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Der Herr der Ringe

Der Herr der Ringe

Titel: Der Herr der Ringe Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: J. R. R. Tolkien
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Nebel gehüllt. Warum war er hierher gebracht und aus dem Schlaf, der Vergessen bescherte, gerissen worden?
    Auch Sam war auf die Antwort ebendieser Frage erpicht und konnte sich nicht zurückhalten, nur für das Ohr seines Herrn bestimmt, wie er glaubte, zu murmeln: »Eine schöne Aussicht, ohne Zweifel, Herr Frodo, aber kalt fürs Herz, ganz zu schweigen von den Knochen! Was geht hier vor?«
    Faramir hörte es und antwortete darauf. »Monduntergang über Gondor. Ithil der Schöne verlässt Mittelerde und blickt auf die weißen Haare des alten Mindolluin. Das ist ein wenig Frösteln wert. Aber nicht um das zu sehen, habe ich euch hergebracht – obwohl du, Sam, überhaupt nicht hergebracht wurdest, sondern nur die Strafe für deine Wachsamkeit bezahlst. Ein Schluck Wein soll es später wiedergutmachen. Doch schaut nun!«
    Er ging hinauf zu dem schweigenden Posten an dem dunklen Rand, und Frodo folgte ihm. Sam blieb zurück. Er fühlte sich sowieso schon unsicher auf dieser hohen, nassen Felsplatte. Faramir und Frodo blickten hinunter. Tief unten ergossen sich die weißen Gewässer in ein schäumendes Becken und wirbelten dann in einem ovalen Teich zwischen den Felsen dunkel herum, bis sie wieder ihren Weg hinaus fanden durch eine schmale Pforte und schäumend und plätschernd davonflossen, zu ruhigeren und ebeneren Regionen. Das Mondlicht fiel noch schräg auf den Fuß des Wasserfalls und schimmerte auf den Wellen des Teichs. Plötzlich bemerkte Frodo ein kleines, dunkles Geschöpf auf dem diesseitigen Ufer, aber während er es noch betrachtete, tauchte es und verschwand genau hinter dem Sprudeln und Brodeln des Wasserfalles und durchschnitt das schwarze Wasser wie ein Pfeil oder ein hochkantiger Stein.
    Faramir wandte sich an den Mann neben ihm. »Nun, was meinst du, was das ist, Anborn? Ein Eichhörnchen oder ein Eisvogel? Gibt es schwarze Eisvögel in den Nachtweihern von Düsterwald?«
    »Es ist kein Vogel, was immer es sonst sein mag«, antwortete Anborn. »Es hat vier Gliedmaßen und taucht wie ein Mensch; und es beherrscht die Kunst sehr gut. Worauf ist es aus? Sucht es einen Weg zu unserem Versteck hinter dem Vorhang? Es scheint, dass wir schließlich doch entdeckt wurden. Ich habe meinen Bogen hier, und andere Bogenschützen, fast so gute Schützen wie ich selbst, stehen an jedem Ufer. Wir warten nur auf Euren Befehl zum Schießen, Heermeister.«
    »Sollen wir schießen?«, fragte Faramir, zu Frodo gewandt.
    Frodo antwortete einen Augenblick nicht. Dann sagte er: »Nein! Nein, ich bitte Euch, nicht zu schießen.« Hätte Sam es gewagt, dann hätte er »Ja!«, gesagt, rascher und lauter. Er konnte es selbst nicht sehen, aber er erriet aus ihren Worten sehr wohl, was sie betrachteten.
    »Ihr wisst also, was für ein Geschöpf das ist?«, fragte Faramir. »Nun, nachdem Ihr es gesehen habt, sagt mir, warum es geschont werden soll. Bei all unseren Unterhaltungen habt Ihr kein einziges Mal von Eurem schlaksigen Gefährten gesprochen, und ich ließ ihn vorläufig beiseite. Das konnte warten, bis er gefangen und vor mich gebracht würde. Ich schickte meine tüchtigsten Jäger aus, ihn zu suchen, aber er entschlüpfte ihnen, und sie bekamen ihn nicht mehr zu Gesicht, außer Anborn hier, der ihn gestern in der Dämmerung sah. Aber jetzt hat er eine schlimmere Übertretung begangen, als bloß Karnickel zu fangen im Hochland: Er hat es gewagt, nach Henneth Annûn zu kommen, und sein Leben ist verwirkt. Ich staune über den Kerl: So heimlich und durchtrieben, wie er ist, kommt er und vergnügt sich in dem Teich genau vor unserem Fenster. Glaubt er, Menschen schlafen die ganze Nacht ohne Wachen? Warum tut er das?«
    »Darauf gibt es zwei Antworten, glaube ich«, sagte Frodo. »Zum einen weiß er wenig von Menschen, und wenn er auch durchtrieben ist, so ist Eure Zufluchtsstätte doch so versteckt, dass er vielleicht gar nicht weiß, dass hier Menschen verborgen sind. Zum anderen glaube ich, dass er durch ein beherrschendes Verlangen hierher gelockt wird, das stärker ist als seine Vorsicht.«
    »Er wird hierher gelockt, sagt Ihr?«, fragte Faramir leise. »Kann er denn von Eurer Bürde wissen, oder weiß er es sogar?«
    »Allerdings. Er trug sie selbst viele Jahre.«
    » Er trug sie?«, fragte Faramir und holte tief Luft vor Verwunderung. »Diese Sache verwickelt sich in immer neue Rätsel. Dann verfolgt er ihn?«
    »Vielleicht. Er ist für ihn ein Schatz. Aber davon sprach ich nicht.«
    »Was sucht das Geschöpf denn

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