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Der Graf von Sainte-Hermine - Dumas, A: Graf von Sainte-Hermine - Le Chevalier de Sainte-Hermine

Titel: Der Graf von Sainte-Hermine - Dumas, A: Graf von Sainte-Hermine - Le Chevalier de Sainte-Hermine Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Alexandre Dumas
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Sie seit Ihrer Rückkehr Monsieur Rondeau gesehen oder ihm ihre Ankunft mitteilen lassen?«
    »Ich habe nicht die Ehre, ihn zu kennen, General.«
    »Würden Sie ihn gern kennenlernen?«
    »Mit größtem Vergnügen, General; er gilt als äußerst liebenswürdiger Mann.«
    »Das ist er. Würden Sie gerne heute mit ihm zusammen bei mir speisen?«
    »General, wenn er zu Ihren Freunden zählt, wüsste ich nicht, was dagegen spräche.«
    In diesem Augenblick trat Madame Decaen ein, und René erhob sich.
    »Madame«, sagte der General, »darf ich Ihnen Monsieur René vorstellen, den ersten Offizier Kapitän Surcoufs, der so nobel gekämpft und dabei wahrscheinlich unserem Freund aus Saint-Malo die Freiheit und das Leben gerettet hat? Er erweist uns die Ehre, heute mit seinem Bankier Monsieur Rondeau bei uns zu speisen, auf den er mir einen Wechsel über hunderttausend Francs ausgestellt hat, die ich auf Almosen für verarmte Franzosen und Seemannswitwen verwenden soll. Dieser frommen Aufgabe werden Sie nachkommen, Madame; danken Sie Monsieur René und lassen Sie ihn Ihre Hand küssen.«
    Madame Decaen reichte René voller Verblüffung die Hand; René neigte sich über die Hand, berührte sie mit der Fingerspitze und gleichzeitig mit den Lippen, trat einen Schritt zurück und verneigte sich zugleich zum Abschied.
    »Aber Monsieur«, sagte der General, »Sie vergessen, dass Sie mich um etwas bitten wollten!«
    »Oh«, sagte René, »nun, da ich die Ehre haben werde, Sie später am Tag wiederzusehen, gestatten Sie mir, Sie einstweilen nicht länger aufzuhalten.«
    Er verneigte sich vor dem General, der vor Verblüffung sprachlos war, vor Madame Decaen, die noch verblüffter war als ihr Ehemann, und ging, während die beiden einander ratlos anblickten und in den Augen des anderen nach der Erklärung dieses befremdlichen Rätsels suchten.
    General Decaen folgte René auf dem Fuß zu Surcouf, den er einlud,
mit seinem ersten Offizier und dem Bankier Monsieur Rondeau bei ihm zu speisen.
    Der General hatte vergessen, René die Essenszeit zu nennen: zwischen halb vier und vier Uhr nachmittags.
    Kaum war General Decaen gegangen, suchte Surcouf René in seiner Kabine auf. »Was ist geschehen, lieber Freund?«, fragte er ihn. »Der Gouverneur hat mich soeben mit dir und Rondeau zum Essen eingeladen.«
    »Nichts weiter ist geschehen, als dass der Gouverneur ein Mann von ausgesuchten Umgangsformen ist und weiß, welche Freude er mir damit macht, dass er dich einlädt.«

85
    Die Armenkollekte
    Mit militärischer Pünktlichkeit fanden sich Surcouf und René um halb vier in der Residenz des Gouverneurs ein.
    René hätte lieber wenigstens eine Viertelstunde länger gewartet, doch Surcouf hatte ihm erklärt, dass der Gouverneur selbst um halb vier zu speisen pflege und auf Gäste, die nicht rechtzeitig erschienen, nicht gut zu sprechen sei.
    René war der Ansicht, dass unter den gegebenen Umständen den Gästen eine gewisse Freizügigkeit eingeräumt sei, doch Surcouf war so unerbittlich, dass sie an die Tür der Gouverneursresidenz klopften, als Surcoufs Uhr halb vier anzeigte.
    Die beiden Gäste wurden in den Salon geführt, wo niemand sie erwartete.
    Madame Decaen beendete ihre Toilette, der General beendete seine Korrespondenz, und Monsieur Alfred Decaen war mit seinem Diener ausgeritten und noch nicht zurückgekehrt.
    »Siehst du, mein lieber Surcouf«, sagte René und ergriff seinen Freund am Ellbogen, »ich war doch nicht der Hinterwäldler, für den du mich halten wolltest, und wir hätten sehr wohl noch eine Viertelstunde Zeit gehabt, bevor man uns der Unhöflichkeit gegenüber unseren Gastgebern bezichtigt hätte.«
    Eine Tür wurde geöffnet, und der General trat ein. »Verzeihen Sie,
meine Herren«, sagte er, »aber als vorbildlicher Mann des Schreibtischs hat Rondeau mich gebeten, bis um vier Uhr zu warten, denn zu dieser Stunde schließt er sein Büro, und in den zehn Jahren, die er seine Arbeit bei uns ausübt, war er immer der Letzte, der es verließ. Sie können nach eigenem Belieben hier auf ihn warten oder sich im Garten ergehen. Da kommt mein Sohn, der gerade vom Pferd steigt und sich umkleiden muss, bevor er sich zu Tisch begeben kann.«
    Der General öffnete ein Fenster und rief: »Presto, presto! Wir erwarten dich auf der Terrasse am Meeresufer.«
    Sie gingen in den Garten, wo man durch überdachte Alleen die Terrasse erreichte.
    Es war ein bezaubernder Ort, der einen Blick von der Bête-à-Mille-Pieds bis zur Bucht

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