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Der Schatten erhebt sich

Der Schatten erhebt sich

Titel: Der Schatten erhebt sich Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Robert Jordan
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zurück, von der er hoffte, die Frauen hätten sie nicht bemerkt.
    Die Entfernung war im Endeffekt aber nicht groß -weniger als zwanzig Schritt. Das Wegetor war ja wohl verschlossen, aber da gab es immer noch die Raben und alles, was mit ihnen zusammenhängen mochte. Er wollte ihnen nahe sein, für den Fall, daß sie ihn brauchten. Falls Faile sich beklagte, sollte sie ruhig. Er war schon so darauf eingestellt, ihren Protest einfach zu überhören, daß es ihn wurmte, als sie nichts sagte.
    So ignorierte er statt dessen die Schmerzen in seinem Bein und unter seinen Rippen, sattelte Traber ab und holte ihr Gepäck vom Packpferd herunter. Dann legte er beiden Tieren Fußfesseln an und hängte ihnen Futtersäcke um, in die er ein paar Handvoll Gerste und Hafer verteilt hatte. Hier oben konnten sie ja kaum grasen. Was die möglichen Gefahren betraf... Vorsichtshalber bespannte er seinen Bogen, legte ihn neben den Köcher ans Feuer und holte die Axt aus der Gürtelschlaufe.
    Gaul half ihm beim Feuermachen, und dann aßen sie Brot und Käse und Trockenfleisch. Sie aßen schweigend und spülten alles mit Wasser hinunter. Die Sonne sank hinter die Berge und malte die Gipfel und die Wolken rot. Schatten überzogen das Tal, und die Luft wurde kühl.
    Perrin klopfte sich die Krümel von den Händen und kramte seinen guten grünen Wollumhang aus den Satteltaschen. Vielleicht hatte er sich doch mehr der Hitze in Tear angepaßt, als er selbst glaubte. Die Frauen drüben aßen nicht so schweigend an ihrem von Schatten überlagerten Feuer. Er hörte Lachen, und ein paar Bruchstücke dessen, was sie sagten, ließen ihm die Ohren heiß werden. Frauen schwatzten aber auch über alles; sie kannten keine Hemmungen. Loial war so weit wie möglich von ihnen abgerückt, so weit eben der Feuerschein reichte, und hatte sich in einem Buch vergraben. Ihnen war wahrscheinlich nicht einmal klar, daß sie den Ogier von einer Verlegenheit in die nächste stürzten. Möglicherweise glaubten sie auch, sie sprächen so leise, daß Loial nichts mehr davon verstünde.
    Perrin knurrte in sich hinein und setzte sich gegenüber von Gaul ans Feuer. Der Aiel schien von der Kühle überhaupt keine Notiz zu nehmen. »Kennst du lustige Geschichten?« »Lustige Geschichten? Mir fällt so plötzlich keine ein.« Gauls Blick wanderte hinüber zu dem anderen Feuer, und dann lachte er. »Ich würde schon gern eine erzählen, wenn ich könnte. Die Sonne, erinnerst du dich?« Perrin lachte extra laut, damit man es drüben auch sicher hören konnte. »Ich erinnere mich. Frauen, ha!« Das Gelächter im anderen Lager verstummte einen Moment lang und erhob sich anschließend wieder. Das würde es ihnen schon zeigen. Auch andere Leute konnten lachen. Perrin starrte trübsinnig ins Feuer. Seine Wunden schmerzten.
    Einen Augenblick später sagte Gaul: »Diese Landschaft wirkt eher wie das Dreifache Land als jede andere in den Feuchtländern. Immer noch zuviel Wasser, und die Bäume sind zu groß und auch zu viele, aber es wirkt nicht so fremdartig wie die Orte, die ihr Wälder nennt.« Die Erde hier war sehr schlecht, wo Manetheren im Feuer gestorben war, die verstreuten Bäume waren verkrüppelt, vom Wind abgewandt, mit dicken, kurzen Stämmen, und keiner auch nur dreißig Fuß hoch. Für Perrin war das einer der trübseligsten Flecken Erde, die er je gesehen hatte.
    »Ich wünschte, ich könnte eines Tages euer Dreifaches Land kennenlernen, Gaul.« »Vielleicht geht das, wenn wir hier fertig sind.« »Vielleicht.« Das war aber wohl kaum möglich. Eigentlich gar nicht. Er hätte das dem Aielmann sagen können, aber er wollte lieber nicht darüber sprechen, ja, noch nicht einmal darüber nachdenken.
    »Und hier stand einst Manetheren? Du stammst von den Bewohnern Manetherens ab?« »Hier war Manetheren«, antwortete Perrin. »Ja, und ich denke schon.« Es war schwer zu glauben, daß in den Bewohnern der kleinen Dörfer und stillen Bauernhöfe der Zwei Flüsse das letzte Blut von Manetheren floß, doch Moiraine hatte das behauptet. Das alte Blut ist stark an den Zwei Flüssen, hatte sie gesagt. »Das war vor langer Zeit, Gaul. Wir sind Bauern und Schäfer, kein großer Staat mehr und auch keine großen Krieger.« Gaul lächelte leicht. »Wenn du meinst. Ich habe dich und Rand al'Thor den Tanz der Speere tanzen sehen, und auch den, den ihr Mat nennt. Aber wenn du meinst.« Perrin rutschte nervös hin und her. Inwieweit hatte er sich geändert, seit sie die Heimat verlassen

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