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Der Herr der Ringe

Der Herr der Ringe

Titel: Der Herr der Ringe Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: J. R. R. Tolkien
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schon immer schwarzgesehen«, sagte Schagrat. »Du kannst die Zeichen deuten, wie du willst, aber es mag noch andere Wege geben, sie zu erklären. Jedenfalls habe ich überall Wächter aufgestellt, und ich gedenke mich jeweils nur mit einer Sache zu befassen. Wenn ich mir den Burschen, den wir gefangen haben, angesehen habe, dann werde ich anfangen, mir über etwas anderes Sorgen zu machen.«
    »Ich vermute, du wirst bei dem kleinen Kerl nicht viel finden«, sagte Gorbag. »Er hat mit dem wirklichen Unheil vielleicht gar nichts zu tun. Der große Kerl mit dem scharfen Schwert scheint sowieso geglaubt zu haben, dass er nicht viel wert ist – hat ihn da einfach liegen lassen: typische Elbenfinte.«
    »Wir werden sehen. Komm nun weiter. Wir haben genug geredet. Lass uns jetzt einen Blick auf den Gefangenen werfen!«
    »Was willst du mit ihm machen? Vergiss nicht, dass ich ihn zuerst entdeckt habe. Wenn’s irgendeinen Spaß gibt, müssen ich und meine Jungs dabei sein.«
    »Nun, nun«, brummte Schagrat, »ich habe meine Befehle. Und es würde mich und dich Kopf und Kragen kosten, ihnen zuwiderzuhandeln. Jeder, der sich unbefugt hier aufhält und von der Wache gefunden wird, soll im Turm festgesetzt werden. Der Gefangene soll ausgezogen werden. Genaue Beschreibung von jedem Stück, Kleidung, Waffen, Brief, Ring oder Schmuckstück, muss sofort nach Lugbúrz geschickt werden, und nur nach Lugbúrz. Und der Gefangene soll sicher eingesperrt werden und unverletzt bleiben, bei Todesstrafe für jeden Angehörigen der Wache, bis Er jemanden schickt oder selbst kommt. Das ist klar und deutlich, und das werde ich tun.«
    »Ausgezogen?«, fragte Gorbag. »Was, Zähne, Nägel, Haare und alles?«
    »Nein, nichts dergleichen. Er ist für Lugbúrz, sage ich dir doch. Man will ihn heil und unversehrt haben.«
    »Das wird dir schwerfallen«, lachte Gorbag. »Er ist jetzt nichts als Aas. Was Lugbúrz mit solchem Zeug will, kann ich nicht erraten. Er könnte genauso gut gleich vor die Hunde gehen.«
    »Du Narr«, knurrte Schagrat. »Du hast sehr klug geredet, aber es gibt eine Menge, was du nicht weißt, obwohl’s die meisten anderen Leute wissen. Du wirst vor die Hunde oder zu Kankra gehen, wenn du nicht aufpasst. Aas! Ist das alles, was du von der Hohen Frau weißt? Wenn sie mit Stricken fesselt, dann ist sie auf Fleisch aus. Sie frisst kein totes Fleisch und säuft kein kaltes Blut. Dieser Bursche ist nicht tot!«
    Sam wurde schwindlig, und er hielt sich am Stein fest. Ihm war, als ob die ganze dunkle Welt auf dem Kopf stünde. So groß war sein Schreck, dass erfast ohnmächtig geworden wäre, aber während er noch darum kämpfte, bei Sinnen zu bleiben, hörte er tief in seinem Inneren jemanden sagen: »Du Narr, er ist nicht tot, und dein Herz wusste es. Verlass dich nicht auf deinen Kopf, Samweis, er ist nicht dein edelster Teil. Dein Fehler ist es, dass du niemals wirklich Hoffnung hattest. Was ist jetzt zu tun?« Im Augenblick nichts, als sich gegen die reglosen Steine zu lehnen und zu lauschen, den ekelhaften Orkstimmen zuzuhören.
    »Klar!«, sagte Schagrat. »Sie hat mehr als ein Gift. Wenn sie auf der Jagd ist, dann gibt sie ihnen nur einen Klaps auf den Nacken, und sie werden so schlapp wie entgräteter Fisch, und dann macht sie mit ihnen, was sie will. Erinnerst du dich an den alten Ufthak? Wir hatten ihn seit Tagen vermisst. Dann fanden wir ihn in einem Winkel; aufgehängt war er, aber er war hellwach und starrte. Wie wir lachten! Vielleicht hatte sie ihn vergessen, aber wir rührten ihn nicht an – es hat keinen Zweck, sich mit ihr einzulassen. Nee – dieser kleine Drecksack wird in ein paar Stunden aufwachen; und abgesehen von ein bisschen Übelkeit wird er ganz in Ordnung sein. Oder würde es sein, wenn Lugbúrz ihn in Frieden ließe. Und natürlich abgesehen davon, dass er sich fragen wird, wo er ist und was mit ihm geschehen ist.«
    »Und was mit ihm geschehen wird«, lachte Gorbag. »Wir können ihm jedenfalls ein paar Geschichten erzählen, wenn wir nichts anderes tun können. Ich nehme nicht an, dass er jemals im schönen Lugbúrz war, deshalb wird er vielleicht gern wissen wollen, was er zu erwarten hat. Es wird spaßiger sein, als ich geglaubt habe. Lass uns gehen!«
    »Es wird keinen Spaß geben, das sage ich dir«, erwiderte Schagrat. »Und er muss in sicherem Gewahrsam bleiben, sonst sind wir alle so gut wie tot.«
    »Na schön! Aber wenn ich du wäre, würde ich den Großen fangen, der noch frei

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