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Der Krake

Der Krake

Titel: Der Krake Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: China Miéville
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war erneut fort.
    Es ging zahlreiche Stockwerke nach unten. Adrenalin war alles, was Mo und Billy daran hinderte, einfach unter Simons Gewicht zusammenzubrechen. Sie hörten ein Scharren über sich, gedämpft durch Mauern. Billy fühlte das schaurige Gekrabbel der Geister auf seiner Haut, als Simons Peiniger durch ihn hindurchfegten. Als sie endlich das Erdgeschoss erreichten, rang Billy nach Luft und hätte sich beinahe übergeben.
    »Steht verdammt noch mal nicht da rum«, sagte der kleine Kirk in seiner Tasche. »Bewegt euch.« Ein ahnungsloser Bürger stand vor seiner Wohnungstür und starrte Simons Geister so verwirrt an, dass er nicht einmal Angst bekam. Billy und Mo rasten in Richtung Fahrstuhl und weiter zur Vordertür, doch die wurde plötzlich aufgerissen, und zwei von Tattoos Männern kamen herein. Graue Nockenwellen, Helme mit dunklen Visieren. Sie griffen zu ihren Waffen.
    Mo schrie auf und riss die Hände hoch. Billy stand vor ihr und feuerte den Phaser ab.
    Er geriet nicht in Panik. Ihm blieb sogar genug Zeit, für einen Moment zu bestaunen, wie ruhig er war und dass er die Waffe hob und den Auslöser betätigte.
    Es gab keinen Rückschlag, aber da war das kitschige Geräusch und die Linie aus Licht, die dem vorderen der beiden Männer gegen die Brust schlug und ihn zurückschleuderte. Der zweite Mann rannte auf einem geübten Zickzackkurs auf Billy zu. Billy schoss mehrfach, verfehlte ihn jedoch und versengte nutzlos die Wände.
    Mo schrie. Billy riss die Hand vor. Der Mann blieb so abrupt stehen, als wäre er gegen ein Hindernis gestoßen. Er prallte von etwas ab, das nicht zu sehen war. Der Mann schlug mit dem Helm gegen das Nichts, und der Aufschlag war hörbar.
    Billy hörte weder den Lift ankommen noch die Türen aufgehen. Er sah nur, wie Dane hinter dem Schläger des Tattoos auftauchte und seine leer geschossene Harpune kraftvoll und mit dem Schwung eines Schlagmanns gegen den Motorradhelm drosch. Der Mann ging zu Boden. Seine Pistole rutschte davon. Der Helm flog ab.
    Sein Kopf bestand aus einer kopfgroßen Faust, die sich ballte und entspannte.
    Sie öffnete sich. Die riesige Handfläche war nach vorn gewandt. Als der Mann sich hochstemmte, ballte sie sich wieder. Dane schlug ihm brutal auf die Rückseite seines Handkopfs. Der Angreifer stürzte erneut zu Boden.
    »Kommt«, sagte Dane.
    Sie rannten auf verschlungenen Pfaden zu Mos Wagen und halfen ihr, den zitternden, geistdelirierenden Simon hineinzupacken. Tribble wieherte. »Ich kann nichts versprechen«, meinte Mo.
    »Schau, was du tun kannst«, sagte Dane. »Wir finden dich wieder. Haben die dich gesehen?«
    »Ich glaube nicht«, antwortete sie. »Und sie kennen mich nicht. Selbst wenn ...« Sie sah verunsichert aus. Da waren keine Augen gewesen.
    »Gut, dann verschwinde.« Dane klopfte auf das Dach ihres Wagens, als wollte er ihn freigeben. Als sie fort war, betastete er die Türgriffe der Autos in der Nähe, bis er eines fand, von dem ihm seine Finger verrieten, dass es ihm gefallen würde.
    »Was sind die?«, fragte Billy. »Diese Männer?«
    »Die Armleuchter?« Dane startete den Wagen. Hinter ihnen klangen Schreie auf. »Dazu braucht man ein paar Voraussetzungen.« Er war aufgekratzt. »Es hat Vorzüge, aber man muss gern kämpfen. Sie sollten sie mal nackt sehen. Oder besser nicht.«
    »Wie sehen sie?« Sie rasten in die Nacht. Dane blickte sich zu Billy um, grinste, erbebte förmlich auf seinem Platz und schüttelte den Kopf.
    »Herrgott, Billy«, sagte er. »Ihr Hirn arbeitet wirklich einzigartig.«
    »Genau.« Das kam von Wati, der wieder in Kirk hockte. »Bring ein bisschen Abstand zwischen uns und Goss und Subby.«
    »Was bist du doch für ein Genie«, sagte Dane. »Was hast du gemacht?«
    »Es ist ganz hilfreich, wenn man Stimmen nachahmen kann. Bin gleich wieder da.«
    Dane beschleunigte und wedelte mit der Harpune in der linken Hand. »Das ist Scheiße«, stellte er fest. »Ich musste noch nie ... Wir werden mehr brauchen als das. Das war Mist. Ich brauche eine neue Waffe.«
    Goss stand stocksteif da und lauschte.
    »Das ist eine Hinterlist, Subby«, sagte er. »Ich frage mich, wo das Funkelpferd geblieben ist.«
    »Ich werde euch verraten, was passiert ist«, sagte eine Stimme, die von einer plumpen Figur auf dem Dachfirst stammte. »Jemand hat dich drangekriegt, du psychopathischer Wichser.« Das wiederum entstammte einem froschförmigen Radiergummi, den jemand im Rinnstein entsorgt hatte.
    Und dann, aus einem Blumenkasten

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