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Der Name der Finsternis: Roman (German Edition)

Der Name der Finsternis: Roman (German Edition)

Titel: Der Name der Finsternis: Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Franz Binder
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Neugierde, dann aus Eigennutz,
    weil sie eine Möglichkeit wittern, aus ihren Zwängen auszubrechen, weil sie neue Perspektiven für ihr Leben sehen, die ihnen ohne die Liga nie
    offenstünden, irgendwann aber beginnt die Wahrheit des Hju auch bei ihnen zu greifen und sie werden sich erheben aus dem Aberglauben ihrer Väter und
    Vorväter, aus dem, was du so hochtrabend Kultur nennst. Willst du wirklich diesen hinduistischen Götzenzauber, diese Magie und diesen Dämonenkult
    verklären? Willst du die Menschen, die ebenso wie du nach der Wahrheit des Hju suchen, in ihrer spirituellen Sackgasse belassen, nur damit du deine
    romantischen Empfindungen befriedigt findest? Auch die Armut hier scheint für einen Europäer sehr idyllisch, die zerlumpten, dreckigen Kinder, die Bauern,
    die für einen Hungerlohn auf den Reisfeldern schuften, die Frauen, die verschachert werden, wie es den Familienoberhäuptern gefällt. Das ist alles recht
    pittoresk. Aber es stinkt, ebenso wie die Einstellung stinkt, die alles so bewahren will, wie es ist. Oh ja, natürlich werden wir es bewahren, in Filmen
    und Völkerkundemuseen, aber wir werden das Fortschreiten des Bewusstseins der Liga nicht aufhalten, das die Menschen befreien wird. Deshalb sind wir hier,
    Aron. Das ist der Sinn deiner Missionsreise. Das ist das Ziel deiner Aktivitäten innerhalb der Liga. Wir mischen uns nicht in politische und
    wirtschaftliche Angelegenheiten der Länder ein. Wir helfen nur, wo wir können und säen die Samen von Bewusstheit. Selbst eine Kassette mit Popmusik, über
    die man in Kreisen der Atmas zu Hause vielleicht die Nase rümpft, ist eine solche Saat, denn sie hilft den Teufelskreis der alten Denkmuster und
    Traditionen aufbrechen, in denen die meisten Leute hier verstrickt sind. Wie du weißt, bieten wir spezielle Musterbrecherkurse an, die hindernde kulturelle
    Gedankenformen deprogrammieren. Die Deprokurse sind bei uns auf Bali besonders beliebt. Frage unsere einheimischen Helfer. Sie können es dir bestätigen.
    Außerdem empfehle ich dir, das Merkheft des Hauptquartiers für die Verbreitung der Lehre in Asien genau durchzulesen. Dort findest du eine Fülle von Fakten
    über den wahren Charakter dieser sogenannten Hochkulturen. Ich weise euch alle bei dieser Gelegenheit noch einmal darauf hin, dass ihr nicht als Touristen
    hier seid, sondern als Krieger der Wahrheit. Dies ist kein Strandhotel, sondern eine Missionsstation. Das ist auch der Grund, warum es nicht gerne gesehen
    wird, wenn Missionsmitarbeiter Kontakte zu Touristen pflegen und sich in den Hotels herumtreiben. Es genügt mir schon, wenn Atmas, die nach Bali auf Urlaub
    fahren, unbedingt die Mission besichtigen wollen, als sei sie eine Sehenswürdigkeit. Gut, wir veranstalten zweimal im Monat einen offenen Nachmittag für
    sie, schließlich müssen sich Atmas überall auf der Welt zu Hause fühlen, aber die Mission dient nicht den reisenden Atmas, sondern der Verbreitung der
    Lehre unter den Einheimischen. Die Arbeit hier ist kein Vergnügen und richtet sich nicht nach westlichen Standards aus. Schließlich wollen wir nicht die
    Touristen ansprechen, sondern die lokale Bevölkerung. Die Westler haben zu Hause genug Gelegenheit, Vorträge und Schulungen zu besuchen. Aus diesem Grund
    werden hier beim Verbreiten der Lehre andere Maßnahmen ergriffen als in New York oder London, einfach weil sie sich bei den Einheimischen bewährt haben.
    Dazu gehört auch das Verteilen von Musikkassetten und anderen kleinen Geschenken. Das entspricht dem hiesigen Lebensstil. Es soll noch einmal jemand sagen,
    wir würden uns nicht auf Sitten und Gebräuche der Bevölkerung einstellen. Soweit die Grundsatzdiskussion. Ich wünsche keine weiteren Erörterungen dieses
    Themas. Ich habe keine Lust, immer wieder durch solche Einwände die Arbeit der Mission behindern zu lassen. Wem die Grundlagen der Liga-Weltkultur nicht
    klar sind, sollte nicht auf Missionsreise gehen, sondern ein paar weitere Trimester an der Akademie studieren und die Bücher der Mahagurus lesen. Und nun
    Aron, bitte das Wesentliche über den Vortrag in Singaraja – wie viele Teilnehmer?“
    Aron stand wie vom Donner gerührt. Putnam grinste ihn an, während die anderen betreten die Augen auf ihre Papiere gesenkt hielten. „Ich sehe, Aron, dass
    die kontraproduktiven Flausen bei dir nicht so hartnäckig festsitzen wie bei deinem Freund. Ich hoffe, dass deine Zeit bei uns dir Gelegenheit geben wird,
    dich ganz von ihnen zu befreien.

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