhalten; er sah René an, der lächelte, gab ihm das Fernglas zurück und murmelte: »Meiner Treu, wahrhaftig!«
Im selben Augenblick gab das dritte Schiff einen Kanonenschuss ab, und inmitten des Rauchs entfaltete sich ein Banner.
»Siehst du«, sagte René, »die Fahne der Republik.«
Die zwei Schiffe, die dem dritten entgegenkamen, erwiderten den Schuss mit Kanonensalven und hissten die Flagge des Vereinigten Königreichs.
»Alle Segel setzen!«, rief René. »Und haltet Kurs auf den Ort des Gefechts!«
Die Schiffe befanden sich etwa zwei Meilen seewärts der Tschagos-Inseln, und es wehte so wenig Wind, dass die Gefechtsgegner, die einander beschossen, bald von einer Rauchwolke eingehüllt waren; der schwache Nordostwind, der auf diese Schiffe keine Wirkung hatte, konnte jedoch einem leicht gebauten und wendigen Schiff wie der Runner of New York , wenn es vor dem Wind segelte, zu einer ansehnlichen Geschwindigkeit verhelfen.
Die Rauchwolke um die drei kämpfenden Schiffe wurde immer dichter. Der unablässige Kanonendonner der Geschütze, den das malaiische Ufer zurückwarf, klang wie heftiges Gewittergrollen. Das Gefecht dauert seit einer Stunde an, als René seiner Mannschaft befiehlt, sich in den Kampf zu stürzen, und allen anderen voraus in den schwarzen Rauch springt; die Kanoniere haben mit glimmender Lunte in der Hand Posten bezogen, als René zwischen zwei Rauchschwaden am Heck eines der beiden englischen Schiffe den Namenszug Louisa entziffert.
Was schert ihn, welcher Nationalität die Männer an Bord sind! Er weiß nur, dass das Schiff gegen ein französisches Schiff kämpft, und das ist alles, was er wissen muss!
»Feuer von Steuerbord!«, befiehlt René, der sein Schiff dicht neben die Louisa manövriert.
Die sechs Steuerbordgeschütze der Runner of New York schießen wie aus einem Rohr. Dann überholt die Runner of New York die Louisa , auf der noch niemand begriffen hat, was gerade geschieht, und René lässt seine zwei Hauptgeschütze ihre Kanonenkugeln über die ganze Länge des gegnerischen Schiffs abfeuern.
Ein schreckliches Krachen ertönt: Der gekappte Fockmast ist auf das Deck der Louisa gestürzt.
Durch den sich stetig verdichtenden Rauch und den Gefechtslärm hört René eine wohlbekannte Stimme, die ihre Leute zum Entern auffordert.
Unterdessen verfängt sich der Bugspriet der Runner of New York in den Wanten des zweiten, unbekannten englischen Schiffs; René schert sich nicht darum, sondern greift zu seinem Sprachrohr und fordert seine Mannschaft ebenfalls auf, den Engländer zu entern.
Im selben Augenblick erblickt er zwischen zwei Rauchschwaden einen englischen Offizier auf der Wachtbank des Schiffs, mit dem sein Schiff verfangen ist; er lässt das Gewehr sinken, nimmt es in die linke Hand, legt an, schießt und sieht, wie der Engländer von der
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