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Der Graf von Sainte-Hermine - Dumas, A: Graf von Sainte-Hermine - Le Chevalier de Sainte-Hermine

Titel: Der Graf von Sainte-Hermine - Dumas, A: Graf von Sainte-Hermine - Le Chevalier de Sainte-Hermine Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Alexandre Dumas
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sagte René, »doch ich sage Ihnen im Voraus, dass ich Paraden und Riposten nur mit geraden Stößen führen werde; ich sage es im Voraus, damit Sie mich nicht für raffinierter oder kundiger halten, als ich bin, und Sie sich nicht mit Ihren Paraden verkünsteln.«
    Monsieur Rondeau verbiss sich ein Lächeln und sagte: »Ich bin bereit, Monsieur.«
    In der Tat führte er zwei Hiebe, die René wie vorausgesagt mit zwei geraden Stößen als Riposten erwiderte.
    Die zweite Riposte war unbestreitbar erfolgt, denn das Florett war an der Brust des Bankiers zerbrochen.
    »Madame«, sagte René, der sich vor Madame Decaen verneigte, »Monsieur schuldet Ihnen tausend Francs für die Armen.«
    »Ich bestehe auf meiner Revanche«, sagte Monsieur Rondeau.
    »Mit Vergnügen«, erwiderte René. »Gehen wir in Auslage.«
    »O nein, nicht mit dem Florett! Mit dem Florett sind Sie mir haushoch überlegen; versuchen wir es mit Pistolen.«
    Alfred holte sogleich Pistolen herbei.
    »Wir schießen mit jeder Pistole nur einmal, nicht wahr?«, sagte René zu Monsieur Rondeau. »Nicht dass man in Port-Louis denkt, die Insel würde belagert.«
    »Einverstanden«, sagte Monsieur Rondeau. »Worauf wollen wir zielen?«
    »Warten Sie«, sagte René, »das ist ganz einfach.«
    Und ohne sich die Mühe zu machen zu zielen, ergriff er eine der Pistolen, feuerte und schoss die Kugel in den Stamm einer etwa fünfundzwanzig Schritt entfernten Palme.
    »Sehen Sie das Einschussloch?«, fragte er Monsieur Rondeau.
    »O ja, ganz deutlich«, erwiderte dieser und griff zu einer Pistole.
    »Die Kugel, die dem Loch am nächsten kommt, hat gewonnen«, sagte René.
    »Einverstanden«, sagte Monsieur Rondeau.
    Er zielte so sorgfältig, dass man merkte, wie ernst er seine Revanche nahm, und seine Kugel traf den Baumstamm einen Fingerbreit neben der ersten Kugel.
    »Ha!«, sagte der Schütze und wiegte sich in den Hüften, »gar nicht so übel für den Schuss eines Bankiers.«
    René ergriff ebenfalls eine Pistole, zielte und schoss.

    »Sehen Sie nach, meine Herren, und entscheiden Sie, wer am besten getroffen hat.«
    General Decaen, Surcouf, Alfred und selbstverständlich Monsieur Rondeau liefen voller Neugier zu dem Baum, der als Zielscheibe gedient hatte.
    »Ha, meiner Treu!«, rief Monsieur Rondeau. »Entweder sehe ich nicht richtig, oder Sie haben nicht einmal den Baum getroffen!«
    »Sie sehen nicht richtig, Monsieur«, antwortete René.
    »Wie das? Ich sehe nicht richtig?«, fragte Monsieur Rondeau.
    »Ja, denn Sie suchen an der falschen Stelle. Sehen Sie im ersten Einschussloch nach.«
    »Und dann?«, fragte Monsieur Rondeau.
    »Da finden Sie eine Kugel.«
    »So ist es.«
    »Holen Sie sie heraus.«
    »Hier ist sie.«
    »Jetzt fassen Sie noch einmal hinein.«
    »Wieso soll ich noch einmal hineinfassen?«
    »Tun Sie es einfach.«
    Monsieur Rondeau suchte und erstarrte vor Verblüffung.
    »Sind Sie auf eine zweite Kugel gestoßen?«, fragte René.
    »So ist es, Monsieur!«
    »Richtig! Ich habe die zweite Kugel auf die erste gefeuert, denn näher als in dasselbe Loch konnte ich sie nicht schießen.«
    Schweigen trat ein; sogar Surcouf musste diese schier unglaubliche Gewandtheit bestaunen.
    »Wünschen Sie eine dritte Revanche mit dem Gewehr, Monsieur Rondeau?«, fragte René.
    »Ha, meiner Treu, nein!«, erwiderte dieser.
    »Dabei wollte ich Ihnen etwas ganz Einfaches vorschlagen.«
    »Und was wäre das?«
    »Eine der Fledermäuse, die über uns fliegen, mit dem Gewehr zu erlegen.«
    »Sie schießen mit dem Gewehr auf Fledermäuse?«, fragte Monsieur Rondeau.
    »Warum nicht?«, erwiderte René. »Ich schieße ja auch mit der Pistole auf sie.«
    Und mit diesen Worten nahm er die vierte, noch nicht abgeschossene
Pistole und holte eine Fledermaus aus der Luft, deren Pech sie in die Nähe der Rüstkammer geführt hatte.
    Auch an diesem Abend kam René nicht dazu, dem Gouverneur der Île de France zu sagen, um welchen Gefallen er ihn bitten wollte.

86
    Aufbruch
    Am Tag darauf fand René sich um elf Uhr vormittags zum dritten Mal im Regierungspalast ein.
    Diesmal wurde er nicht als Gast willkommen geheißen, sondern als Freund. Renés offenes, ungekünsteltes und großzügiges Wesen hatte den Gouverneur der Insel für ihn eingenommen, und nun kam ihm Monsieur Decaen mit ausgebreiteten Armen entgegen und befahl den Türstehern, niemanden vorzulassen.
    »Diesmal wird man uns nicht stören, lieber Monsieur René; ich habe nicht vergessen, dass ich Ihnen einen

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