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Der Kreuzritter - Verbannung - Tempelriddaren

Titel: Der Kreuzritter - Verbannung - Tempelriddaren Kostenlos Bücher Online Lesen
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Thüringen nannte, war einer der Templer, die am Mont Gisard verwundet worden waren.
Arn hatte ihn überredet, sich in Gaza behandeln zu lassen, aber ihm nicht erklärt, warum er hier eine bessere Pflege erhalten würde als in seiner eigenen Burg Castel Arnald in der Gegend von Ramleh.
    Was Arn seinem Templerbruder nicht erzählt hatte, war, dass es sich bei den Ärzten auf der Burg Gaza um Sarazenen handelte. Manche Templer hielten es für schimpflich, sarazenische Ärzte zu beschäftigen. Die neuen Brüder und auch die weltlichen Franken in Outremer fanden, dass alle Sarazenen sofort und ohne weitere Umstände getötet werden sollten. In seinem ersten Jahr bei den Templern hatte auch Arn solchen einfältigen Vorstellungen angehangen. Aber das war lange her, und Arn hatte wie die meisten anderen Brüder, die lange im Heiligen Land gedient hatten, gelernt, dass bei den sarazenischen Ärzten doppelt so viele Verwundete überlebten wie bei den fränkischen. Die erfahreneren Brüder pflegten zu scherzen, dass ein Arzt aus Damaskus das Sicherste sei, was einem widerfahren könne, wenn man eines schönen Tages verwundet werde. Das Zweitsicherste sei überhaupt kein Arzt, denn ein fränkischer Arzt sei mit Sicherheit tödlich.
    Einige Burggrafen und hohe Brüder gaben zwar zu, dass die sarazenischen Ärzte geschickt seien, waren aber dennoch der Ansicht, dass man sich nicht auf die Ungläubigen verlassen solle, denn das sei eine Sünde.
    Darauf pflegte Arn zu erwidern, dass es schon seltsam sei, wegen einer solchen Sünde am Leben zu bleiben und als Strafe für seinen reinen Glauben sterben zu müssen. Ins Paradies zu kommen, weil man auf dem Schlachtfeld fiel, sei eine Sache; dasselbe Schicksal zu erleiden, weil man auf dem Krankenlager schlecht versorgt würde, jedoch etwas ganz anderes.

    Arn hatte bereits den Eindruck gehabt, dass Bruder Siegfried zu denen gehörte, die sich aufgrund ihres Glaubens nur auf unkundige Ärzte verließen. Da Siegfried jedoch auf einer Trage nach Gaza gebracht worden war, hatte er keine Schwierigkeiten machen können. Ein Pfeil hatte seine Schulter samt Schulterblatt durchbohrt, und eine Lanze war ihm tief in den linken Oberschenkel gedrungen. Bei einem fränkischen Arzt hätte er bald Arm und Bein verloren.
    Anfänglich hatte Siegfried noch gejammert und sich bei Arn darüber beklagt, dass er ihn unreinen Händen überlassen habe. Aber den beiden Ärzten Utman ibn Khattab und Abd al-Malik war es gelungen, die Pfeilspitze zu entfernen, obwohl sie von vorn bis zum Schulterblatt gedrungen war. Dann hatten sie mit Kräutertränken das Wundfieber gesenkt und die Wunde sorgfältig mit Branntwein gereinigt. Dieser schmerzte zwar wie Feuer, wenn er auf eine Wunde kam, reinigte sie aber von allem Bösen. Bereits nach zehn Tagen hatte Siegfried gemerkt, dass die Wunde, soweit er das von außen sehen konnte, verheilte. Bald hatte er den Arm wieder bewegen können, obwohl ihn die Ärzte in holprigem Fränkisch zu ermahnen suchten, still zu liegen.
    Mit zunehmender Genesung interessierte sich Siegfried für die Unterschiede bei der Behandlung von Verwundeten in Gaza und in anderen Burgen, die er kannte. Der erste große Unterschied bestand darin, dass die Verwundeten in Gaza in einem oberen Stockwerk der Burg lagen, und zwar in einem kühlen und trockenen Raum, wo die Betten so weit voneinander entfernt waren, dass die Männer sich kaum unterhalten konnten. Die kühle Luft war kein Problem, denn alle hatten Leintücher und Felle. Außerdem wurde die Bettwäsche dauernd gewechselt
und in einer Wäscherei in der Stadt gewaschen. Dass das für die Heilung der Wunden von Bedeutung sein könne, war kaum zu glauben, aber stets in sauberer Bettwäsche zu liegen war angenehm.
    Vor den Schießscharten befanden sich Holzläden, die Wind und Regen abhielten. Das mochte unnötig erscheinen, denn man hätte es genauso machen können wie auf den anderen Burgen, wo die Verwundeten in dunklen Getreidespeichern lagen. Aber offenbar bestanden die sarazenischen Ärzte auf frischer Luft und einer niedrigen Raumtemperatur im Infirmatorium.
    Der größte Unterschied bestand jedoch darin, dass in Gaza bei der Behandlung nicht gebetet wurde. Die Methoden der Sarazenen waren in den allermeisten Fällen übrigens sehr zurückhaltend: Die Ärzte ließen es meist dabei bewenden, die Wunden zu säubern und zu verbinden. Sie kamen nicht dauernd mit Breiumschlägen, wärmendem Kuhmist und anderem, dem man sich sonst als Verwundeter

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