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Der Name der Finsternis: Roman (German Edition)

Der Name der Finsternis: Roman (German Edition)

Titel: Der Name der Finsternis: Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Franz Binder
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in die Hand.
    Jason winkte uns steif aus dem Auto zu, ohne die Miene zu verziehen, wie ein König seinen Untertanen.
    Ich legte Edith zärtlich den Arm um die Schultern, als müsste ich mich entschuldigen für den anstrengenden Abend, den ich ihr mit diesen ungewöhnlichen
    Gästen zugemutet hatte. Sie schien es kaum zu bemerken, war in Gedanken versunken. Vorsichtig fragte ich nach ihrer Meinung über Jason, tastend, um
    herauszufinden, ob die Faszination, die ich auf ihrem Gesicht zu sehen geglaubt hatte, echt gewesen war oder nur die Maske einer höflichen Gastgeberin. Sie
    verstand meine Frage erst beim zweiten Mal.
    „Er spricht die Wahrheit!“, sagte sie mit einer Stimme, die keinen Widerspruch zuließ, ohne den Blick von der Biegung der Straße zu wenden, hinter der das
    Auto mit Howard Jason verschwunden war.
    Das Kuvert, das Ted mir gegeben hatte, öffnete ich erst am anderen Morgen. Es enthielt die Fotokopie des Briefes von Nazir Ji, die Ted heimlich gemacht
    hatte.
    Lieber Howard,
    Dein Manuskript habe ich mit wachsender Missbilligung gelesen. Ich kann nur wiederholen, was ich Dir öfter schon auf Deine Briefe geantwortet habe:
     Bescheidenheit ist die größte Tugend des spirituellen Weges. Übe Dich in Bescheidenheit. Alle großen Meister haben diese Tugend zur Vollkommenheit
     gebracht. Demut hat sie zu Gott geführt. Du hast mir in Deinen Briefen immer wieder geschrieben, ich sei Dir erschienen und hätte Dir Texte diktiert.
     Du hast dies auch in den Artikeln geschrieben, die Du veröffentlichst. Nun schickst Du mir ein Buch, in dem Du eine Reise in die Welten Gottes an
     meiner Seite beschreibst. Doch was wird das Ergebnis sein, wenn Du dieses Buch herausbringst? Dein Ego wird wachsen dadurch, nicht aber Dein wahres
     Selbst. Aus Deinem Buch spricht Selbstherrlichkeit, spirituelle Selbstüberschätzung. Du hattest einen Traum, in dem dir einige Schimmer der Welten
     Gottes gezeigt wurden, Du aber hast daraus etwas gemacht, das Dich selbst verherrlicht. Du bist erst seit kurzer Zeit auf dem Pfad der Wahrheit. Du
     vermischt die reinen Lehren der Meister mit all den okkulten Ideen, denen Du früher angehangen bist, schreibst von uralten Bruderschaften und
     ähnlichem, das in unserer Lehre gar nicht bekannt ist und nur Deiner Fantasie entspringt. Du verwechselst mentales Wissen mit spiritueller Weisheit.
     Viele andere haben weit größere Erfahrungen gemacht als Du, weit größere Fortschritte, sie aber haben geschwiegen, weil sie die Macht der Demut kennen.
     Du schwebst in Gefahr, in eine der schlimmsten Fallen zu treten, die Dir auf Deinem Weg zu Gott begegnen können, die der spirituellen Eitelkeit und
     Selbstüberhebung. Ich spreche nur deshalb so offen zu Dir, um Dich vor dieser Verdunkelung des Geistes zu bewahren. Verbrenne das Buch, das Du
     geschrieben hast, lege Deine Aufmerksamkeit nicht auf spektakuläre Erfahrungen, sondern meditiere bescheiden. Du bist erst am Anfang des geistigen
     Weges und bist entzückt von Phänomenen, die Dir auf diesem Weg begegnen. Phänomenale Erlebnisse sind niemals ein Gradmesser wirklicher spiritueller
     Entfaltung, sondern eine sehr untergeordnete Stufe auf dem Weg zu Gott. Sehr oft sind sie nichts weiter als schillernde Täuschungen der Illusion, die
     nur die Absicht haben, Dein Ego aufzublähen und Dich in die Irre zu führen. Es sind keine echten spirituellen Erfahrungen. Lass nicht nach in der
     Praxis Deiner Meditation und halte streng die Gelübde, die Du bei Deiner Initiation abgelegt hast. In der Meditation wird Dir vieles klarer werden,
     wenn Du diese schwierige Phase Deiner Entwicklung überwunden hast. Gräme Dich nicht. Du stehst erst am Anfang des Weges. Jeder ernsthafte Sucher muss
     diese Phase der Prüfung durchleben. Ihre Meisterung ist Teil Deiner Ausbildung, die gerade erst begonnen hat.
    Nazir
Kapitel 6
Mission
    Bali: Stürme von Bildern. In überfließender Fülle Unzugänglichkeit. Strom von Geheimnissen, niemals preisgegeben. Augen, die Spiegel nie zu
     ergründender Brunnen berühren, flüchtige Blicke durch den Spalt eines Vorhangs, den ein launischer Windstoß aufschlägt. Fragmente, die Zufall vor die
     Sinne führt. Splitter, Verborgenes ahnen lassend, kostbare Bruchstücke, Reflexe unerschöpflicher Ganzheit.
    Bali: Rauchiges Morgenlicht, wie Nebel in Dorfstraßen schwebend. Samtene Luft, die über die Stirne streichelt wie von Blütenduft berührter Atemhauch.
     Brandungsgrollen fern am Riff. Felsküsten, an die grüne,

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