Der Graf von Sainte-Hermine - Dumas, A: Graf von Sainte-Hermine - Le Chevalier de Sainte-Hermine
den Kopf zerschmettert.«
Madame Decaen warf ihrem Gast einen erstaunten Blick zu, und Alfred betrachtete ihn mit unverhohlener Neugier.
»Aber wenn Sie von meinem Freund René gehört haben«, sagte Surcouf, »dann haben Sie noch viel sagenhaftere Dinge zu hören bekommen. Am hiesigen Quai Chien-de-Plomb hat er sich vor den Augen aller einen Kampf mit einem Hai geliefert, der für den Hai ebenso schlecht ausging wie für die Boa.«
»Wie«, sagte Monsieur Rondeau, »Sie waren es, der den Hai entleibt hat, der den Matrosen verfolgte?«
»Ja, Monsieur, aber wie Sie wissen, ist so etwas nicht weiter schwierig; es erfordert nur ein wenig Geschick und ein scharfes Messer.«
»Der Mann hat noch eine andere Geschichte erzählt«, fuhr der wackere und ehrbare Monsieur Rondeau fort, der offenbar beschlossen hatte, sich zum Narren zu machen, koste es, was es wolle. »Er hat erzählt, sein Kapitän hätte auf einen Tiger angelegt, der zwanzig Fuß entfernt aus dem Dschungel kam, und bevor er schoss, hätte er gesagt: ›Auf Philipps rechtes Auge.‹ Ich weiß nicht mehr recht, ob es das rechte oder das linke Auge war, aber das macht nichts, denn der Matrose hatte den Sinn dieser Worte ebenso wenig verstanden wie ich.«
General Decaen brach in Gelächter aus.
»General«, sagte René, »seien Sie so gütig, Monsieur Rondeau die Geschichte des Aster zu erzählen; erzählte ich sie, liefe ich Gefahr, für einen Aufschneider gehalten zu werden.«
»Mein lieber Monsieur Rondeau«, sagte der General, »Aster war ein sehr gewandter Bogenschütze der Stadt Amphipolis, der von Philipp schlecht behandelt wurde; er verließ seine Heimat und ließ sich in Methone nieder, das bald darauf von Philipp belagert wurde. Aster aber wollte sich an Philipp rächen, und da er wollte, dass Philipp davon erfuhr, schrieb er auf einen Pfeil: ›Von Aster auf Philipps rechtes Auge.‹ In der Tat verlor Philipp nicht nur sein rechtes Auge, sondern dachte gar, er müsse an der Verletzung sterben. Und er ließ einen Pfeil in die Stadt schicken, auf dem stand: ›Wenn Methone fällt, wird Aster gehängt.‹ Der makedonische König nahm Methone ein und hielt sein Wort. Das ist die Geschichte, Monsieur Rondeau, und ich versichere Ihnen, dass sie zumindest historisch verbürgt ist.«
»Teufel auch, Teufel auch! Aber so eine Geschicklichkeit kann sich mit der Ihrigen messen, Monsieur René!«
»Ich sehe schon, Monsieur Rondeau«, sagte René, »dass Sie nicht lockerlassen und sich mit meiner Weigerung zu fechten nicht abfinden wollen. Nach dem Essen stehe ich zu Ihrer Verfügung, und wenn Sie sich mit meinen Bedingungen einverstanden erklären, will ich Ihnen mein Wort geben, dass Ihnen der Waffengang früher lästig fallen wird als mir.«
Von diesem Augenblick an unterhielt man sich wieder über andere Gegenstände; doch Madame Decaen und Alfred, die begierig darauf waren, Rondeau unterliegen zu sehen, beeilten sich, das Gespräch zu beenden, und schlugen vor, Café und Digestif in der Rüstkammer servieren zu lassen.
Man begab sich dorthin, und Monsieur Rondeau, dessen Bauch sich stärker zu runden begann, als seine Eitelkeit gutheißen konnte, trat voller Selbstvertrauen als einer der Ersten in den Raum.
»Was schlagen Sie vor, Monsieur René?«, fragte der General.
»Sagten Sie mir nicht, General, dass Madame Decaen die Schutzherrin der Armen sei?«, fragte René und verbeugte sich bei diesen Worten vor Madame Decaen. »Ich schlage deshalb vor, dass Monsieur Rondeau und ich jedes Mal, wenn einer von uns fünfmal getroffen wird, ohne zu parieren, tausend Francs bezahlen.«
»Oho!«, sagte Monsieur Rondeau und lachte unmäßig, »diese Wette kann ich halten.«
Monsieur Rondeau ergriff ein Florett, rieb die Klinge an seiner Schuhsohle, fuhr damit durch die Luft, bog sie, und da die Waffe ihm offenbar zusagte, ging er in Auslage.
René ergriff die erstbeste Waffe, salutierte und ging ebenfalls in Auslage. »Bitte sehr, Monsieur«, sagte er.
Monseur Rondeau führte schnell hintereinander drei Hiebe, die sein gutes Augenmerk und seine sichere Hand bewiesen, doch alle drei Hiebe parierte René mühelos.
»Nun bin ich an der Reihe«, sagte René.
Die Kombattanten gingen wieder in Auslage, und diesmal fielen die Hiebe wie drei Blitze.
»Eins, zwei, drei«, zählte René laut mit.
Jeder der Hiebe hatte Monsieur Rondeau touchiert.
René wendete sich zu den Zuschauern um, die einstimmig riefen: »Drei Treffer!«
»Nun wieder Sie, Monsieur«,
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