Der Graf von Sainte-Hermine - Dumas, A: Graf von Sainte-Hermine - Le Chevalier de Sainte-Hermine
von Grande-Rivière bot. An beiden Enden der Terrasse waren Zelte aufgebaut, das eine als Rüstkammer, mit Masken und Floretten verziert, das andere als Schützenzelt mit Schießscheiben, Puppen, Zielscheiben und allem, was man benötigt, um die kunstvollsten Schießkünste zu beweisen.
Der General und seine Gäste betraten wie zufällig die Rüstkammer.
»Hier sehen Sie sich in Ihrem Element, Monsieur René«, sagte der General, »denn Surcouf beteuerte, dass Sie nicht nur ein erstrangiger Fechter seien, sondern ein allen anderen überlegener Fechter.«
René verzog den Mund. »General«, sagte er, »mein Kommandant Surcouf bringt mir eine väterliche Zuneigung entgegen; hörten Sie auf ihn, wäre ich der hervorragendste Reiter, der kundigste Fechter und der beeindruckendste Pistolenschütze seit den Zeiten des Chevalier de Saint-Georges. Ich wagte nicht einmal zu bezweifeln, dass er alles versucht hätte, mich mit dem berühmten Mulatten zusammenzubringen, um mich über ihn triumphieren zu sehen. Leider sind die Augen eines Freundes ein verzerrendes Vergrößerungsglas, was die guten Eigenschaften betrifft, während die Untugenden bis zur Unkenntlichkeit verkleinert werden. Ich ziele wie jedermann, vielleicht etwas besser als die meisten derer, die erschossen werden, aber weiter reicht meine Überlegenheit nicht. Und was das Fechten betrifft, dürften meine Fähigkeiten einigermaßen eingerostet sein, da ich kein Florett mehr in Händen hielt, seit ich zur See fahre.«
»Weil du keinen Gegner gefunden hast, der deiner würdig gewesen wäre!«, widersprach Surcouf. »Geh mit gutem Beispiel voran!«
»Wie, Sie wollen nicht, Monsieur Surcouf?«, sagte der General. »Sie gelten doch als guter Fechter.«
»In Saint-Malo, mein General, in Saint-Malo! Und selbst dort habe ich meinen Ruf eingebüßt, als Monsieur das Florett ergriff.«
In diesem Augenblick kam Monsieur Decaens Sohn herein. »Komm her, Alfred«, sagte sein Vater, »und lass dir von Monsieur Surcouf eine Lektion erteilen. Du bildest dir ein, mit dem Degen umgehen zu können, und Monsieur Surcouf ist dafür bekannt. Nun, ich hoffe, dass er dir nun coram publico zeigen wird, was für ein Laffe du bist.«
Der junge Mann lächelte; mit der Zuversicht der Jugend holte er zwei Florette und zwei Masken, reichte ein Florett und eine Maske Surcouf und sagte: »Mein Herr, wenn Sie meinem Vater und vor allem mir den Gefallen erweisen wollten, um den er Sie bittet, wäre ich Ihnen unendlich verbunden.«
Surcouf sah sich beim Wort genommen und hatte keine andere Wahl, als die Herausforderung anzunehmen; er legte Hut und Rock ab, setzte die Maske auf, verneigte sich vor dem General und sagte: »Zu Befehl, mein General und Monsieur Alfred.«
»Meine Herren«, sagte der General und lachte, »Sie dürfen darauf rechnen, ein Duell zu erleben wie das zwischen Dares und Entellus. Oh, Monsieur Rondeau«, sagte er, »Sie kommen im rechten Augenblick! Meine Herren, ich darf Sie mit Monsieur Rondeau bekannt machen, der sich ebenfalls des Rufs eines unserer besten Schützen erfreut, denn hierzulande ist jedermann waffenkundig, sogar ein Bankier. Lieber Monsieur Rondeau, ich darf Ihnen Monsieur Surcouf vorstellen, den Sie seit Langem kennen, und Monsieur René, den Sie noch nicht kennen, der aber, wie mir scheint, geschäftliche Beziehungen mit Ihnen unterhält...«
»Oh«, sagte Monsieur Rondeau, »handelt es sich um Monsieur René de...«
»René ohne Titel«, fiel ihm René ins Wort, »was ihn nicht daran hindert, sich als zu Ihren Diensten zu erklären, wenn Sie gestatten.«
»Ich bitte Sie, Monsieur«, sagte Monsieur Rondeau, der die Daumen in die Armausschnitte seiner Weste steckte und den Bauch vorstreckte, »ich stehe zu Ihren Diensten, jedenfalls bis zum Betrag von dreihunderttausend Francs und sogar darüber hinaus.«
René verneigte sich. »Wir halten die anderen Herren auf«, sagte er. »Meine Herren, kreuzen Sie die Klingen.«
Surcouf und Monsieur Alfred Decaen gingen in Auslage, der eine so reglos wie eine Statue – es erübrigt sich zu sagen, dass dies Surcouf war -, der andere mit der Zuversicht und der Anmut der Jugend.
Trotz des unterschiedlichen Fechtstils – einerseits ernsthaft, streng, ein wenig starr, mit den einfachsten Paraden, andererseits mit immer neuen Ausfällen und Finten, mit Bein- und Handbewegungen und unnötigen Ausweichbewegungen, die Klinge abwechselnd im Terz und im Quart führend – war keiner der Kontrahenten dem anderen
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