Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Der Herr der Ringe

Der Herr der Ringe

Titel: Der Herr der Ringe Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: J. R. R. Tolkien
Vom Netzwerk:
nachgedacht hatte. Baumbart hatte etwas über Zauberer gesagt, aber selbst da hatte er nicht gedacht, dass Gandalf einer von ihnen war. Was war Gandalf eigentlich? In welcher fernen Zeit und an welchem Ort war er auf die Welt gekommen, und wann würde er sie verlassen? Und dann brachen seine Grübeleien ab, und er sah, dass Denethor und Gandalf sich immer noch in die Augen blickten, als wollten sie in der Seele des anderen lesen. Aber Denethor war es, der zuerst den Blick abwandte.
    »Ja«, sagte er. »Obwohl die Steine, wie es heißt, verloren sind, haben die Herren von Gondor immer noch ein schärferes Auge als geringere Menschen, und viele Botschaften gelangen zu ihnen. Doch setzt euch nun!«
    Dann kamen Männer und brachten einen Stuhl und einen niedrigen Hocker, und einer brachte ein Auftragebrett mit einem silbernen Krug und Bechern und weißen Kuchen. Pippin setzte sich hin, aber er konnte seine Augen nicht von dem alten Gebieter abwenden. War es so, oder hatte er es sich nur eingebildet, dass Denethor, als er von den Steinen sprach, plötzlich einen Blick auf Pippin geworfen hatte?
    »Nun erzähle mir deine Geschichte, mein Lehnsmann«, sagte Denethor, halb freundlich, halb spöttisch. »Denn die Worte von einem, mit dem mein Sohn so gut Freund war, werden fürwahr willkommen sein.«
    Niemals vergaß Pippin jene Stunde in der großen Halle unter dem bohrenden Blick des Herrn von Gondor, immer wieder aufgeschreckt durch seine geschickten Fragen, und die ganze Zeit war er sich Gandalfs an seiner Seite bewusst, der beobachtete und zuhörte und (wie Pippin wohl merkte) seinen aufsteigenden Zorn und seine Ungeduld im Zaum hielt. Als die Stunde umwar und Denethor wieder an das Schallbecken schlug, war Pippin erschöpft. »Es kann nicht später als neun Uhr sein«, dachte er. »Ich könnte jetzt dreimal hintereinander frühstücken.«
    »Führt den Herrn Mithrandir zu der für ihn vorbereiteten Unterkunft«, sagte Denethor, »und sein Gefährte mag fürs Erste bei ihm wohnen, wenn er will. Und es soll bekannt gemacht werden, dass ich ihn in Eid und Pflicht genommen habe, und als Peregrin, Paladins Sohn, soll er bekannt sein und die minderen Losungsworte erfahren. Schickt den Heerführern Nachricht, dass sie mich sobald als möglich hier aufsuchen sollen, nachdem die dritte Stunde geschlagen hat.
    Und Ihr, Herr Mithrandir, sollt auch kommen, wann immer Ihr wollt. Niemand soll Euch hindern, jederzeit zu mir zu kommen, außer in den kurzen Stunden meines Schlafs. Lasst Euren Zorn über die Torheit eines alten Mannes abkühlen und kommt dann zurück zu meinem Trost.«
    »Torheit?«, sagte Gandalf. »Nein, Herr, wenn Ihr ein schwachsinniger Greis seid, dann werdet Ihr sterben. Selbst Euren Schmerz vermögt Ihr als einen Deckmantel zu benutzen. Glaubt Ihr, ich verstehe Eure Absicht nicht, wenn Ihr eine Stunde lang den verhört, der am wenigsten weiß, während ich daneben sitze?«
    »Wenn Ihr es versteht, dann seid zufrieden«, erwiderte Denethor. »Stolz, der in der Not Hilfe und Rat verschmähte, wäre Torheit; doch Ihr verteilt solche Gaben entsprechend Euren eigenen Plänen. Dennoch darf der Herr von Gondor nicht zum Werkzeug der Absichten anderer Männer gemacht werden, wie ehrenwert sie auch sein mögen. Und für ihn gibt es kein höheres Ziel in der Welt, so wie sie jetzt beschaffen ist, als Gondors Wohl, und in Gondor herrsche ich, mein Herr, und kein anderer, es sei denn, der König käme wieder.«
    »Es sei denn, der König käme wieder?«, sagte Gandalf. »Nun, Herr Truchsess, Eure Aufgabe ist es, einen Teil des Königreichs zu bewahren bis zu diesem Ereignis, das zu erleben wenige jetzt erwarten. Bei dieser Aufgabe sollt Ihr alle Hilfe erhalten, die zu erbitten Euch beliebt. Aber das will ich sagen: Kein Reich beherrsche ich, weder Gondor noch irgendein anderes, ob groß oder klein. Doch alles, was Wert hat in der Welt, so wie sie jetzt beschaffen ist, das steht unter meinem Schutz. Und ich für mein Teil werde mit meiner Aufgabe nicht ganz scheitern, sollte Gondor auch zugrunde gehen, wenn irgendetwas diese Nacht übersteht, das noch gut werden oder Frucht tragen oder in zukünftigen Tagen wieder blühen kann. Denn auch ich bin ein Truchsess. Wusstet Ihr das nicht?« Und damit wandte er sich ab und verließ mit Pippin, der neben ihm herlief, die Halle.
    Gandalf schaute Pippin nicht an und sprach kein Wort mit ihm, während sie gingen. Ihr Führer brachte sie von den Toren der Halle über den Hof des

Weitere Kostenlose Bücher