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Der Krake

Der Krake

Titel: Der Krake Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: China Miéville
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meisten Kirchen.«
    Das Feuer brannte in alle Richtungen, verbrannte gewisse Gewissheiten, brannte Löcher in Dinge, in die es keine Löcher hätte brennen sollen, spektakulär wie ein weltumspannendes Feuerwerk. Die Nähe des Veranstaltungsortes - ein manipuliertes Zimmer in irgendeinem unverfänglich wirkenden Bankgebäude oder so - zur Pudding Lane, die außergewöhnliche Beschaffenheit des Feuers und der Ruf der Pyros, die es vorbereitet hatten, hatte zu Spekulationen geführt, es könnte sich um einen Kanal handeln, ein mit Kunsterei vollgepropfter Funke, der sich über mehr als vierhundert Jahre einen Weg zurück sengte, das Große Feuer entzündete und ein kleines Brandloch schuf, durch das Grisamentum aus der Gegenwart herausschlüpfen konnte, in der er starb.
    »Blödsinn«, sagte Dane. »Und außerdem, in welche Zeit er auch gezogen wäre, er hatte das Sterben in sich.« Denn er war gestorben, dieser Mann, der gerade erst eine Botschaft geschickt hatte.
    »Warum jetzt?« Billy ging neben Dane, nicht einen Schritt hinter ihm, wie er es früher wohl getan hätte. Sie waren in Dagenham in einer Straße voller schmutziger, verlassener Gebäude, in der Wellblech als Fassade genauso verbreitet war wie Ziegelmauern.
    »Hören Sie mir zu, Dane. Warum haben Sie es so eilig? Um Gottes willen.« Er packte Dane und zwang ihn, ihm in die Augen zu sehen.
    »Ich habe es Ihnen doch gesagt. Außer ihm weiß niemand, dass wir uns kennen ...«
    »Ob das wirklich er ist oder nicht, Sie wissen nicht, was dahintersteckt. Und wir sollten uns eigentlich versteckt halten. Auf unsere Köpfe ist ein Preis ausgesetzt worden. Morgen treffen wir uns mit Wati. Warum warten wir nicht und reden mit ihm über diese Sache? Sie sind doch derjenige, der mir ständig sagt, ich soll denken wie ein Soldat«, appellierte Billy.
    Dane zog die Schultern hoch. »Sagen Sie mir nicht, ich sei kein Soldat«, sagte er. »Was sind Sie?«
    »Sagen Sie es mir«, entgegnete Billy. Sie bemühten sich, leise zu reden. Billy nahm die Brille ab und trat näher heran. »Was denken Sie, das ich bin? Sie haben mich schon eine ganze Weile nicht mehr nach meinen Träumen gefragt. Wollen Sie wissen, was ich gesehen habe?« Er hatte gar nichts geträumt.
    »Natürlich müssen wir vorsichtig sein«, gab Dane zurück. »Aber einer der bedeutendsten Akteure von ganz London ist gerade von den Toten zurückgekehrt. Aus dem Nichts. Warum hat er gewartet? Was hat er gemacht? Und warum will er mit mir reden? Wir müssen das in Erfahrung bringen, und wir müssen es jetzt tun.«
    »Vielleicht war er gar nicht tot. Vielleicht ist er derjenige, den wir suchen.«
    »Er war tot.«
    »Das war er nachweislich nicht«, sagte Billy und setzte die Brille wieder auf. Das passte alles nicht zusammen. Er hatte keine Ahnung, was das bedeutete. »Woher wollen Sie wissen, dass er Sie nicht umbringen will?«
    »Warum sollte er? Ich habe ihm nie irgendetwas getan. Ich habe mit einigen seiner Jungs zusammengearbeitet. Er hatte nie eine große Truppe, und ich habe alle gekannt. Er weiß, dass das Tattoo hinter uns her ist, und diese beiden ... Reden wir nicht darüber. Außerdem«, sagte er, »sind wir getarnt.« Hier musste Billy lachen. Sie hatten neue uninteressante Kleidung aus dem letzten sicheren Haus übergeworfen, und das war auch schon alles. »Wegen der Brille müssen wir uns was einfallen lassen«, sagte Dane. »Total verräterisch.«
    »Finger weg von meiner Brille«, erwiderte Billy. »Wenn er die ganze Zeit da war und zu niemandem irgendwas gesagt hat ... was hat sich dann jetzt geändert? Sie sind ein Ausgestoßener. Sie können niemandem verraten, dass er noch lebt. Sie sind jetzt ein Geheimnis, genau wie er.«
    »Wir müssen ...« Dane war nicht der geborene Verbannte. Zwei-, dreimal hatte er andere Angehörige seines Standes in der Kirche erwähnt. »Früher hat Ben das Gleiche gemacht wie ich ...«, hatte er beispielsweise gesagt. »Da war dieser andere Typ, und er und ich ...« Was immer er und der andere getan hatten, sie taten es nicht mehr. Billy hatte diese klobigen Männer beim Gottesdienst gesehen. Die Krakenisten hatten eindeutig professionelle Schläger in ihren Reihen. Aber es gab einen Unterschied zwischen einem handfesten jungen Gläubigen und einem voll ausgebildetem Assassinen. Dane war nicht alt, aber er war alt genug, dergleichen schon jahrelang zu tun, und diese Kameraden, die er erwähnte, sie gehörten alle der Vergangenheit an. Etwas war in der Kirche

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