Der Graf von Sainte-Hermine - Dumas, A: Graf von Sainte-Hermine - Le Chevalier de Sainte-Hermine
um die restlichen Tage ihres Lebens ihre Suppe salzen und pfeffern zu können. Überlasse ihnen deinen Anteil an der Prise, wenn du unbedingt willst, dann machen sie ein gutes Geschäft, denn sie bekommen fünfhunderttausend Francs zusätzlich. Aber ihren Anteil darfst du ihnen nicht vorenthalten.«
»Du gibst ihnen also meinen Anteil!«
»Ob du oder ich, was macht das schon aus? Wen kümmert es, woher die halbe Million kommt, solange sie sie erhalten? Aber deine erste Frage war, was in Frankreich vor sich geht, ob Seegefechte oder Schlachten zu Land ausgetragen werden. Ich weiß davon nicht das Geringste, denn der Kanonendonner gelangte nicht bis zum Indischen Ozean. Ich weiß nur, dass Seine Heiligkeit der Papst sich nach Paris begeben hat, um dem Kaiser Napoleon seinen Segen zu geben. Von einer Landung in England habe ich jedoch nichts gehört, und wenn ich Seiner Majestät dem Kaiser einen Rat geben darf, dann kann ich ihm nur empfehlen, sich auf seinen Soldatenberuf zu besinnen und uns unseren Seemannsberuf zu überlassen!«
Renés Schiff war noch nicht lange unterwegs, und folglich gab es an Bord frische Nahrung und saftige Früchte, die den Offizieren der Revenant köstlich munden mussten.
Surcouf hatte während Renés Abwesenheit ein Abenteuer mit einem Hai erlebt. Sein Bericht bewies, dass er wie René in keiner Gefahr die Nerven verlor, mochte sie sich noch so ungewohnt oder überraschend präsentieren.
Wenige Tage nach Renés Abreise hatte Surcouf sich wieder auf die Jagd nach feindlichen Schiffen gemacht. Während seines Aufenthalts vor
der Seychellen-Insel Mahé hatte eine Piroge einen Hai aus dem Schlaf geweckt, und der Hai hatte mit einem Schlag seines Schwanzes die Piroge zwischen Praslin und La Digue zum Kentern gebracht; die Überlebenden, die das Wrack erklommen, hatte das Meeresungeheuer bis auf den Schiffsführer verschlungen. Die Opfer des Hais gehörten zu Surcoufs Mannschaft.
Das traurige Ereignis hatte die Besatzung des Kaperschiffs anfangs tief beeindruckt – insbesondere den Kapitän, der als Einziger dem Rachen des Raubtiers entkommen war. In seiner Seelenpein hatte er sogar der Muttergottes ein Gelübde getan. Doch Seeleute mit ihrer harten und anstrengenden Arbeit haben nicht das beste Gedächtnis.
Von Insel zu Insel ging man den gewohnten Tätigkeiten nach, wechselte Matrosen aus und erwarb neuen Proviant.
Als auf der Insel Mahé ein längerer Aufenthalt eingelegt wurde, lud ein Bewohner der Insel, der mit Surcouf aus früheren Zeiten befreundet war, ihn und einige seiner Offiziere zum Abendessen in die Niederlassung ein, die er vor einigen Jahren im Westteil der Insel gegründet hatte. Die Gäste machten sich in einem der Boote der Revenant auf den Weg, den sie in bemerkenswert kurzer Zeit bewältigten.
Der Tag verging fröhlich bis zu dem Zeitpunkt, der für die Rückkehr der Gäste vorgesehen war; Surcoufs Boot fuhr zuerst los, vollbeladen mit Proviant für die Fortsetzung der Kaperfahrt. Ein Offizier und Surcoufs Leibdiener Bambou nutzten die Gelegenheit, zu ihrem Schiff zurückzugelangen. Surcouf hatte dem Neger sein Gewehr und seine Jagdtasche überlassen, die er auf Ausfahrten immer mit sich führte.
Die größte Piroge der Siedlung verließ das Ufer, mit Gästen vollbesetzt und geleitet von dem Amphitryon des Hauses, der Surcouf, dem ersten Offizier und Arzt Millien und dem Gefreiten Joachim Viellard die Ehre erwies, sie zu ihrem Schiff zu geleiten.
Die Piroge umrundete die Nordspitze der Insel Mahé; der Wind erstarb, als das Tageslicht erlosch, und bewegte die Meeresoberfläche kaum noch. Schon waren die Stückpforten der Revenant zu sehen, deren frischer Anstrich die letzten Sonnenstrahlen widerspiegelte, und vier kräftige Neger ruderten die Piroge über die klaren Wasser des Meeressockels, der in diesem Archipel von Haien bevölkert ist, die für ihre Größe und ihre Gefräßigkeit berüchtigt sind.
Unvermittelt tauchte im Kielwasser der Piroge eines jener Meeresungeheuer auf, dessen riesiger Kopf Menschenfleisch in so großer Nähe erschnupperte,
dass der Bootsführer – niemand anders als unser Amphitryon – sich nicht anders zu helfen wusste, als dem Tier einen gewaltigen Schlag mit seinem Ruder zu verpassen.
Der Hai ließ sich davon nicht entmutigen, sondern schwamm voller Fressgier an der Piroge vorbei, die er an Länge übertraf, umrundete sie und machte sich bereit, die einladende Beute von der Seite aus anzugreifen und zu verschlingen.
Mit
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